City Nord: Umbau statt Abriss?

Anzeige
So schön könnte man hier wohnen und arbeiten: Entwurf zum Umbau der Post-Pyramide Visualisierung: Daniel Petereit
 
Baudezernent Dr. Michael Bigdon Foto: Haas

Post-Pyramide in der Diskussion. Jung-Architekt entwirft „konkrete Utopie“

Von Waltraut Haas
Winterhude/City Nord
Kurz nach der öffentlichen Plandiskussion zum Entwurf „Winterhude 71“ im Januar wurden die Käufer der alten Oberpostdirektion bekannt: Die Hamburger Otto Wulff Bauunternehmung und die Berliner Christmann Gruppe kooperieren. Das Bebauungsplanverfahren läuft, ihr Abriss ist zu Anfang 2017 geplant: für 200 Millionen Euro sollen anstelle der „Post-Pyramide“ Wohnungen auf 48.000 Quadratmetern und ein Büroturm entstehen. Unterdessen wandten sich Kritiker auf Facebook und in Leserbriefen mit Denkanstößen gegen den Abriss. „Im Bereich des Machbaren“ sieht auch Daniel Petereit (29) die Erhaltung der Postpyramide: „Mangelnder Brandschutz, eine veraltete Lüftungsanlage und Asbestbelastung rechtfertigen nicht den Abriss“, findet der junge Architekt, bereits berufstätig in einem Winterhuder Büro. Das ließe sich alles sanieren. Seine Gegenrechnung: Schon der Abriss des Gebäudes mit fünf Untergeschossen verschlinge „zig Millionen“. Ein Neubau auf dem Areal rechne sich dagegen für Investoren nur, weil die Stadt mitfinanziere: über Förderungen oder Zuschüsse der IFB-Bank. „Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre es sinnvoller, den Bestand zu erhalten“, so Daniel Petereit. Als Student noch an der Hebebrandstraße, vor dem Umzug der Hafencity Universität (HCU), fiel ihm die Post-Pyramide schon damals auf. „Sie zählt zu den erhaltenswerten Gebäuden, hier wurde wertvolles Material verbaut“, sagt Petereit. Für seine Abschlussarbeit inspizierte er den Bau genauer. „Umnutzung als Perspektive am Beispiel der Oberpostdirektion City Nord“ heißt seine Master-Thesis von 2014. Sein Entwurf kombiniert Arbeiten und Wohnen, verwandelt eine Vielzahl der alten Büros in Studenten-Apartments und Hotelzimmer. Die Obergeschosse erlauben größere Wohnungen für Familien. Anstelle der veralteten Vollklimatisierung werden sämtliche Fenster geöffnet. Auf den Rundum-Fluchtbalkonen enstehen Loggien für Wohnungen und Apartments. Die Neugliederung der Fassade sieht auch „Luftgeschosse“ vor: darin großflächige Grünzonen und Terrassen zum Verweilen und zur Begegnung. Ebenso ließen sich begrünte Dächer nutzen. Im Eingangsbereich hätten Ladenzeilen Platz. Die Parkdecks für 1.000 Autos in den Tiefgeschossen könnten bleiben, andere würden Lagerraum.

Nicht wirtschaftlich?


Eine schöne Vision: So würde „der Bestand“ nachhaltig, auch in ökologischer Sicht gewahrt, bestehende Betonbauteile sinnvoll weiter verwendet. Und wer wollte in diesen Wohn-Traum nicht gleich einziehen? „Das ist eine konkrete Utopie“, sagt Petereit lächelnd. „Mit meinem Entwurf wollte ich Denkanstöße liefern, was machbar und möglich wäre.“ Das k.o.-Kriterium kennt er wohl: Für den seit Jahren vernachlässigten Bau von 1977 fand sich nach dem Verkauf vor zehn Jahren kein sanierungsbereiter Investor. Dr. Michael Bigdon, Dezernent für Bauen und Umwelt im Bezirk Nord, kommt deshalb auch schnell auf den Boden marktwirtschaftlicher Tatsachen: „Die Verwaltung hat keine rechtliche Handhabe, den Erhalt zu verlangen. Theoretisch ist vieles möglich. Konkrete Utopien brauchen aber Umsetzungskonzepte, die von den Eigentümern und Bauherren getragen werden.“ Schon 2003 habe Architekt Bernhard Leusmann ein Umnutzungskonzept für ein Hotel entwickelt, das wirtschaftlich nicht überzeugte. Jetzt gelte es, eine transparente Entscheidung zu treffen: „in vielen Abstimmungsprozessen unter Würdigung der Interessen der Eigentümer, der Öffentlichkeit und der Kommunalpolitik. Diese mag man mögen oder auch nicht.“
Anzeige
Anzeige
7 Kommentare
2.122
Kai Debus aus Alsterdorf | 10.03.2016 | 18:39  
88
Markus Pöstinger aus Dulsberg | 10.03.2016 | 21:18  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 11.03.2016 | 17:18  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 11.03.2016 | 19:47  
45
Marco Alexander Hosemann aus Winterhude | 12.03.2016 | 12:08  
392
Michael Kahnt aus Barmbek | 15.03.2016 | 12:02  
45
Marco Alexander Hosemann aus Winterhude | 17.03.2016 | 12:36  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige