„Das Planverfahren ist eine Farce“

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Zeit der Motorsägen: Der Kahlschlag begann schon in der vorigen Woche. Hier der Blick von der Langenbeckshöh Foto: wb
 
Kai Debus, CDU Bezirksfraktion, vermisste eine reelle Auseinandersetzung mit Gegenargumenten zum Bebauungsplan Foto: privat/wb

Rodungen am Gleisdreieck fast beendet. CDU kritisiert Verkehrsführung Feuerbergstraße bei Baustellenbetrieb

Alsterdorf/Ohlsdorf Jetzt wird es eng: für die auf dem bewaldeten Gleisdreieck bislang heimischen Waldlaubsänger und Habichte ebenso wie für Passanten, die auf den Weg über die Feuerbergstraßenbrücke angewiesen sind. Wie berichtet, hatte am 11. Februar die rotgrüne Mehrheit in der Bezirksversammlung den Bebauungsplan für einen Busbetriebshof der Hochbahn trotz zahlreicher Einwände verabschiedet. Tage später kamen schon die Motorsägen im Waldgebiet zum Einsatz. Die bis zuletzt umstrittene Rodung von 2.800 Bäumen heißt jetzt „Baufeldfreimachung“ im Hochbahn-Jargon. Sie sei „nahezu abgeschlossen“, meldete Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum schon Ende vergangener Woche. Ab sofort begännen bauvorbereitende Maßnahmen mit Baustellenverkehr über Feuerbergstraße und Rübenkamp.
„Auf der Feuerbergstraße gibt es teilweise keinen Bürgersteig für Fußgänger“, sorgt sich eine Anwohnerin. Der Weg zum Alsterdorfer Markt und zurück werde für viele Senioren, Schulkinder und Menschen mit Behinderung gefährlich. Ihren Hinweis konnte die Anwohnerin den Baustellen-Verantwortlichen gegenüber noch nicht zur Sprache bringen. Denn die Hochbahn habe „sehr spärlich“ zu ihrem dritten Info-Abend zum Busbetriebshof eingeladen. Sie und viele weitere Mietparteien in der Langenbeckshöh hatten gar keine Einladung erhalten. So kamen denn auch nur 20 Anwohner am vergangenen Donnerstag in die Schule am Ballerstedtweg. Hochbahn-Projektleiter Leif Torge informierte über die Baustellen-Logistik für „Hamburgs modernsten Busbetriebshof“. Zusammen mit Michael Kauer von Spiekermann Consulting Engineers stand er den Anwohnern nüchtern und sachlich Rede und Antwort.

Brücke wird gebaut


Erster Schritt sei der Bau einer Brücke über die Güterumgehungsbahn. Sie wird künftig als Zufahrt vom Tessenowweg auf das Areal dienen. Voraussichtlich bis zum September sei die neue Brücke fertiggestellt. Bis dahin muss der Schwerverkehr von und zur Baustelle über Feuerbergstraße und Rübenkamp geleitet werden. Dafür treffe er persönlich Vorkehrungen zur Verkehrssicherheit in enger Absprache mit Polizei und den Schulen der Umgebung, sagte Leif Torge. An gemeinsamen Lösungen – auch für die Kinder, die nachmittags auf dem Nachhauseweg sind – werde gearbeitet. Mit Rücksicht auf Anwohner sei der Verkehr zunächst auf zwei Lkw pro Stunde begrenzt, die zur Baustelle ein- und ausfahren dürfen. Zudem starten sie morgens um 8.15 Uhr, nach Schulbeginn. Auf der engen Brücke gelte ein Tempo-Limit von 8 km/h, auf der Feuerbergstraße von 20 km/h, deren Einhaltung werde streng polizeilich überwacht. Das Verkehrskonzept ziele darauf ab, die Anwohner möglichst wenig zu beeinträchtigen. Um die Lkw-Fahrten zu reduzieren, werde der Erdaushub auch auf dem Gelände zunächst zwischengelagert. Nachts und am Wochenende fänden keine Arbeiten statt. Maßnahmen zum Lärmschutz würden im Interesse der Nachbarn vorgezogen, so Torge und Kramer. Der Bezirksabgeordnete Kai Debus (CDU) hatte sich mit Fraktionskollegen noch in einem von drei Anträgen gegen die Abwicklung des Baustellenverkehrs über die Feuerbergstraße gewandt. „Das Gefährdungspotential für Grundschulkinder, Ältere und Menschen mit Handicaps ist an dieser Stelle besonders hoch“, erklärte Debus. Zudem bestehe durch die permanente Belastung mit Lkw ein Risiko für die Brücke. Der gesamte Baustellenverkehr hätte über den Tessenowweg führen müssen – und zwar erst nach Fertigstellung der Brücke, so Debus. „Das Bebauungsplanverfahren halte ich im Nachgang für eine Farce“, bilanzierte Debus. Sämtliche Argumente von Gegnern seien abgeschmettert und eine reelle Anhörung verhindert worden – zu Lasten von Transparenz und Bürgerbeteiligung. „Die Abgeordneten von SPD und Grünen haben sich nicht ausreichend mit dem Bebauungsplan und seinen Folgen für Natur und Anwohner auseinandergesetzt.“ Im Bebauungsplan seien keinerlei Ergänzungen oder bindende Auflagen vorgenommen worden, deshalb könne vom vielzitierten „modernsten Busbetriebshof Europas“ keine Rede sein. Alle drei von der CDU-Fraktion vorgelegten Anträge zur Regelung wichtiger Details im Bauprojekt waren mit rot-grüner Mehrheit auf die kommende Sitzung am 5. März vertagt worden. (wh)
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13 Kommentare
8
André Rabe aus Horn | 23.02.2016 | 12:32  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 24.02.2016 | 15:33  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 25.02.2016 | 13:28  
2.122
Kai Debus aus Alsterdorf | 25.02.2016 | 17:20  
84
Alexander Kleinow aus Barmbek | 25.02.2016 | 20:14  
392
Michael Kahnt aus Barmbek | 26.02.2016 | 07:13  
84
Alexander Kleinow aus Barmbek | 26.02.2016 | 08:17  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 26.02.2016 | 08:46  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 26.02.2016 | 09:12  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 28.02.2016 | 10:58  
392
Michael Kahnt aus Barmbek | 07.03.2016 | 11:43  
84
Alexander Kleinow aus Barmbek | 07.03.2016 | 11:53  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 07.03.2016 | 15:52  
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