Bertini-Preis für Ida-Ehre-Schüler aus Hamburg

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Schüler der Ida-Ehre-Schule wurden für ihr Engagement für ein Deserteursdenkmal mit dem Bertini-Preis geehrt. Ihr Pate Ralph Giordano (vorn) und Deserteur Ludwig Baumann (r.) nahmen waren dabeiFoto: Hanke

Thema Deserteure: Vorschläge für Krieger- und Gegendenkmal am Dammtorbahnhof

Hamburg. 25 Schülerinnen und Schüler der Ida-Ehre-Schule haben den Bertini-Preis für junge Menschen mit Zivilcourage für ihr Projekt „Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Hamburger NS-Militärjustiz“ erhalten. Die Ida-Ehre-Schüler und ihre Vorgänger haben sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass Hamburg ein Denkmal erhält, das an den Mut der Deserteure im Zweiten Weltkrieg erinnert. Ihr Pate Ralph Giordano, der Autor des namensgebenden Romans „Die Bertinis“, sagte bei der Preisverleihung im Ernst Deutsch Theater: „Ihr habt aufgeweckt, Namen genannt und das Wort Deserteur individualisiert.“ Mit Briefen, auch an den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, Dokumentationen über Deserteure und Aktionen am kriegsverherrlichenden Denkmal für das 76er Regiment am Dammtorbahnhof machten die Schülerinnen und Schüler auf ihr Anliegen aufmerksam, bis die Hamburger Bürgerschaft 2012 beschloss, ein Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz zu errichten.
Im Rahmen des Unterrichtsprofils You:sful hatten die Vorgänger der Bertini-Preisträger mit dem Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann gesprochen und sich für ein Deserteursdenkmal begeistert, das Baumann seit langem fordert. Zwei Jahre haben sich Ida-Ehre-Schülerinnen und Schüler mit diesem Projekt beschäftigt und Vorschläge für Umgestaltungen des 76er Denkmals am Dammtorbahnhof entwickelt. Der 15-jährige Sammy Alves-Abboud, einer der Preisträger, kann sich einen Soldaten aus Bronze vorstellen, der in eine andere Richtung marschiert als die 88 steinernen Soldaten des Kriegerdenkmals. „Es könnte auch eine Verbindung zum Gegendenkmal in Form von Fußabdrücken aus Styropor geschaffen werden“, erzählt Preisträgerin Mika Salzinger, ebenfalls 15. Direkt neben dem Kriegerdenkmal schuf der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka ein Gegendenkmal, das unvollendet blieb. Die Tafel, die über dieses Denkmal informiert, müsste größer und auffälliger gestaltet werden, fordern die Ida-Ehre-Schüler. „Was bekommt man für einen Eindruck, wenn man am Dammtorbahnhof aussteigt, und gleich dieses Kriegerdenkmal sieht?“, zeigt sich Mika Salzinger entsetzt. Etwa 350.000 bis 400.000 deutsche Soldaten desertierten im Zweiten Weltkrieg. 30.000 wurden zum Tode verurteilt, 23.000 hingerichtet. (ch)
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