„Christen tun so was“

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Menschen auf der Flucht: Gestärkt kehren Transitreisende zurück zum Hauptbahnhof Foto: Krohn/wb
 
Koordiniert das Nachtasyl: Miriam Krohn von Q8 Winterhude-Uhlenhorst Foto: Haas

180 Freiwillige organisieren Kirchen-Nachtasyl in Uhlenhorst und Winterhude

Winterhude Auf dem Weg nach Skandinivien und anderswohin stranden sie abends am Hauptbahnhof. Sie kommen nicht weiter, haben keinen Anschluss und keine Bleibe. Eine konzertierte Hilfsaktion ermöglicht Menschen auf der Flucht seit Ende Oktober ein Nachtquartier in der Heilandskirche. 40 Transitreisende bekommen dort eine warme Mahlzeit, schlafen auf Iso-Matten und können ihre Bekleidung aus einer Not-Kleiderkammer ergänzen. Ein bemerkenswertes Netzwerk von Freiwilligen macht das möglich: Kaum haben sich die Initiativen im Goldbekhaus und „Welcome to Uhlenhorst“ gegründet, arbeiten sie eng mit der Kirchengemeinde zusammen. Sie verabreden sich täglich und stellen ein Team, das die Gestrandeten von abends bis morgens betreut und sie vom Hauptbahnhof und zurück begleitet.

Ganzes Viertel hilft


Auch Ärzte unterstützen die Initiativen ehrenamtlich, kümmern sich um die medizinische Versorgung erkrankter Flüchtlinge und ihrer Kinder. Zudem achten sie auf notwendige Hygieneregeln. Das Essen für Frühstück und Abendbrot ebenso wie Hygieneartikel stammt aus Spenden von Gewerbetreibenden und Einrichtungen im Viertel. Die Hilfe, die das Netzwerk in nur wenigen Tagen auf die Beine stellen konnte, beeindruckt.
„Die Uhlenhorster sind einfach weltklasse. Soeben wurde wieder eine Einmal-Zahnbürstenspende abgegeben. Und eine Uhlenhorster Gewerbetreibende hat uns schnell ein paar Mützen gestrickt. Bitte denkt dran, unseren Gästen im Nachtasyl sowohl Hygieneartikel als auch Kleidung anzubieten. Sie fragen nicht danach, auch wenn sie die Dinge dringend benötigen. In diesem Sinne auf ein fröhliches Verteilen“, postete Flavia Fauth auf Facebook. Nur wenige Wochen zuvor hatte sie mit Marinke Glindullis die Initiative „Welcome to Uhlenhorst“ gegründet.
Wie es zu der konzertierten Aktion kam? „Christen tun so was. Schon in der Bibel stehe: Fremdlinge sollst Du nicht bedrücken“, sagt Pastor Michael Ellendorff, der selbst mit anpackt. Er erläutert, wie überraschend schnell die Kirchengemeinde zusammen mit den benachbarten Flüchtlingsinitiativen inzwischen 180 Freiwillige mobilisieren konnte. „Ein bunter Haufen von Menschen“, den Miriam Krohn von der Projektleitung Q8 Winterhude-Uhlenhorst jetzt umsichtig koordiniert, ermöglicht das Nachtquartier: Alle tragen sich auf online in einem Dienstplan ein, der das Kirchen-Nachtasyl bis Dezember sicherstellt. „Es kommen Familien und Alleinreisende, meist sind sie untereinander fremd. Aber sie sind dankbar für die Nachtruhe, die wir ihnen ermöglichen. Und es herrscht ein gutes Miteinander“, so Pastor Ellendorff weiter. Fast schäme er sich, sagt er. „Denn es sind diese Menschen, die ihr Päckchen zu tragen haben. Wir tun nur das, was zu tun ist.“
Netzwerk-Koordinatorin Miriam Krohn ist indessen vollauf beschäftigt. „So viele machen mit: Nachbarn, Geschäftsleute, Apotheker, Ärzte, Einrichtungen und sogar Leute von ganz weit weg“, freut sie sich. Sie lädt auch „Neue“ zu einem Treffen ein: Jeder kann sich informieren und austauschen: Jeden Mittwoch von 18 bis 19 Uhr im Foyer, Winterhuder Weg 132. (wh)
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