Carl-Götze-Schule wechselt Träger

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Die Betreuung von 13 bis 16 Uhr setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen: Das gemeinsame Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Ruhe- und Spielzeiten, Kurs- und Förderangebote Symbolfoto: thinkstock
 
Sabine Boeddinghaus (Die Linke) fordert Nachbesserung Foto: wb

Nachmittagsbetreuung gescheitert, Elbkinder-Vereinigung gekündigt: Viel zu wenig Personal für 170 Kinder

Von Sonja Schmidt
Groß Borste
l Das Konzept der Hamburger Ganztagsschulen steht am Pranger und sorgt auch in Groß Borstel für viel Diskussionsstoff. Aktuell schaut sich die Carl-Götze-Schule im Brödermannsweg 2 nach einem neuen Jugendhilfeträger um und hat ihren Kooperationsvertrag mit der Elbkinder Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gekündigt. Die Schule ist laut Linksfraktion eine von zwölf Ganztagseinrichtungen, in denen die Zusammenarbeit mit Trägern in diesem Jahr gescheitert ist. 120 solcher Kooperationen gibt es laut Senat. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sabine Boeddinghaus, hatte die Zahlen recherchiert und öffentlich gemacht. „Mit jeder Kündigung verlieren die Kinder auf einen Schlag alle Bezugspersonen“, kritisiert sie. Daher müsse es im Interesse der Schulbehörde liegen, solche Wechsel zu vermeiden und bei Problemen in der Kooperation frühzeitig externe Hilfe anzubieten. Doch die Schulbehörde habe auf Anfrage der Linken nicht mal von den Kündigungen gewusst. Wie kann das sein? „Die Hamburger Schulen sind selbstverantwortete Schulen, daher treffen sie eigenverantwortlich viele Entscheidungen, so auch über einen Kooperationsvertrag mit einem Träger. Es besteht gegenüber der Schulbehörde hierüber keine Meldepflicht. Die Schulbehörde tritt auf Anfrage beratend auf. Im Konfliktfall schaltet sich die Schulaufsicht prüfend ein“, kommentiert Peter Albrecht, Pressesprecher der Behörde.

Über Lösungen nachdenken


Die Gründe für einen Trägerwechsel können vielfältig sein. An der Carl-Götze-Schule war Personalmangel ein ausschlaggebendes Problem. „Teilweise gab es nur drei Erzieher für rund 170 Kinder“, berichtet Lars Kopp, Vorstand im Elternrat. Immer wieder wurde mit Personal von Zeitarbeitsfirmen aufgestockt. „Die drei Stammerzieher waren super, aber zu den teilweise wechselnden Zeitarbeitern konnten die Kinder überhaupt keine Bindung aufbauen.“ Um sicher zu gehen, dass das benötigte Personal auch wirklich ankommt, entschloss sich die Schule in diesem Jahr für einen Wechsel. Der neue Partner wird nach den Frühjahrsferien öffentlich vorgestellt. Kopp: „Wir haben uns diese Entscheidung wirklich sehr
gut überlegt und den neuen Träger auf Basis von positiven Erfahrungswerten mit anderen Schulen ausgewählt.“ Dr. Franziska Larrá, Geschäftsführerin der Elbkinder, bedauert die Kündigung. „Wir hatten Maßnahmen ergriffen um die Zusammenarbeit aus pädagogischer und organisatorischer Sicht zu verbessern, doch leider wurden wir dann im Dezember von der Kündigung überrascht.“ Die Personalbewirtschaftung von Ganztagsschulen sei für alle GBS-Kooperationspartner in Hamburg extrem schwierig, erklärt sie. Die Elbkinder haben aktuell 34 laufende Kooperationen und „in den meisten Fällen läuft es sehr gut“, betont Larrá. „Aber es muss über Lösungen nachgedacht werden wie man den Erziehern attraktivere Stundenzuschnitte bieten kann.“ Auch Christina Dwenger von der Volksinitiative „Guter Ganztag“ sieht große Reibungspunkte bei der Personalnot aufgrund unattraktiver Arbeitsstellen und nicht ausreichend finanzierter Kooperationszeiten. „Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, ist es einfach, das Problem beim Träger zu sehen“, so Dwenger. Die Personalstellen im schulischen Ganztag sind bei Fachkräften eher unbeliebt, weil sie am Nachmittag liegen. Laut einer Senatsantwort an die Linkenfraktion arbeiten nur 22 Prozent der Fachkräfte mehr als 25 Stunden. Nur für neun Prozent der Beschäftigten gibt es eine Vollzeitstelle, 78 Prozent arbeiten maximal 25 Stunden. Boeddinghaus: „Da muss nachgebessert werden, damit Fachkräfte nicht ständig abwandern.“
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