Cool running im Hamburger Stadtpark

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Reporterin Dagmar Gehm joggt zum Sound der Nationen
 
Cecilia aus China feiert ihren fünften Geburtstag mit Freunden im Stadtpark – mit chinesischen Kräuterpfannkuchen und Gummibärchentorte Fotos (6): Gehm

Wochenblatt-Reporterin Dagmar Gehm joggt zum Sound der Nationen

Von Dagmar Gehm

Hamburg-Winterhude. Chinesen chillen, Kolumbianer grillen. Dazwischen wird gebolzt, gebalzt, gefeiert. Von Menschen aus aller Welt in verschiedensten Sprachen. Über allem hängt eine Klangglocke aus mexikanischer Mariachi-Musik, jamaikanischem Reggae, indischen Bollywood-Songs und orientalischen Flötenklängen. Joggen ist nicht nur Fitness im Stadtpark, sondern auch ein Lauf durch die Nationen im größten Park Hamburgs (148 ha).

Bei einer der beiden „Badenden Frauen“ aus Stein, am oberen Ende der großen Liegewiese, mache ich meine Aufwärmübungen. Dehnen, beugen, strecken. Dann fange ich an zu laufen, südlich an der großen Wiese entlang. „Schneller, schneller!“, feuern mich grinsend ein paar Rastamen an, die mit einem riesigen Ghettoblaster auf der Parkbank sitzen. Ein Hauch von - könnte es Haschisch sein? - umhüllt mich. Luft anhalten und durch! Cool running! Kurzfristig ausgebremst durch einen Ball, der quer über den Weg rollt. Ich kicke zurück – nur Werder spielt schlechter. Eine bunt zusammen gewürfelte Multikulti-Mannschaft trainiert jedes Wochenende ab 14 Uhr auf dem Rasen – seit 20 Jahren schon. Aus dem Iran kommen die Jungs, aus Pakistan, Albanien, Brasilien, Palästina und verschiedenen Ländern in Afrika. Verständigungsprobleme? Gibt es nicht. König Fußball vereint sie alle. Inzwischen laufe ich auch selber rund. Eine libysche Familie lächelt mich an – fünf Kinder und die Eltern gruppieren sich um den Grill. Mariniertes Lamm soll es geben, sagt Hajaji Abdalbaset, der für ein knappes Jahr von seiner Ölfirma nach Hamburg versetzt wurde. „Very nice“ finden sie unisono unsere Stadt und „very clean“.

Entspannt im Park

Nicht weit davon entfernt hat José Kerly aus Ecuador mit ein paar Freunden aus der eigenen Heimat und aus Kolumbien ein kleines Zelt aufgebaut, das den Grill vor Wind schützen soll. Vor der Kulisse des Stadtparksees probt Emanuel Bettencourt von den Kapverden, bewundert von seiner deutsch-nigerianischen Freundin Diane Mucine, den Handstand. „Ich kann einfach nicht lange ruhig sitzen“, lacht der Besitzer des Taiyo Sportcenters. „Im Stadtpark sind die Menschen total relaxed“, findet der Wahlhamburger, der in Deutschland manchmal die Gelassenheit vermisst. Weiter geht’ s zum Modellbootteich. Gerade lässt Oliver seine 1000 Euro teure RG 46 zu Wasser. Eine ganze Community sitzt auf der Bank, alle mit Fernsteuerung in der Hand. Der Kick? „Das Schiff so in den Wind zu stellen, dass es die maximale Geschwindigkeit erreicht“, klärt Oliver auf.

Chinesische
Geburtstagsprinzessin

Von deutschen Hobbyreedern wieder in die weite Welt. Auf dem Spielplatz leuchten mich bunte Ballons an einem Bollerwagen an. In einem feinen Kleid aus rosa Tüll und Spitze feiert Cecilia ihren fünften Geburtstag. Seit über zehn Jahren lebt die chinesische Familie schon in Deutschland. Wann immer es das Wetter zulässt, kommt sie mit Kind und Kegel zum Picknick in den Stadtpark. Zur Feier des Tages diesmal mit Gummibärchentorte und chinesischen Pfannkuchen. Noch ein Jahr jünger als Cecilia ist Taliso aus Sambia, der mit seinem Vater Ousmane und dessen Freund Suleman aus Guinea schon wie ein Großer bolzt. „Hier treffe ich Landsleute“, sagt Suleman „und lerne neue Freunde kennen“.

Auf der Strecke zum Planetarium kommen mir ein paar junge Jogger entgegen. Abgeschottet von Außengeräuschen tragen alle einen I-Pod. Ich laufe lieber zum Sound der Nationen. Unplugged. Lasse mich tragen vom Beat afrikanischer Drums und den Zurufen französischer und englischer Rugbyspieler. Genieße das Bild zuckender Papierdrachen, die in den Herbsthimmel steigen, atme den würzigen Duft von tausendundeinem Gericht auf den Grills. Jogge mit allen Sinnen durch den Mikrokosmos Stadtpark.
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