Aus für Sonderregelung in Hamburg?

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Sollte die Sierichstraße normalisiert werden? Keine Richtungsstraße mehr? Hier die Situation auf der Langenzugbrücke Foto: Hanke
Wird ein einmaliges Verkehrsphänomen in Hamburg normalisiert? Wenn es nach den Kommunalpolitikern von SPD und Grünen im Bezirk Hamburg-Nord geht, ja. Der Regionalausschuss Barmbek/Uhlenhorst/Hohenfelde/Dulsberg jedenfalls hat kürzlich mit der Mehrheit von SPD und Grünen beschlossen, die Sierichstraße, die seit den 1950er-Jahren zusammen mit der Verlängerung Herbert-Weichmann-Straße in Uhlenhorst eine Richtungsstraße bildet, in eine normale Straße mit zwei Fahrbahnen in zwei Richtungen zurückzuverwandeln.

Von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr darf hier derzeit nur stadteinwärts gefahren werden und ab 12 Uhr bis 4 Uhr nur stadtauswärts. Diese Regelung wurde in den 1950er-Jahren beschlossen, da eine Verbreiterung der Straße am Protest der Anwohner scheiterte, die Flächen ihrer Grundstücke hätten abgeben müssen. Die Regelung gilt in ganz Europa als einmalig.

Nun hat die Planung der Alster-Fahrradachsen eine Diskussion um den Erhalt dieser Richtungsstraße ausgelöst, denn die Fahrradachsen führen über ein kleines Stück der Sierich- und der Herbert-Weichmann-Straße – über die Langenzugbrücke. Dort ist bislang ein Zweirichtungsradweg geplant, den die örtliche Polizei aber problematisch findet, weil Zweirichtungsradweg und angrenzender Gehweg zu schmal für den vorhandenen Nebenflächenraum sind. Eine Lösung sieht die Polizei in einer Aufhebung des Zweirichtungsverkehrs in Sierich- und Herbert-Weimann-Straße.

Die Grünen in Hamburg-Nord sind begeistert. „Schon seit Langem fordern wir, die unhaltbaren Zustände an der Herbert-Weichmann- und der Sierichstraße zu verbessern: Fußgänger haben zu wenig Platz, der Radverkehr hat keine eigenen Wege und weicht auf den Gehweg aus – und auch beim Autoverkehr läuft es alles andere als rund. Die zuständige Verkehrsbehörde antwortete zuletzt vor zwei Jahren, dass sie die Situation zwar kenne, eine Änderung aber keine Priorität habe. Der Vorstoß der Polizei belegt nun noch einmal, was wir schon lange sagen: Es muss jetzt gehandelt werden“, fordert Michael Werner-Boelz, der Vorsitzende der Grünen-Fraktion in Hamburg-Nord.

Doch die Verkehrsbehörde sieht das alles ganz anders. Andreas Riekhof, Staatsrat dieser Behörde, erteilte einer Veränderung des Richtungsstraßenstatus von Sierich- und Herbert-Weichmann-Straße kürzlich eine klare Absage: „Der Verkehr würde sich neue Wege in den Nebenstraßen suchen, wenn wir die Richtungsstraße ändern. Die Luftverschmutzung, die wir gerade senken wollen, würde erheblich zunehmen“, so Riekhof. Jenspeter Rosenfeld, Vorsitzender des Winterhuder Bürgervereins, will seine Einschätzung vom Votum der Gesetzeshüter abhängig machen: „Was sagt die Polizei zum Verkehrsfluss?“

Die Behörde wird sich wohl ebenfalls gegen eine Veränderung des Status Quo aussprechen, denn nach Recherchen der Innenbehörde hat kein Vertreter der Polizei in der Regionalausschusssitzung jemals einen Umbau der Sierichstraße gefordert. Dazu erklärt die Innenbehörde: „Eine Aufhebung des Zweirichtungsverkehrs in der Sierich- und der Herbert-Weichmann-Straße wird von der BIS nicht verfolgt.“
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