Auf der Strecke geblieben

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Matthias Blömer und seine Kinder Mattes (8) und Milla (6) auf dem Eppendorfer Weg. Lieferanten und Zweite-Reihe-Parker versperren hier regelmäßig den Weg Foto: mdt
 
Der Rad-Reporter Marco Dittmer Foto: wb

Sanierung des Eppendorfer Weges: Gut für Autos, schlecht für Radfahrer?

Von Marco Dittmer
Hoheluft
Pöbelnde Fußgänger, hupende Autofahrer – Radfahrer auf dem Eppendorfer Weg haben es auf dem Abschnitt zwischen Hoheluftchaussee und Mansteinstraße nicht leicht. Besonders morgens, wenn die Lieferanten der Einzelhändler in der zweiten Reihe parken, und im Berufsverkehr kann es für Fahrradfahrer eng werden – und gefährlich. „Ich wurde schon einige Male von einem Rückspiegel getroffen. Das ging bisher immer glimpflich aus“, sagt Matthias Blömer. Der 46-Jährige hat jetzt an den Rad-Reporter des Wochenblatts geschrieben und seiner Wut über die Verkehrspolitik des Bezirks Eimsbüttel Luft gemacht. Was Matthias Blömer so enttäuscht, ist die kürzlich abgeschlossene Sanierung der Fahrbahn. Der Fahrradverkehr hätte bei den Planungen des Bezirkes zu der Neugestaltung offenbar keine Rolle gespielt: Weder ein neuer Radweg noch Schutzstreifen auf der Fahrbahn wurden auf der Straße installiert. Und nach der Sanierung ist es laut Fahrradfahrer Blömer sogar noch gefährlicher geworden. „Die Autos sind seit der Sanierung viel schneller unterwegs. Zuvor fuhren Autofahrer hier noch auf Pflastersteinen, da waren alle relativ vorsichtig“, sagt der Familienvater.

„Hoher Parkdruck“ – keine Schutzstreifen


Aus dem Bezirksamt heißt es dazu: „Vor der Sanierung fand eine eingehende Prüfung bezüglich der Markierung von Schutzstreifen statt. Aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens und des sehr hohen Parkdrucks, der dazu geführt hätte, dass der Schutzstreifen stets zugestellt wäre, hat man sich gegen das Markieren von Schutzstreifen im Eppendorfer Weg entschieden“, sagt Thorsten Rösch vom Fachamt „Management des öffentlichen Raumes“, das für die Planung zuständig ist. Die Erfahrungen vieler Radfahrer sehen anders aus. Matthias Blömer berichtet von verstopften Straßen zum Berufsverkehr und rücksichtslosen Rasern, wenn die Straßen leerer werden. Auch während des Interviews vor Ort zählen wir fünf Zweite-Reihe-Parker innerhalb von 20 Minuten und einen Beinaheunfall als ein Autofahrer in den Eppendorfer Weg einbiegen will und dabei einen Radler übersieht.
Um den parkenden Autos auszuweichen müssen Radfahrer oft bis in die Mitte der Fahrbahn, nahe dem Gegenverkehr. Keine angenehme Umgebung auf einer Straße auf der immerhin 50 km/h erlaubt sind. Sohn Mattes (8) könnte laut Verkehrsordnung bereits auf der Straße fahren, auf dem Eppendorfer Weg traut er sich das aber noch nicht zu und auch Matthias Blömer selbst fährt seit der Sanierung lieber auf dem Gehweg oder umgeht den Eppendorfer Weg gleich ganz. Lieber plant er morgens ein paar Minuten mehr ein, als nochmal mit einem Auto zusammenzustoßen. Gegenüber dem Rad-Reporter äußert er sich besorgt: Es müsse wohl erst einem Kind etwas passieren, bevor die Behörden reagierten.

Der Rad-Reporter Marco Dittmer:
Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der neue Radreporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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1 Kommentar
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kai dirksen aus Eppendorf | 02.08.2015 | 03:00  
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