Damit wir nicht vergessen

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Ein Gesicht zum Stolperstein am Kurzen Kamp 6: Auguste Friedberg, (1879 Hamburg – 1943 Theresienstadt) links im Bild mit ihrer Schwägerin Anna Luise in glücklicheren Tagen

Margot Löhr koordiniert im Bezirk die Aktion Stolpersteine

Von Franz-Josef Krause
Hamburg. „Unser Sohn, Bruder und Onkel musste im Februar 1942 bei Riga sein Leben hingeben“ so lautet eine der deutlichsten Formulierungen in Traueranzeigen des „Aufbau“ im Jahr 1946. Das war damals eine in New York erscheinende jüdische Zeitung. Die überwiegende Zahl derjenigen, die diese kleinen Inserate schalteten, hatten nach dem Krieg grausame Gewissheit über das Schicksal ihrer Lieben erhalten – doch das schreckliche Wort „ermordet“ zu benutzen, dazu konnten sie sich nicht durchringen. Dennoch war es so. Mit brutaler Gewissenhaftigkeit hatten die Nazis und ihre Schergen jeden Nichtarier und Systemgegner sowie nicht Angepasste in ihrem Herrschaftsbereich aufgespürt, hatten Säuglinge, Kinder, Erwachsene und Greise der Endlösung, die fast immer Tod bedeutete, zugeführt. Nicht nur irgendwo, sondern tausendfach in Hamburg – auch im Norden der Stadt.
Hier traf die unmenschliche Ideologie besonders drei Gruppen: Häftlinge des Konzentrationslagers Fuhlsbüttel, alte Menschen und Kleinkinder. Die Kinder von Zwangsarbeiterinnen für die Rüstungsindustrie in Langenhorn waren überflüssige und störende Anhängsel der Arbeitssklavinnen; ihnen wurde weder ausreichend Nahrung noch medizinische Hilfe zugestanden. Über 40 Kinder starben – penibel registriert in den Akten des Todes. Das ist kein Jahrhundert her – vor dem Hintergrund der Geschichte ist das so wie gestern. Dennoch schwindet das Gedächtnis an diese Menschen.
Anstoß nehmen
Die Kinder und Enkel der Täter, ja viele andere Deutsche auch, sind froh, dass das so ist. Aber nicht alle. Diesen Bürgerinnen und Bürgern ist es wichtig, dass im Namen des Deutschen Volkes begangenes Unrecht nicht dem Vergessen anheimfällt, dass Anstoß genommen, gestolpert wird, wenn Passanten dort laufen, wo die Opfer einst lebten. Sie werden Paten für einen „Stolperstein“, der in den Gehweg eingelassen. Dank ihrer Hilfe zeigen schlichte Messingplatten auf, wem hier Gewalt geschah, wer als „lebensunwert“ erachtet wurde.
Margot Löhr, die das Projekt ‚Stolpersteine” aktiv mit Recherchearbeit begleitet plant, auch den Kindern der Zwangsarbeiterinnen i die Namen zurückzugeben. „40 Stolpersteine“, so Margot Löhr, „sollen bald an der Schicksal dieser Kinder erinnern.“ Deshalb sucht sie Paten, die bereit sind, mit einem Patengeld von 120 Euro einen Stolperstein zu finanzieren. Ein Pate kam just hinzu: Die Baufirma, deren Mitarbeiter unbeabsichtigt einen Stolperstein vor der Strafanstalt Fuhlsbüttel beschädigt haben, ist nicht nur für die Erneuerung dieses Steins aufgekommen, sondern hat die Patenschaft für einen weiteren Stein übernommen. (wb)

Mehr über die Stolperstein-Patenschaften und weitere Informationen unter:
stolpersteine-hamburg Peter Hess, Tel.: 040/410 51 62
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