Das Leben stabilisieren

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Bieten eine neue Therapie für süchtige Frauen mit traumatischen Erfahrungen an: Rena Hiersemann, Ingo Schäfer, Samira Nokodian, Johanna Grundmann und Claudia Schulze (v.l.).Foto: Hanke

UKE-Studie unterstützt Frauen, die Gewalt erfahren haben

Eppendorf. Schlafstörungen, Alpträume, Unruhe, Angst, Nervosität, Stimmungsschwankungen – unter diesen Phänomenen leiden Frauen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Süchte wie Alkohol oder Drogen helfen ihnen oft, um kurzfristig zu überleben, verschlechtern aber auf lange Sicht den Gesamtzustand. Rund die Hälfte aller Menschen in Suchtbehandlung hat in jungen Jahren Misshandlungen oder Vernachlässigungen erlebt. Ein Drittel aller Personen, die eine Traumatherapie beginnen, weist Suchtprobleme auf. „Die Verbindungen zwischen frühen traumatischen Erlebnissen und Sucht liegen eigentlich auf der Hand. Die Profis haben danach aber bisher zu selten gefragt“, berichtet Privatdozent Dr. Ingo Schäfer von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinkum Eppendorf (UKE). Schäfer und sein Team bieten deshalb jetzt eine neue Therapie für genau diese Personengruppe an, die in den USA bereits große Erfolge erzielt hat. Sie wendet sich an Frauen mit traumatischen Erfahrungen, die süchtig geworden sind, und beinhaltet eine Studie mit vier Interviewterminen und einigen Fragebögen. Für diese Mitarbeit erhält jede der Teilnehmerinnen 100 Euro. „Die Therapie konzentriert sich darauf, das Leben der Frauen zu stabilisieren. Sie versucht nicht die traumatischen Erfahrungen aufzuarbeiten“, erläutert Ingo Schäfer. Das würde viele der Frauen zunächst überfordern. Die Therapie umfasst 14 Sitzungen im wöchentlichen Rhythmus. Frauen im Alter von 18 bis 65 können nach einer Anmeldung auch kurzfristig teilnehmen. Es werden Kleingruppen von vier bis sechs Frauen gebildet. In den Sitzungen geht es zum Beispiel um die Distanzierung von emotionalem Schmerz, um den besseren Schutz in schädigenden Beziehungen oder schlicht darum, wie die Betroffenen Hilfe organisieren können. Auch die Heilung von Wut und der Umgang mit den Suchtauslösern stehen auf dem Programm der Sitzungen. Fast 80 Frauen haben die Therapie bei Ingo Schäfer und seinem Team schon durchlaufen. Der UKE-Arzt habe von ihnen durchweg positive Rückmeldungen erhalten. (ch)

Wer sich für die Studie interessiert, kann sich unter Tel.: 74 10 240 84 melden.
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