Der Kandidaten-Check

Anzeige
 
Christian Carstensen (40), verheiratet, zwei Kinder, Wohnort Langenhorn, Hobbys: Familie, Le sen, Laufen
   
Dirk Fischer (69), Wohnort Winterhude, Hobbys: Fußball aktiv und als Funktionär, Tennis, Lesen, Rad fahren
   
Sylvia Canel, 55, verheiratet, zwei Kinder, Wohnort Ohl- stedt, Hobbys: Schwimmen, Laufen, Lesen
 
Anja Hajduk, 50, ledig, keine Kinder, Wohnort Winterhude, Hobbys: Klassische Musik, Bergsteigen, Doppelkopf

Fehler, Leistungen, Ziele? Das WochenBlatt stellt den Direktkandidaten im Wahlkreis Fragen, diesmal für SPD und CDU in Nord

Bundestagswahl 2013

Von Rainer Glitz
Hamburg. Wer regiert künftig in Deutschland? Und welcher Hamburger Politiker kommt in den 18. Deutschen Bundestag? Die Direktkandidaten der wichtigsten Parteien aus dem Wahlkreis Nord beantworten dem Hamburger WochenBlatt fünf Fragen, weshalb sie am 22. September gewählt werden wollen. In Hamburg sind bereits 1.306.966 Wahlbenachrichtigungen verschickt worden. Dort ist vermerkt, in welchem Wahllokal man am 22. September zwischen 8 und 18 Uhr seine beiden Kreuze machen kann. Denn wie immer hat man zwei Stimmen: Die Erststimme ist für den Direktkandidaten im einem der bundesweit 299 Wahlkreise. Hamburg hat sechs Bundestags-Wahlkreise: Altona, Eimsbüttel, Bergedorf-Harburg, Mitte, Nord und Wandsbek. Mit der Zweitstimme wird die Partei gewählt. Das Bundesergebnis bestimmt dann, wie viele Kandidaten der jeweiligen Landeslisten nach Berlin gehen. In Hamburg stehen 107 Frauen und Männer auf 13 Landeslisten zur Wahl. Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2009 waren es nur 76 auf 11 Landeslisten.
In der Hansestadt wird am 22. September aber nicht nur der neue Bundestag gewählt. Es findet zeitgleich der Volksentscheid über den Rückkauf der Strom-, Fernwärme- und Gasleitungsnetze statt. Die Stellungnahmen der Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ und der Bürgerschaftsfraktionen wurden mit der Wahlbenachrichtigung verschickt. Abstimmen dürfen beim Volksentscheid erstmals auch 16- und 17-Jährige. Das Hamburger WochenBlatt wird in den kommenden Wochen vor der Wahl die Direktkandidaten der wichtigsten Parteien in den Wahlkreisen vorstellen, nachfolgend diejenigen aus dem Wahlkreis Nord. Wir haben allen dieselben fünf Fragen gestellt. (rg)

Die Direktkandidaten

Christian Carstensen (40) SPD
Größte politische Leistung?
Das neue Fluglärmschutzgesetz, das ich für die SPD-Fraktion und bundesweit durchbringen konnte und wodurch jetzt viele Menschen Anspruch auf Lärmschutz haben. Natürlich auch vieles vor Ort: Die Lärmschutzwände an der Güterumgehungsbahn in Hamburg-Nord habe ich mit durchgesetzt, zusammen mit vielen anderen engagierten Menschen. Das waren die Höhepunkte als Bundestagsabgeordneter.

Größter politischer Fehler?
Insbesondere, wenn man seinen Wahlkreis beim letzten Mal nicht wiedergewinnen konnte, fragt man sich immer, woran es lag. Was würde man jetzt anders machen? Ich würde noch stärker mit dem Hamburger Senat zusammenarbeiten. Das ist von beiden Seiten bei der letzten Wahlperiode, in der ich im Bundestag war, nicht so gefordert worden.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit vorgenommen?
Ich möchte an meine erfolgreiche Wahlkreisarbeit anknüpfen, sehr bürgernah Politik machen. Die wichtigsten Ziele sind natürlich, dass wir uns um die Zukunftsängste der Menschen kümmern. Bekomme ich nach Schule oder Studium einen Arbeitsplatz , von dem ich meine Familie ernähren und eine Wohnung finanzieren kann, kann ich für das Alter vorsorgen? Es geht aber auch um die Wirtschaft und insbesondere bei Thema Verkehr darum, wie das abgefedert wird, dass die Anwohner- und Umweltinteressen berücksichtigt werden.
 
Was hätte Hamburg-Nord von ihrer Parlamentstätigkeit?
Er hätte einen engagierten Abgeordneten, der aus dem Wahlkreis kommt und ihn kennt. Und der auch schon gezeigt hat, dass er erfolgreich etwas für den Wahlkreis tun kann, z.B. die Lärmschutzwände an der Güterumgehungsbahn und die Einbeziehung sämtlicher S-Bahnhöfe von Poppenbüttel bis Barmbek in das Sanierungsprogramm des Bundes 2009.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Ich bin Mitarbeiter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, ich bin vielfältig ehrenamtlich engagiert, dann geht das so weiter.
Aber ich kämpfe dafür, dass es klappt und ich Hamburg Nord und das Alstertal wieder vertreten darf.

Dirk Fischer (69) CDU
Größte politische Leistung?
In den Jahrzehnten hat sich einiges angesammelt. Ich habe das internationale Schifffahrtsregister geschaffen, die Tonnage-Steuer, dann wichtige Projekt in Hamburg. Die Ortsumgehung Fuhlsbüttel mit Anbindung an die A 7, das ist ein ganz wesentlicher persönlicher Erfolg gewesen.

Größter politischer Fehler?
Es gibt politische Fehler aus meiner Zeit in der Bürgerschaft. Die Fraktion war damals gegen den Umbau des Rathausmarktes, war für den Abriss der Fischauktionshalle – was ich städtebaulich als sehr schmerzhaft empfunden hätte, wenn es so gelaufen wäre. Und wir waren gegen Hamburgs Beteiligung an Airbus.

Was haben Sie sich für die politische Arbeit vorgenommen?
Ganz entscheidend ist, dafür zu kämpfen, dass das Verkehrsministerium die Mittel bekommt, die es für Erhalt und Unterhalt, Erneuerung und Ausbau der Infrastruktur braucht. Wir haben bei Straßen, Schienen und Bundeswasserstraßen eine erhebliche Unterfinanzierung. Über zwei Drittel des Straßenbauetats geht in die Erneuerung etwa der Rader Hochbrücke oder der Heimfelder Brücke, und wir haben viele Eisenbahnbrücken, die bald nicht mehr genutzt werden dürfen.

Was hätte Hamburg-Nord von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Die Busbeschleunigung und der Umbau am Mühlenkamp, das ist ein hochgradiges Konfliktthema. Ich wohne hier seit Jahrzehnten, ich fand das schöne Kuddelmuddel immer sehr reizvoll. Der Verlust von Abbiegespuren und die Beeinträchtigung von Einzelhändlern führt zu Konflikten und könnte den Charme dieses Gebietes zerstören.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Da ist noch so viel zu lesen, zu reisen, zu arbeiten. Und da ist mein Ehrenamt als Präsident des Hamburger Fußballverbandes, also es wird nicht langweilig.
Aber ich habe einen gewaltigen sportlichen Ehrgeiz, den Wahlkreis zum fünften Mal direkt zu gewinnen.

Anja Hajduk (50) Bündnis 90 die Grünen

Größte politische Leistung?
Ich möchte das nicht für mich allein beantworten, sondern für die grüne Partei. Unser größter Erfolg ist, dass wir der Energiepolitik in Deutschland eine Wende verpasst haben. Raus aus der Atomenergie, hin zu erneuerbaren Energien. Damit das auch ein Erfolg für die Gesellschaft wird, muss das jetzt auch zum Gelingen gebracht werden.
 
Größter politischer Fehler?
In der ersten rot-grünen Bundesregierung Anfang des Jahrtausends sind wir bei einigen Steuersenkungen viel zu weit gegangen. Und das müssen wir korrigieren. Das muss man auch einmal einräumen, dass wir beim Spitzensteuersatz eine Erhöhung brauchen. Ich finde es richtig, dass starke Schultern auch ein bisschen mehr tragen sollen.

Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Wir haben die Energiewende vor uns. Für mich steht auch eine gerechtere Finanz- und Steuerpolitik ganz oben auf der Agenda. Und eng damit verbunden eine bessere Familienpolitik. Also Abschaffung des widersinnigen Betreuungsgeldes, um die Mittel für Kinder und Familien sowie gute Bildung und Ausbildung zu nutzen. So können wir bessere Möglichkeiten und Chancen eröffnen.

 Was hätte Nord von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Wenn ich mit den Menschen vor Ort spreche, sind die Themen Pflegesituation, Wohnen, Mietbelastung und Lärmschutz wichtig. Wir werden in Berlin eine große Diskussion über den Länderfinanzausgleich haben. Wir brauchen eine bessere Ausstattung von Städten und Kommunen für die Infrastruktur. Da muss der Bund sich engagieren. Bei der Verteilung der Finanzen zwischen der Bundesebene und Hamburg gibt es eine Menge von Interessen zu vertreten, und das will ich gerne tun.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Ich muss ganz ehrlich sagen: Da ich auch die Spitzenkandidatin meiner Partei in Hamburg bin, mache ich mir den Gedanken jetzt einmal nicht. 

Sylvia Canel (55) FDP

Größte politische Leistung?
Der größte Erfolg ist, dass der Schwerpunkt Bildung auch finanziell unterstützt wurde von der Bundesregierung. Wir haben fast 14 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt bekommen, das ist mehr als bei jeder Regierung zuvor. Der zweite Erfolg ist die Erhöhung des Bafög für sozial schwache Kinder, damit diese auch studieren können. Dazu kommen das Deutschland-Stipendium und das Wissenschafts-Freiheitsgesetz.
 
Größter politischer Fehler?
Ich hadere mit der Euro-Politik der Bundesregierung und habe gegen die Euro-Rettungsmaßnahmen gestimmt. Ich bin davon überzeugt, dass die Politik von Angela Merkel nicht alternativlos ist. Wir haben als FDP-Fraktion schon einige Ordnungsmaßnahmen gefordert und durchgesetzt. Aber mir reicht das nicht. Ich möchte gerne wissen, wo das Geld bleibt und möchte nicht in ein Fass ohne Boden investieren.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
In erster Linie Bildung, Bildung, Bildung. Das ist meine Herzensangelegenheit, dafür bin ich überhaupt in der Politik. Das zweite ist Bürokratieabbau, besonders an den Schulen. Dazu kommen Hilfe für Menschen, die sie brauchen, Wirtschaftswachstum und eine gute Energiepolitik
 
Was hätte Nord von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Das wichtigste lokale Thema ist die Infrastruktur. Hier wird viel gebaut, aber wenig für den Verkehrsfluss getan. Wir brauchen Umgehungsstraßen, brauchen den Ausbau der Verbindungen in die Stadt. Das müssen nicht immer Straßen sein, da gehören auch die Fahrradwege dazu. Und da gehört auch die Bahnanbindung dazu. Es kann nicht sein, dass man im Norden zu einer  gewissen Uhrzeit zu Hause sein muss, weil man sonst keinen Bus oder keine Bahn mehr bekommt. Das ist einer Großstadt nicht würdig, und ich finde, da kann man noch viel tun.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Dann werde ich weiter selbständig arbeiten, entweder in der Politikberatung oder im Personalmanagement. Eventuell auch wieder im Schulbereich. Ich bin voller Ideen und bin davon überzeugt, dass die Welt offen steht.

Kai Connelly (44) Freie Wähler:
Größte politische Leistung?
Wir sind in Hamburg erst seit 2010 vertreten. Erfolge konnten wir leider noch nicht verbuchen. Außer vielleicht die Teilnahme an der letzten Bürgerschaftswahl. Das war für eine gerade einmal drei Monate zuvor gegründete Partei schon eine Herausforderung.
 
Größter politischer Fehler?
Man kann andersherum genauso auch die erste Teilnahme an einer Wahl als Misserfolg sehen. Die Freien Wähler haben nur 0,7 Prozent hier in Hamburg bekommen. Das ist auf der einen Seite enttäuschend, weil es auch Bundesländer gibt, in denen wir in den Länderparlamenten vertreten sind. Auf der anderen Seite muss man sagen: Gut, da fängt man an.

Was haben Sie sich für die
politische Arbeit in Berlin
vorgenommen?
Ich denke, das wichtigste Thema ist weiterhin der Euro. Irgendwann muss die berühmte Rechnung bezahlt werden, da werden Schulden auch weiter vererbt. Die Freien Wähler sind nicht gegen den Euro und auch nicht gegen Europa, aber wir brauchen neue
Ideen. Dann kommt der Bereich Spionage, Datensicherheit und persönliche Freiheit. Die Bundesregierung wälzt alles auf das Thema Terrorbekämpfung ab. Man kann aber nicht die persönlichen Freiheitsrechte der Menschen schützen, indem man die Freiheit einschränkt.
 
Was hätte der Wahlkreis Nord  von Ihrer
Parlamentstätigkeit?
In Hamburg sind Wohnen, Verkehr und Städtebauplanung vorrangige Themen. Wohnen wird immer teurer und ist kaum noch bezahlbar. Wir sind eine Universitätsstadt, aber die Studenten können sich keinen Wohnraum leisten, wenn eine Zwei-Zimmer-Wohnung 800 Euro kostet. Die öffentliche Hand muss Wohnraum schaffen. In der Verkehrspolitik hat Hamburg nach dem Krieg vieles verschlafen. Es gibt keine Ringautobahn und keine vernünftige Ost-West-Achse. Selbst kleine Maßnahmen wie eine Fußgängerbrücke über die Elbe nach Harburg könnten helfen. Auch die Stadtbahn ist ein Thema.
 
Wenn Sie nicht gewählt
werden...?
Ich habe eine Werbeagentur und zwei kleine Kinder, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich werde aber trotzdem weiter politisch aktiv sein. Es geht auch darum, den Regierenden auf die Finger zu schauen. Eine vielseitige und bunte Opposition, auch außerparlamentarisch, ist gut und wichtig.

Herbert Schulz (66) Die Linke
Größte politische Leistung?
Ich war lange aktiv in den 80er Jahren in der Friedens-
bewegung. Über den Erfolg
kann man streiten, es ging
damals um den Doppelbeschluss und unmittelbar haben wir
nichts erreicht. Aber das Maß an Mobilisierung und Aufklärung, das Thema Wettrüsten und Kalter Krieg überhaupt auf die Agenda zu setzen, war sehr wichtig. Und dass es dieses Wohnprojekt Haynstraße, in dem ich fast 40 Jahre lebe, immer noch gibt und es der Spekulation entzogen wurde, ist ein bleibender, sichtbarer Erfolg.
 
Größter politischer Fehler?
Das war eine gewisse Blau-
äugigkeit und Blindheit gegenüber der Realität in den sozialistischen Ländern in den 70er Jahren. Es war Kalter Krieg
und man musste Partei ergreifen, das war alles sehr grobschlächtig. Ein Misserfolg war, dass wir die Privatisierung der Krankenhäuser in Hamburg nicht verhindert haben. Viele Menschen in der Stadt haben sich dagegen aufgelehnt, es wurde trotzdem einfach durchgezogen.

Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Wohnungsbau und Schutz
der Mieterrechte sind die beiden Schlagworte. Bezahlbarer Wohnraum ist in der ganzen
Republik ein Problem, besonders in Ballungsgebieten, da nimmt
es absurde Formen an. Beim
Thema Mieterrechte und Miet-obergrenzen sind wir froh,
dass auf den Zug noch andere Parteien aufgesprungen sind.
In der Wirtschaftspolitik müssen wir dafür sorgen, dass gute
Arbeit auch gut bezahlt wird. Prekäre Beschäftigung in dieser Form darf es nicht mehr geben. Das wäre mein zweiter Schwerpunkt.
 
Was hätte der Wahlkreis Nord von Ihrer
Parlamentstätigkeit?
Ein wichtiges lokales Thema
ist die Spekulation mit Wohnungen und Grundstücken, da gibt
es aktuelle Fälle in Eppendorf, Winterhude oder Langenhorn. Da möchte ich die Politik der
Linken im Wahlkreis unterstützen.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Dann mache ich weiter Parteiarbeit, denn ich halte die Linke für eins der wichtigsten politischen Projekte. Ich habe da bereits viel Arbeit und Energie hineingesteckt. Also an Arbeit wird es mir nicht mangeln.

Sebastian Seeger 32 Piraten Partei


Größte politische Leistung?
Das ist sicherlich der gewonnene Bürgerentscheid Langenhorn 73, den wir mit mehr als 70 Prozent gewonnen haben. Da waren die Piraten hauptverantwortlich für den Wahlkampf als einzige Partei, die sich für den Erhalt der Siedlung eingesetzt hat.
 
Größter politischer Fehler?
Der Bürgerentscheid in Langenhorn war gleichzeitig die größte Niederlage, weil der Senat die Abstimmung durch sein Evokationsrecht praktisch für ungültig erklärt hat. Das ist der Sargnagel für die direkte Demokratie. Darüber hatte ich gar nicht nachgedacht, als ich losgestürmt bin, um Unterschriften zu sammeln. Hätte ich gewusst, dass ich mir zwei Jahre lang umsonst den Allerwertesten aufreiße, hätte ich es vielleicht gar nicht erst gemacht.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Es ist mein großes Herzensanliegen, den bundesweiten Volksentscheid einzuführen. Damit könnten die Bürger das Korrektiv sein für verfehlte Politik. Deutschland ist das einzige Land in der EU, das Volksentscheide auf dieser Ebene nicht kennt. Warum die Regierenden hier so ein Misstrauen gegenüber den Bürgern haben, ist für uns nicht einsehbar. Das wäre ein guter, erster Schritt.
 
Was hätte Nord von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Sehr viel, weil ich ja aus der Regionalpolitik komme. Im Bezirk hat man die direkten Bezüge. Ich kümmere mich in Nord um einige Bauprojekte. Das ist unter anderem der „Turmbau zu Barmbek“, da läuft gerade ein Bürgerbegehren. Groß Borstel 25 ist ein weiteres großes Projekt. Auf dem Grundstück befindet sich noch eine Kleingartenkolonie, dort sollen teure Luxus- und Eigentumswohnungen gebaut werden. Das sind Themen, die ich in den Bundestag hineintragen würde. Ich weiß nicht, mit welchen Erfolgschancen, wenn man einer von 600 Abgeordneten ist.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Dann geht es weiter. Wir haben im kommenden Jahr die Europa- und Bezirkswahl. Da wir Piraten die Drei-Prozent-Hürde wegklagen konnten, können wir eigentlich unter Garantie in alle sieben Bezirksversammlungen einziehen. Da ein sattes Ergebnis zu erreichen, ist unser Ziel.


Jörn Kruse 64 Alternative für Deutschland


Größte politische Leistung?
Dass wir diese Bürgerbewegung, diese Bürgerinitiative zu einer Partei gemacht haben, die jetzt aller Voraussicht nach am 22. September in den Bundestag einzieht, das finde ich eine Super-Leistung.
Aufgrund eines falschen Ansatzes in der Euro-Rettungspolitik haben wir uns überhaupt erst gegründet, und dann musste alles sehr schnell gehen. Die Termine waren eng, und dass wir es so schnell geschafft haben, betrachte ich als großen Erfolg.
 
Größter politischer Fehler?
Den größten Misserfolg würde ich darin sehen, dass wir es nicht geschafft haben, mit den Freien Wählern an einem Strang zu ziehen. Dann wären unsere Chancen nämlich noch besser gewesen. Das ist aber leider aus Gründen, die ich nicht nachzeichnen möchte, schief gegangen. Das würde ich als Misserfolg werten.
 
Was haben Sie sich für die politische Arbeit in Berlin vorgenommen?
Unser zentrales Thema ist die Veränderung der Europolitik. Das ist der Kernpunkt, über den wird auch nicht verhandelt, da sind wir kompromisslos. Ich persönlich bin sehr engagiert in der Frage der Demokratie. Ich möchte, dass die Bürger mehr zu sagen haben und der politischen Klasse nicht so ausgeliefert sind wie im Augenblick. Ich fühle mich nicht als Politiker, sondern als Volksvertreter. Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied.
 
Was hätte der Wahlkreis Nord von Ihrer Parlamentstätigkeit?
Mein Wahlkreis tut nicht furchtbar viel zur Sache. Ich bin Spitzenkandidat für Hamburg, und Hamburg ist schon klein genug.
Für naheliegende Dinge wie die Elbvertiefung werde ich mich einsetzen, das ist lebensnotwendig für die Stadt. Aber ansonsten ist Hamburg ein wichtiger Teil Deutschlands, und so würde ich auch meine Rolle in Berlin verstehen.
 
Wenn Sie nicht gewählt werden...?
Dann werde ich zu Ende bringen, was ich schon angefangen habe. Ich schreibe nämlich ein Buch über die Reform der Demokratie. Darüber habe ich in den letzten 20 Jahren zahlreiche Aufsätze geschrieben und Vorträge gehalten. Daraus soll ein Buch werden, das auch für den normalen Bürger lesbar und lesenswert sein soll. Politisch ist die AfD nicht am Ende, wenn sie nicht in den Bundestag kommt. Wir glauben, dass es dann erst richtig losgeht.

Landesliste für Hamburg
CDU
1. Marcus Weinberg
2. Rüdiger Kruse
3. Herlind Gundelach
4. Dirk Fischer
5. Jürgen Klimke

SPD
1. Aydan Özoguz
2. Ingo Egloff
3. Inka Damerau
4. Niels Annen
5. Julia Odebrecht

Grüne
1. Anja Hajduk
2. Manuel Sarrazin
3. Katharina Fegebank
4. Maximilian Bierbaum
5. Anna Gallina

FDP
1. Burkhardt Müller-Sönksen
2. Kurt Duwe
3. Sebastian Liebram
4. Astrid Siercke
5. Eva Parbs

Freie Wähler
1. Wolf Achim Wiegand
2. Christian Walbe
3. Kai Connelly

Die Linke
1. Jan van Aken
2. Sabine Böddinghaus
3. Cornelia Kerth
4. Hans-Joachim Hanisch
5. Kersten Artus
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige