Demo für Familie Cruz

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Mit einer Lichteraktion vor dem Rathaus drückten Schüler der Stadtteilschule Winterhude Solidarität mit ihren Mitschülerinnen Andrea und Maria Cruz aus, die von der Abschiebung bedroht sind. Foto: Heinrich Pawek
 
„Die Kinder sollen bleiben können. Sie sind hier eher zuhause als in ihrer Heimat“, meinen ihre Mitschülerinnen Lisa Brunzel (links) und Luzie Röther. Foto: Gemeinholzer

Stadtteilschule Winterhude: Mitschülerinnen sollen bleiben

Von Anne Gemeinholzer
Winterhude Die Unterstützung für die von der Abschiebung bedrohte Familie Cruz aus Winterhude ist gewaltig: Mit einer Lichterkette rund um die Rathausfassade zeigten vor einer Woche Schüler, Eltern und Lehrer von der Stadtteilschule Winterhude ihre Solidarität mit den Schülerinnen Andrea (13), Maria (12) und Fabiola (18) und deren Mutter Gabriela (37). Bei Nieselregen harrten die Unterstützer in der Kälte aus, um ein Zeichen für das Bleiberecht der vorbildlich integrierten Familie aus Honduras zu setzen. Gabriela Cruz war mit ihren Töchtern Anfang 2006 eingereist – und illegal geblieben. „Wir haben uns sechs Jahre lang in Hamburg verstecken müssen und hatten immer große Sorge entdeckt zu werden. Obwohl wir in so einer bedrohlichen Situation gelebt haben, konnten wir mit Unterstützung von vielen netten Menschen ein fast normales Leben leben“, schreibt Fabiola in ihrem Blog, „vor ungefähr einem halben Jahr haben wir diese Situation nicht mehr ausgehalten.“ Ein Jahr vor ihrem geplanten Abitur an der Max-Brauer-Schule in Bahrenfeld, wagte die Familie Cruz den Schritt aus der Illegalität und stellte einen Bleiberechtsantrag. Doch die Ausländerbehörde lehnte den Antrag im Oktober ab, sprach stattdessen eine Duldung aus, die bis Ende März gilt. Gabriela Cruz stellte daraufhin einen Antrag an die Härtefallkommission, den auch die Leitung der Stadtteilschule unterstützt. „In solch einem Fall, wo die Mädchen so gut integriert, leistungsstark, motiviert und sozial engagiert sind, sollten wir ihnen ermöglichen, hier ihre Schullaufbahn zu beenden“, sagte Kirsten Böttger, Stufenleiterin 8-10.
„Gut ausgebildete und integrierte junge Leute sollten eine Chance bekommen – egal, was ihre Eltern verbockt haben“, sagt auch Pastorin Fanny Dethloff, Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche. Am 6. Dezember soll die Entscheidung der Härtefallkommission fallen.
Ursprünglich hatten die Unterstützer den Start des Weihnachtsmarkts für eine Lichteraktion auf der Binnenalster nutzen wollen, was die Stadt jedoch untersagt hatte. Auch die unangemeldete Versammlung vor dem Rathaus löste die Polizei nach etwa einer halben Stunde auf. „Es ist schlimm: Jedes kleinste Licht, jeder kleinste Aufstand wird hier niedergemacht“, empörte sich Lehrerin Sonja Agea Lücke.
Für die Familie war die Aktion dennoch ein voller Erfolg: „Ich finde es einfach super, dass so viele Leute gekommen sind und alle an der Schule uns unterstützen. Das bedeutet mir sehr viel“, sagte die 13-jährige Andrea, die die achte Klasse der Stadtteilschule besucht.
Helfen wollten etwa Lisa Brunzel (13) und Luzie Röther (12). „Die Kinder sind hier eher zuhause als in ihrer Heimat“, meinte Lisa, „sie sprechen sehr gut Deutsch, engagieren sich und sind gut in der Schule. Die Mutter arbeitet.“ Die Situation für bleibewillige Migranten müsse insgesamt verbessert werden, meinte Luzie: „Es geht ja vielen so, dass sie das nicht geregelt kriegen, dass sie bleiben können.“
„Sie haben sich hier in sechs Jahren ein Leben aufgebaut. Da sollte man nicht nachdenken müssen. Die Ungewissheit tut den Kindern ja auch weh“, meinte Sera-Isabel Bornkessel (14). Ihre Mitschülerin Aramia Warns (16) engagierte sich als Ordner, damit eine lange Kette von Unterstützern entstand. „Ich kann nicht verstehen, warum man sie hier herausreißen sollte. Die Älteste will nächstes Jahr ihr Abitur machen“, sagte Aramia. Es sei ungerecht, dass man die gut integrierte Familie abschieben wolle, Migranten aus EU-Staaten dagegen willkommen heiße. „Wir haben es wenigstens versucht. Man kann nicht mehr machen als das und hoffen, dass es dann klappt mit der Entscheidung“, sagte die 16-Jährige. Vor dem Rathaus kursierten bei der Lichteraktion auch Listen mit Unterstützerunterschriften. Die rund 3000 Unterschriften, die die Stadtteilschule und Max-Brauer-Schule gemeinsam eingesammelt hatten, sollten am gestrigen Montag an die Härtefallkommission übergeben werden. Am Nachmittag war dazu eine Demonstration auf dem Hachmannplatz am Hauptbahnhof geplant.
Flüchtlingsbeauftragte Fanny Dethloff rechnet fest mit einem positiven Ausgang für die Familie Cruz: „Ich denke, dass sie sehr gute Chancen durch die Petition haben.“ Bis Montag hatten im Internet 4464 Menschen die Petition unterzeichnet. (ag)
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