Ausstellung über Nazi-Ärzte

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Dr. Gabriele Moser hat die aufschlussreiche Ausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus“ erarbeitet Foto: Hanke

UKE Eppendorf zeigt, wie Radiologen zu NS-Verbrechern wurden

Eppendorf Ärzte waren besonders anfällig für die Vorstellungen des Nationalsozialismus. Das verdeutlicht einmal mehr die Wanderausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus“, die bis zum 15. Juli im Universitätsklinikum Eppendorf, Martinistraße 52, im ersten Stock des Gebäudes Campus Lehre (N55) zu sehen ist. „Willig in den Nationalsozialismus eingetreten“ seien die Organe der deutschen Ärzteschaft, erläuterte die Medizinhistoriker Dr. Gabriele Moser von der Universität Heidelberg, die die Ausstellung in zweijähriger Forschungsarbeit zusammengestellt hat, bei der Eröffnung. Auf Schautafeln mit kurzen Texten und Fotos im Umgang um die Treppen werden nicht nur die Verwicklungen von bekannten Radiologen in den Nationalsozialismus erläutert, sondern auch die Nähe der Ärzteschaft zum NS-Regime im Allgemeinen sowie die Ausgrenzungen von jüdischen Medizinerinnen und Medizinern und deren Schicksale.

Verrohung in der Uni


Thematisiert wird ebenfalls der grausame Umgang mit von den Nazis als „lebensunwert“ eingestuften Menschen, die deshalb umgebracht wurden oder mit denen im Rahmen der Eugenik experimentiert wurde, was diese meistens nicht überlebten. Die „allgemeine Verrohung gegenüber diesen Menschen“, so Gabriele Moser, habe während des Krieges zugenommen und sei „mitten in der Universität angekommen.“ Die Ausstellung, die bereits 2010 von dem UKE-Arzt Professor Gerhard Adam initiiert wurde, der damals Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft war, deren Projekt die Ausstellung ist, ist seitdem auf Wanderschaft und wurde auch schon an der medizinischen Universität in Tel Aviv gezeigt. Das UKE ist die achte Station, ein besonders „glücklich“ gewählter Ort, wie Gabriele Moser findet, da sie hier nicht nur von Ärzten, sondern auch von angehenden Medizinern wahrgenommen werden kann. Auch die interessierte Öffentlichkeit sollte sich die aufschlussreiche Ausstellung, die in Kurzform viel über das Verhältnis von Medizin zum Nationalsozialismus aussagt, nicht entgehen lassen. (ch)
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