Cineast aus Leidenschaft

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Cineast seit der Schulzeit: Magazin-Chef Arndt Eggers mit Idol Charly Chaplin Fotos: Haas
 
Eine Antiquität ziert den Kassenraum des Magazins: Der Uralt-Filmprojektor

Arndt Eggers eröffnete vor 40 Jahren das Stadtteilkino Magazin in Hamburg

Von Waltraut Haas
Hamburg. Die Zeit der 35-Millimeter-Filme sei zwar vorbei, nach der letzten Investition über 150.000 Euro für die Digitalisierung sieht Filmkunsttheaterleiter Arndt Eggers die Zukunft seiner Filmkunst dennoch rosig. „Denn Kino kann man auch noch im hohen Alter machen. Und sollte ich dann einen Rollstuhl brauchen: Unser Notausgang ist doch behindertengerecht“, schmunzelt Arndt Eggers, 55. Seit fast 40 Jahren betreibt der Kinomann das Filmkunsttheater Magazin – eher aus Leidenschaft denn als Broterwerb. Seinen Lebensunterhalt verdient er schließlich in der Immobilienbranche.

Sein Traum: Historische Filme

Aber er hegt Träume: Historische Filme über die Hansestadt würde der gebürtige Hamburger gerne drehen, wenigstens „anschieben“, oder einen Film über die Alster, die früher ein wichtiger Wirtschaftsweg war. Wenn er beim Schlachter um die Ecke einkauft und gefragt wird, was denn abends im Kino laufe, muss er manchmal passen. „Oft stecke ich inmitten der Planung und bin gedanklich schon zwei Monate weiter.“
Seitdem er als Sechsjähriger den „Krieg der Knöpfe“ im Kino gesehen hatte, war er hingerissen vom Medium Film. Wuchs fortan mit Zelluloidstreifen auf. Schlich sich – damals noch viel zu jung – an der Kasse vorbei, in die Italo-Western. Bis ein Filmvorführer ihn einmal mit in den Vorführraum nahm und ihm seine Arbeit zeigte. „Und da war’s um mich geschehen.“ Der Teenager gründete am Corvey Gymnasium einen Filmclub. Und weil die Idee einschlug, führte er die Filme gleich noch an zwei weiteren Schulen vor. „Damals kamen die Filme noch auf zwei Rollen, war die eine abgespult, schafften wir sie per Moped gleich in die nächste Schule, um den Film dort zu starten.“ Die Faszination Kino ließ ihn nicht mehr los.

Mit 16 Jahren Kinobesitzer

Ende 1973 wurden die Winterhuder Lichtspiele geschlossen – eine Folge des Kinosterbens, nachdem jeder Haushalt mit einem Fernsehgerät bestückt war. Mit knapp 16 Jahren konnte er zwar noch nicht offiziell Geschäfte führen, „aber aktiv mitarbeiten schon.“ Also eröffnete er im Januar 1974 zusammen mit Kompagnon Gerd Fölster das Filmkunsttheater Magazin. Später zog es ihn auch in die Nähe seines Kinos: Seit 1986 wohnt er in Alsterdorf. Auch als er Ende der 90er Jahre alleine weitermacht, verfolgt er das bewährte und seitdem vielfach ausgezeichnete Konzept: Eine große Programmvielfalt mit rund drei erlesenen Hauptfilmen pro Woche, gelegentlich Filmnachmittage mit Bürgervereinen, Lesungen oder Live Musik-Auftritte. Das Magazin hat bis heute im Stadteil seinen fest verankerten Kultstatus.
Sein Lieblingsfilm? Es seien einfach zu viele, die ihm ans Herz gewachsen sind, es gäbe unendlich viele Highlights unter den Klassikern. Aber auch neue Filme mit Tiefgang, die ihn zutiefst berühren, aktuell etwa „Sein letztes Rennen“, mit einem fantastischen Dieter Hallervorden in der Hauptrolle.
Im Herbst 1973 wurden die Winterhuder Lichtspiele, aus denen das Magazin hervorging, geschlossen. Aus der Zeit davor ist sehr wenig bekannt. Das Filmtheater wurde 1936 im ehemaligen Speisesaal der „Kleinrentnerspeisung Fiefstücken e.V.“, inmitten der Fritz Schumacher-Siedlung für Kriegswitwen eingerichtet, unter der Leitung von Willi Pfäffle und Robert Stauffenberg.
Ende der 1960-er Jahre übergaben die Herren das Kino aus Altersgründen an Horst Kretzer, der mehrere Bezirks-Kinos betrieb. „Somit werden wir bald 40 Jahre alt und sind immer noch das älteste, durchgehend betriebene Filmtheater der Stadt“, sagt Arndt Eggers nicht ohne Stolz. Ihm schwebt eine kleine Dokumentation vor, die er mit der Hilfe seiner beiden Söhne, 23 und 21, gerne verfilmen würde. Beide sind in der Medienbranche tätig. Aus diesem Grund sucht Arndt Eggers Zeitzeugen: Besucher ebenso wie Mitarbeiter von damals. Wer kann Anekdoten erzählen? Wer kennt noch die alten Betreiber? Wer war Vorführer? Und wer stellt alte Zeitungsausschnitte oder Fotos über die Winterhuder Lichtspiele zur Verfügung? (wh)
Tel.: 511 30 60, magazinfilmkunst
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