Aufarbeitung der Vergangenheit

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Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt ließ sich vom Medizinhistoriker Dr. Thomas Beddies die Ausstellung erläutern, der sie zusammengestellt hatte. Fotos: Hanke

Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“ am UKE eröffnet

Eppendorf. Im Medizinhistorischen Museum Hamburg am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wurde gestern die Sonderausstellung „Im Gedenken der Kinder. Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“ von der Wissenschaftssenatorin und Zweiten Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt eröffnet.

Eine Ausstellung, die ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Krankenhauses beleuchtet: Die Nutzung von Präparaten von ermordeten Kindern für die Wissenschaft. „Wir haben im Rahmen einer Dissertation im Jahr 2009 Hinweise darauf bekommen, dass Präparate von Kindern im UKE zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet worden sind“, erzählte Professor Dr. Heinz-Peter Schimiedebach, der Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am UKE bei der Eröffnung der Ausstellung. Für Schmiedebach und seine Mitarbeiterinnen war sofort klar, dass sie diese Kinder finden wollten. „Das waren wir uns selbst, dem UKE und Hamburg schuldig. Das war unsere Verantwortung als Nachgeborene, unsere Verantwortung den Opfern gegenüber“, so Schmiedebach. Fünf Päparate von Gehirnen für die neuropathologische Forschung konnten schließlich fünf Kindern aus Hamburg zugeordnet werden. Zwölf weitere könnten von Kindern aus Lüneburg stammen. Sie alle wurden im Rahmen der so genanten „Kinder-Euthanasie“ ermordert. Unter dem Begriff Euthanasie werden die Ermordungen von Behinderten im Dritten Reich zusammengefasst, die 1939 angeordnet, 1941 nach massiven Protesten in der Bevölkerung gestoppt, aber danach heimlich weitergeführt wurden. Ein eigenes schauriges Kapitel der NS-Geschichte ist die Kinder-Euthanasie, die Erfassung aller behinderten Kinder, nach NS-Auffassung „lebensunwertes Leben“, zur „Behandlung“, wie die Ermordung dieser Kinder den Eltern gegenüber verharmlosend bezeichnet wurde.
Die Sonderausstellung im UKE informiert auf über 30 Bild- und Texttafeln sowie an Medienstationen mit Originalsequenzen eines NS-Propagandafilms und Lesungen aus Briefen von Opfern und Tätern über die Kinder-Euthanasie. „Alle diese Kinder waren besondere Kinder. Sie verdienen größten Schutz und größte Fürsorge. Stattdessen wurden sie in ihren Familien, in Krankenhäusern oder Schulen gezielt aufgespürt und durch das nationalsozialistische Terror-Regime im Namen einer zutiefst menschenverachtenden Pseudo-Wissenschaft ermordet. Meine besondere Anerkennung gilt all denjenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über die Kinder-Euthanasie-Morde aufzuklären“, sagte Dorothee Stapelfeldt. „Es ist unsere Pflicht, die geschichtlichen Tatsachen rückhaltlos offen zu legen - so schmerzhaft das auch sein mag. Wir müssen uns stets und auch jetzt dafür einsetzen, dass Angriffe auf die Menschenwürde in unserer Gesellschaft keine Chance haben und Wissenschaft dort endet, wo sie die unantastbare Würde des Einzelnen berührt“, sagte Professor Dr. Kurt Ullrich, der Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKE.
Die Ausstellung, die bis zum 11. November im Medizinhistorischen Museum (Gebäude N 30b, Fritz-Schumacher-Haus) zu sehen sein wird, hat Medizinhistoriker Dr. Thomas Beddies von der Charité Berlin zusammengestellt. (ch)
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