Braucht Hamburg Radstraßen?

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Werner und Jutta Grigoleit halten Fahrradstraßen für überflüssig Fotos: ks

Das Wochenblatt hörte sich an der Alster um

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Mehr Platz für Radfahrer rund um die Alster- nur noch Anwohner sollen in Zukunft einige Straßen-Abschnitte mit ihrem Auto befahren dürfen. Die Diskussion über diese Pläne des Senats zieht sich durch alle Parteien, und auch unter den Betroffenen - Autofahrern und Radfahrern - sorgt der Streit weiter für Gesprächsstoff. Während die SPD den Radfahrern Vorrang an einigen Abschnitten der Uferstraßen auf 4,5 Kilometern Länge einräumen will, spricht die CDU eher von einer „autoverachtenden Politik“ - so der Bürgerschafts-Abgeordnete und Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse in einem Interview. Die Grünen sehen in den Protesten gegen die Senatspläne „letzte Rückzugsgefechte der reinen Autofahrer“ - von denen es ohnehin immer weniger gäbe: Laut Statistik besitzen 47,4 Prozent der Hamburger Haushalte ein eigenes Auto. Vor elf Jahren lag die Zahl der autofreien Haushalte noch bei 39 Prozent. Anders ist die Entwicklung beim Fahrrad-Aufkommen: an den 38 Fahrrad-Zählstationen wurde in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme des Radverkehrs registriert. Selbst der ADAC begrüßt die Pläne, den Autoverkehr rund um die Alster zurück zu drängen. „Wenn mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen, gibt es weniger Autos auf den Straßen, und entsprechend entspannter ist die Verkehrslage“, so die Meinung von ADAC-Sprecher Christian Hieff. Die Idee von reinen Fahrradstraßen ist nicht neu und wurde in einigen Stadtteilen bereits umgesetzt, so im Grindelviertel, am Eilbekkanal (Uferstraße) und in Bergedorf. Demnächst also auch an der „Schönen Aussicht“? Das Hamburger Wochenblatt hat sich dort einmal unter Rad- und Autofahrern umgehört.

Ausgewogen ist die Meinung von Werner und Jutta Grigoleit aus Fuhlsbüttel. „Wir nutzen unsere Räder bei jeder Gelegenheit, haben in diesem Jahr schon über 1.000 Kilometer zurück gelegt“, erklärt Werner Grigoleit. Die Einrichtung einer reinen Fahrradstraße an der Alster hält er für übertrieben: Hier ist genug Platz für Rad- und Autofahrer. Und wenn man sich gegenseitig respektiert und Rücksicht nimmt, gibt es auch keine Probleme.“

Autofahrer Darius M. (43) ist strikt gegen die Einrichtung einer reinen Fahrradstraße: „Ich bin Handwerker und ich bin auf das Auto angewiesen, um zu meinen Kunden zu kommen. Soll ich denn etwa in Zukunft große Umwege fahren, um meine Ziele rund um die Alster zu erreichen?“

Auch Rolf-Dieter Rommel (46) aus Wandsbek ist gegen die Ausgrenzung der Autofahrer, obwohl er täglich mit dem
Fahrrad unterwegs ist. „Ich bin schon vor Jahren auf das
Rad umgestiegen, habe mein Auto verkauft“, sagt Rommel. Aber: „Wenn wir den Paragraphen 1 der Straßenverkehrs-Ordung beherzigen, also Rücksicht aufeinander nehmen, kommen wir auch gut ohne reine Fahrradstraßen aus.“ Und schließlich verdiene der Staat durch Kfz- und Mineralölsteuer doch auch hervorragend an den Autofahrern - man sollte sie schon deswegen nicht noch mehr gängeln.
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