Denkmalliste ist fehlerhaft

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Auf dem Licentiatenberg steht kein Kriegerdenkmal mehr. Längst abgebaut, wird es dennoch unverändert an diesem Standort in der Denkmalliste geführt. Wolfgang Jäger hat´s irritiertFoto: Hanke

Laut neuer Liste werden Objekte geschützt, die es gar nicht gibt

Von Christian Hanke
Groß Borstel. Wolfgang
Jäger, engagierter Bürger aus Groß Borstel, steht auf dem
Licentiatenberg, einem bronzezeitlichen Grabhügel im Norden des Stadtteils. Laut neuer Denkmallliste vom Mai dieses Jahres, in der erstmalig alle, auch die erkannten Denkmäler als unter Schutz gestellt aufgeführt sind, so wie es in dem neuen Denkmalschutzgesetz beschlossen wurde, befindet sich hier immer noch das martialische Kriegerdenkmal, das nach langen Protesten vieler Borsteler 2006 abgebaut und eingelagert wurde. Als Bodendenkmal wurde der Licentiatenberg in der Denkmalliste nicht gestrichen. Nicht die einzige Eintragung in der Denkmalliste, die Wolfgang Jäger als Fehler aufgefallen war. Gleich 42 unrichtige Eintragungen und Auslassungen hat er in den Datensätzen über die SAGA/GWG-Siedlung Beerboom-stücken entdeckt. „Da wurden zwölf Gebäude als Reihenhäuser bezeichnet, die eindeutig keine sind“, berichtet der Borsteler. Die besagten Gebäude sind Einzel- und mehrstöckige Etagenhäuser. Außerdem fehlen in der Auflistung des Denkmalschutzamtes einige Gebäude, auch aus der Köppenstraße und der Borsteler Chaussee, die ebenfalls zu der großen SAGA/GWG-Siedlung gehören. „Man hätte nicht alle erkannten Denkmäler mit einem Schlag unter Schutz stellen sollen.“ Es gibt da welche, die sind keine“, findet Claus-Joachim Dickow von der FDP Hamburg-Nord, der argwöhnt, dass das Personal für eine Prüfung der erkannten Denkmäler auf Unterschutzstellung und auch für die Aktualisierung der Liste gefehlt habe.
Das Denkmalschutzamt widerspricht deutlich. Alle erkannten Denkmäler waren von den Mitarbeitern des Denkmalschutzamtes bereits als schutzwürdig erkannt worden. Sie mussten nicht noch einmal überprüft werden. „Es sind die bereits erkannten Denkmäler geschützt worden, die von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Denkmalschutzamt als denkmalwürdig eingestuft wurden“, erklärt Laura-Helen Rüge, Sprecherin der Kulturbehörde. Es fehlte somit nicht an Personal, auch nicht für die Aktualisierung, denn „Grundsätzlich ist die Aktualisierung der Denkmalliste eine dauerhafte Aufgabe“, so Laura-Helen Rüge, die allerdings einräumt, dass es versäumt wurde, einige Datensätze der Siedlung Beerboomstücken aus der aktuellen Denkmalliste herauszunehmen. Weil die Siedlungshäuser inzwischen zu stark verändert wurden, können sie nicht mehr als Denkmal gelten.

Bodendenkmäler nicht mehr verzeichnet

Das Kriegerdenkmal auf dem Licentiatenberg gilt dagegen unverändert als Denkmal an diesem Ort, obwohl die gestalteten Teile vom Denkmalschutzamt eingelagert wurden. Unter der Adresse Am Licentiatenberg sind sie aber nach wie vor verortet. Das kann schon verwirren. Da Bodendenkmäler nach dem neusten Denkmalschutzgesetz nicht mehr in der Denkmalliste aufgeführt werden, wurde der Licentiatenberg in dieser Eigenschaft gestrichen. (ch)
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