Der „Müllenkamp“

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Sperrmüll auf dem Mühlenkamp gehört zum Alltag Foto: Hagen
 
Bettina Hagen sammelte 150 Unterschriften gegen Müll Foto: nk

Geschäftsfrau sammelt Unterschriften gegen Müll im Quartier

Winterhude. Der Mühlenkamp gehört zu den am häufigsten gereinigten Straßen Hamburgs. Sechs mal wöchentlich soll die Stadtreinigung kommen und aufräumen. Doch das reicht den Anwohnern und Geschäftstreibenden nicht. Bettina Hagen, Inhaberin des Restaurants 3 Tageszeiten, sammelte jetzt rund 150 Unterschriften gegen die „Verslumung im Quartier“.
Ein Regal eines schwedischen Möbelherstellers steht in einer Nachbarstraße des Mühlenkamps und wartet darauf, dass irgendwer es abholt. Auch das herrenlose Sofa in der Gertigstraße wurde „ausgesetzt“. Ebenso zahlreiche kaputte Fahrräder, die einfach am Straßenrand zurückgelassen wurden. Und auch kartonweise Altpapier. So sieht Winterhude aus. Bei einem Spaziergang durch das Quartier kann man durchaus noch mehr finden: alte Matratzen in der Jarrestadt, vergessen am Straßenrand; jede Menge Fahrradruinen oder auch Taschentücher und Zigarettenkippen auf den Gehwegen.
Tonnen zugeparkt
„Ich bin darüber entsetzt, wie sich die Leute verhalten“, sagt Bettina Hagen. Alles wird einfach weggeworfen. Dieses Phänomen der „Verslumung“ beobachtet die Geschäftsfrau bereits seit fünf Jahren. Doch so richtig schlimm sei es erst in den vergangenen zwei, drei Jahren geworden. Hagen: „Die Verschmutzung nimmt einfach immer mehr überhand.“
Die Müllentsorgung am Mühlenkamp, wenn nicht sogar in ganz Winterhude, ist problematisch. Aufgrund der Parkplatzsituation kommt es nicht selten vor, dass Mülltonnen nicht abgeholt werden, da für die Fahrzeuge der Entsorgungsunternehmen einfach kein Durchkommen ist. Ihre Fahrtwege zu den Mülltonnen sind schlichtweg von Anwohnern zugeparkt. Doch was sich im Mühlenkamp abspielt, scheint jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. „Die Müllentsorgung ist hier undurchsichtig“, sagt Bernd Kroll von der Bürgerinitiative „Unser Mühlenkamp“. Man kann da schon mal durcheinander kommen, wann welcher Sack, ob gelb oder blau, abgeholt werde. Doch die Problematik greift tiefer: Bettina Hagen kritisiert, dass die Abholung einfach nicht funktioniere. Auch wenn man sich an die Stadtreinigung wenden würde, dann passiere erst einmal gar nichts.
Damit sich jetzt etwas ändert, hat Bettina Hagen einen Plan gefasst. Sie sammelte schon Ende September rund 150 Unterschriften von den verantwortlichen Geschäftsinhabern rund um den Mühlenkamp, Poelchaukamp sowie der Gertigstraße. Diese Liste will sie am kommenden Montag, 28. Oktober, um 18 Uhr im Rahmen des Regionalausschusses Eppendorf-Winterhude im Goldbekhaus an die Politiker übergeben. Sie will ein Zeichen setzen.
Stadtreinigung: Täglich vor Ort
Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung Hamburg, kann keine „Verslumung am Mühlenkamp“ feststellen. Eine Reinigung von sechsmal wöchentlich und dazu noch 68 Sonderreinigungen im Jahr seien schon eine hohe Reinigungsanzahl und vergleichbar mit anderen Einkaufstraßen wie beispielsweise der Osterstraße in Eimsbüttel. Da die Stadtreinigung täglich am Mühlenkamp vor Ort sei, würden Probleme auch schnell bekannt werden, so Fiedler weiter. Er räumt allerdings ein, dass der Mühlenkamp natürlich stärker verschmutzt sei als „eine ruhige Straße draußen in den Walddörfern“.
Als bestes Mittel, um gegen Sperrmüllsünder vorzugehen, empfiehlt Fiedler die persönliche Ansprache. Man solle ruhig „soziale Kontrolle“ üben, und den Verursacher ansprechen. Wenn allerdings schon Müll illegal abgeladen wurden, dann können sich Bürger unter Tel.: 25 76 11 11 an die Hotline „Saubere Stadt“ wenden. „Es gibt hier bestimmte Spielregeln“, so Fiedler weiter. Innerhalb von drei Werktagen nach Meldungseingang würde der Müll durch die Stadtreinigung entsorgt werden.
Bettina Hagen hat nur noch wenig Verständnis für Menschen, die ihren Müll einfach an die Straße stellen. Und auch andere Hauseigentümer überlegen, wie sie dem Problem Herr werden können: Eine Möglichkeit wäre, die Müll-
entsorgung am Mühlenkamp in Eigenregie zu übernehmen. (nk)
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