Bürger diskutieren über Bus-Chaos

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Im viel befahrenen Mühlenkamp geht es für Busse oft nur langsam voran. Das Busbeschleunigungsprogramm soll Abhilfe schaffen, aber viele befürchten durch beschleunigte Busse noch mehr Staus für den Autoverkehr.

Viele Winterhuder befürchten durch Busbeschleunigung noch mehr Staus

Winterhude. „Bus-Chaos in Winterhude“: Das Thema zog. Rund 40 Interessierte kamen am vergangenen Mittwoch zu einer Diskussionsveranstaltung mit den CDU-Bezirkspolitikern Christoph Ploß und Andreas Wankum im Goldbekhaus. Die CDU-Politiker ließen kein gutes Haar am Busbeschleunigungsprogramm des SPD-Senats. Stattdessen nutzten sie die Gelegenheit, die Pläne ihrer Fraktion für eine Stadtbahn wieder ins Gespräch zu bringen, die nach Regierungsübernahme des SPD-Senats zugunsten des Ausbaus des Busverkehrs verworfen worden waren.

„Flickwerk“

„Mit dem Busbeschleunigungsprogramm baut man für 260 Millionen Euro für vier, fünf Jahre um. Warum wollen wir nicht ein bisschen mehr investieren für die Stadtbahn und haben dann mehr davon?“, warf Ploß gleich eingangs die Frage auf. „Hat die CDU denn nichts gelernt, dass sie noch an der Stadtbahn festhält?“, fragte daraufhin Zuhörer Werner Speer, „aufgrund der Straßenverhältnisse hier ist es ein Wahnsinn, da eine breitspurige Stadtbahn rein zu setzen – und das ohne eine vernünftige Verkehrsplanung.“ Speer bescheinigte der Hansestadt „seit 40 Jahren eine verfehlte Verkehrspolitik: Das ist ein Gebastel hier“.
Von „Flickwerk“ sprach auch Wankum in Zusammenhang mit dem Busbeschleunigungsprogramm: „Wir müssen attraktive neue Wohnlagen schaffen, die auch dadurch attraktiv werden, dass sie an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden. Wir haben das Gefühl, dass das Busbeschleunigungsprogramm ein Reflex darauf ist – und Flickwerk.“ Wankum plädierte wie Zuhörer Speer für ein Generalverkehrskonzept. Der CDU-Politiker kritisierte die enormen Kosten für das Busbeschleunigungsprogramm bei zweifelhaftem Nutzen: „Wir geben riesiges Geld aus, damit ein Bus von A nach Z zehn Minuten schneller fährt. Aber stattdessen fahren die Leute von A nach B und von B nach C.“ Besser sei es doch, Fahrpläne besser zu synchronisieren, um lange Wartezeiten beim Umsteigen zwischen Verkehrsmitteln zu vermeiden. „Mit dem Busbeschleunigungsprogramm lässt man den Individualverkehr bewusst im Stau stehen“, kritisierte Wankum.

Parksituation

Dass der Autoverkehr künftig hinter haltenden Bussen warten muss, ist tatsächlich eine wesentliche Maßnahme des Programms, wie CDU-Verkehrsausschussmitglied Hans-Helmut Homann erläuterte: „Mit den Haltestellenkaps wird der Straßenraum bewusst so zugunsten der Busse verengt, dass der Individualverkehr nicht vorbei kann, wenn der Bus hält.“ „Man kann den Busverkehr nicht besser machen, ohne an die Autos zu denken“, meinte Timo Baumann, „der Verkehrsdruck, der hier entsteht, ist zum großen Teil ein Parkdruck.“ Nach seiner Beobachtung verursache vor allem das Zweite-Reihe-Parken Probleme. „Die Situation ist nicht von der Politik allein zu lösen“, meinte ein weiterer Zuhörer: „Die einfachste und billigste Lösung ist: weniger Autos.“ Aufgrund der kurzen Wege zum Einkaufen benötigten viele Menschen im Viertel gar kein Auto. „Das ist auch unser Ansatz für die Zukunft: Jeder, der das Auto stehen lassen kann, sollte es tun“, stimmte ihm Ploß zu.
Um das Wachstum des Individualverkehrs zu begrenzen, seien attraktive Leihsystemen und Fahrradwege ebenso Voraussetzung wie saubere öffentliche Verkehrsmittel, so Wankum. (ag)
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1 Kommentar
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Wolfgang C. P. Wriedt aus Winterhude | 12.12.2012 | 16:34  
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