Das Geheimnis Erika-Straße in Hamburg

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Hakim Raffat hat ein Buch über die Erikastraße geschrieben, unter tatkräftiger Mitarbeit von Sabine Maurer Foto: Hanke
 
Eisbahn in der Erikastraße: Von 1892 bis etwa 1903 konnte die Jugend im Bereich Erikastraße 53 Schlittschuh laufen. Dafür hatte Nachbar Carl Christlieb gesorgt Foto:wb

Hakim Raffat vom Stadtteilarchiv verrät Kurioses und Wissenswertes in einem neuen Buch

Von Christian Hanke
Hamburg. Die Erikastraße gehört zu den längsten und vielseitigsten Straßen Eppendorfs. Kleine Läden und Geschäfte im Zentrum Eppendorfs, große Mietshäuser und schließlich Reihenvillen in der fast ländlichen Umgebung des Eppendorfer Mühlenteichs charakterisieren diese Straße. Grund genug für Hakim Raffat, einen der Leiter des Stadtteilarchivs Eppendorf, ein Buch über die Erikastraße zu schreiben.
Drei Jahre hat er sich mit dieser Straße beschäftigt, hat Archive gewälzt, Literatur zu Hamburg und zur Region Eppendorf gelesen und viele Bewohner und Zeitzeugen befragt. Herausgekommmen ist ein fast 200 Seiten starkes Buch – über eine einzige Straße.
Aber sie hat es in sich, die Erikastraße. Ihr Name war einst die zweitgebräulichste Bezeichnung in Eppendorf hinter dem Namen des Stadtteils, wie der Autor in dem Kapitel „Faszination Erika“ darlegt. Es gab „Ericabaracken“, eine „Ericastation“, einen Erika-Acker, eine Erika-Oldtimer-Rallye, die Weinhandlung Erika-Spirituosen und noch heute die Erika-Apotheke und das Erikahaus, das die Erikaschwestern beherbergte, und auch auf dem UKE-Gelände seinen Namen behalten hat.
„Erika war zur Zeit der Benennung ein beliebter Name“, erläutert Hakim Raffat. Dabei ist die Erikastraße 1885 nicht nach dem weiblichen Vornamen, sondern nach dem volkstümlichen Begriff für das violette Heidekraut benannt worden. In Eppendorf sollten die Straßen Blumennamen erhalten. Aber es blieb bei der Erikastraße. Nach der Gründung des Neuen Allgemeinen Krankenhauses, dem heutigen UKE, setzten sich Ärzte auf den Straßenschildern durch.
Kurios: die Erikastraße von 1885 heißt heute gar nicht mehr so. Dieser älteste Teil zwischen dem Reinckeplatz, der heutigen Kreuzung Breitenfelder und Tarpenbekstraße, und der Martinistraße, wurde 1937 nach dem ein Jahr zuvor verstorbenen UKE-Arzt Hugo Schottmüller umbenannt. Heute beginnt die Erikastraße daher erst bei Nummer 37.
1899 wurde der Feldweg zu dem ältesten Teil hinzugezogen: die heutige Erikastraße. Quirlig, lebendig mit Eppendorfer Traditionsgeschäften wie Fische Hülsen und Rolf Kappler-Einbruchsschutz im nun südlichsten Teil zwischen Martinistraße und Lokstedter Weg. Ruhiger, aber immer noch umtriebig der mittlere Abschnitt mit großen Etagenhäusern und einigen Geschäften und ganz ruhige Wohnstraße der Norden mit Villenbebauung und Zugang zum Eppendorfer Mühlenteich.
Hakim Raffat zeigt in kurzen Kapiteln die Geschichte der Erikastraße auf und berichtet dann von zwei Schulen an dieser Straße und einem Sportclub, dem Winterhuder Eppendorfer Turnverein, vom Winterquartier der Alsterschwäne, Erikastraße Nr. 186, und macht sich Gedanken zur Gentrifizierung der Straße. Fast die Hälfte des Buches ist Bewohnern und Geschäften gewidmet, Nazi-Sympathisanten wie Hugo Schottmüller, der mutigen Nazi-Gegnerin Elisabeth Flügge, der jüdischen Familie Bielefeld, die den Holocaust nicht überlebte, und den Künstlern Gerlach Fiedler und Gerd Stange. – Das Buch „Die Erikastraße in Hamburg-Eppendorf“ kostet 25 Euro und ist in Buchläden, im Stadtteilarchiv und Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13a (Martinistraße 40), zu haben. (ch)
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