Aus für Seniorentreffs?

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Seniorentreffs sind wichtig fürs Sozialleben älterer – oft schon alleinstehender – Menschen Symbolfoto: thinkstock
 
Helmut Krumm, Hans-Lüder Hilken und Ursula Preuhs vom Seniorenbeirat schlagen Alarm Foto: ch

Beirat Hamburg-Nord schlägt Alarm: Zu wenig Geld für die Arbeit im Bezirk

Von Christian Hanke
Hamburg-Nord
Noch ist der Bezirk mit relativ vielen Senioreneinrichtungen ausgestattet. Offenbar sind aber auch sie in Gefahr, denn seit rund zehn Jahren sind die Zuwendungen für die Offenen Seniorenarbeit, für Seniorentreffs und –gruppen kaum erhöht worden. Die Kosten für den Betrieb dagegen sind kontinuierlich gestiegen. Der Seniorenbeirat Hamburg-Nord schlägt deshalb nun Alarm, hat einen Antrag formuliert, in dem die dramatische Entwicklung der letzten Jahre zusammengefasst wird. „Es wird für die Einrichtungen immer schwieriger, zum Beispiel Kursleitungen für nur eine geringe Aufwandsentschädigung zu bekommen und auch die ständig gestiegenen übrigen Programmkosten (Sachkosten) zu finanzieren“, heißt es da. Aufgrund des Missverhältnisses von gleichbleibender Zuwendung und gestiegenen Betriebskosten wäre ein Rückgang der „quantitativen und qualitativen Angebote der Offenen Seniorenarbeit“ zu beobachten: „Die Seniorentreffs werden quasi ausgetrocknet“, so die Antragsteller. Deshalb nehme die Frustration „der nahezu ausschließlich ehrenamtlich Tätigen in den Seniorentreffs“ zu. „Es bleibt für den operativen Bereich, für die Durchführung von Veranstaltungen immer weniger Geld, da die Zuwendungen zunehmend für die Deckung der Betriebskosten aufgewendet werden müssen“, erläutert Hans-Lüder Hilken, der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats Hamburg-Nord. „Sie nennen als Gründe der Absagen Krankheiten oder anderes, aber wir erfahren oft, dass es in Wahrheit finanzielle Not war“, erzählt Ursula Preuhs. „Es ist eine Zange von zwei Seiten. Einerseits sinken die Zuwendungen für Seniorentreffs und -gruppen real und andererseits erhöhen sich die Kosten für viele Veranstaltungen“, fasst Hans-Lüder Hilken zusammen.
Dabei müssen die Seniorentreffs an fünf Tagen in der Woche geöffnet sein. Dafür stehen den Einrichtungen jährlich jeweils zwischen 6.933 und 8.933 Euro zur Verfügung. Manchen ehrenamtlichen Helfern können nicht einmal mehr Aufwandsentschädigungen wie Fahrkarten bezahlt werden. Die Zuwendung 2016 für die Offene Seniorenarbeit in Hamburg-Nord beträgt 435.000 Euro. Der Betrag für die Veranstaltungen stieg von 2013 bis 2016 von 142.000 nur auf 150.000 Euro.
Die Einrichtungen müssen zunehmend Eigenmittel investieren, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. „Im August, September ist das Geld aus den Zuwendungen meistens ausgegeben. Für den Rest des Jahres müssen die Träger der Einrichtungen mit ihren Mitteln einspringen“, berichtet Ursula Preuhs. „Das Fass ist am Überlaufen“, findet Helmut Krumm, auch Mitglied im Bezirksseniorenbeirat und an die Politik gerichtet: „Wollen die uns für dumm verkaufen oder verstehen sie das Thema nicht?“ Ursula Preuhs glaubt, dass der Seniorenbeirat bislang zu brav aufgetreten ist. „Wir müssen deutlicher werden. Die ältere Generation ist zu bescheiden“, findet die Vorsitzende. Jetzt haben sie die „Faxen dicke“ und hoffen, dass sich die Fraktionen in der Bezirksversamlung Hamburg-Nord ihrer Anliegen annehmen, denn eigene Anträge kann der Seniorenbeirat nicht stellen. Diese Veranstaltungen, Kurse, Vorträge und auch nur Klöntreffs bei Kaffee und Kuchen werden von Wissenschaftlern nicht hoch genug eingeschätzt. „Das ärgert mich! Alle Fachleute reden von sozialer Teilhabe der älteren Menschen, die unter die Leute müssen, um nicht in ihren Wohnungen zu vereinsamen. Doch die Treffs und Gruppen, in die sie gehen können, haben immer weniger Geld zur Verfügung, um qualitative Angebote aufrecht zu halten“, empört sich Ursula Preuhs, die Vorsitzende des Seniorenbeirats Hamburg-Nord. Nach Einschätzung des Seniorenbeirats dreht sich eine bedrohliche Schraube abwärts. Die Qualität in den Seniorentreffs sinkt, das Angebot verringert sich, Gäste bleiben weg und schließlich wird die Einrichtung geschlossen. Hamburg-Nord hat in den letzten Jahren bereits zwei Seniorentreffs verloren. Schließlich trägt auch Altersarmut zu der Misere der Offenen Seniorenarbeit bei. Die meisten Angebote der Treffs und Gruppen sind zwar kostenlos, aber da Kursleiter zunehmend entlohnt werden wollen, müssen auch geringe Beiträge von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhoben werden. „Busse für Ausfahrten sind oft nur noch zur Hälfte besetzt, weil Interessenten die Kosten nicht bezahlen können. Das sagen sie aber meistens nicht.“
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