Der Online-Arzt aus Hamburg-Eppendorf

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Die besten Ideen für seinen Medizin-Blog hat der junge Arzt aus Eppendorf, wenn er mit seinen beiden Dackeln Mucki und Lissi auf dem Uni-Campus spazieren geht Fotos: mt
 
Johannes Wimmer entwirft, schneidet und produziert seine Videos selbst. Bis April sollen es 500 Beiträge sein

„Doktor Johannes“ will Patienten aufklären. Ärztekammer sieht Web-Angebote kritisch

Von Marco Thielcke
Hamburg. Er könnte rein optisch eine Ergänzung zum TV-Duo Joko und Klaas sein, aber sein Anliegen ist ernster: Dr. Johannes Wimmer alias „Doktor Johannes“ aus Eppendorf will Patienten mit einem neuen Medizin-Blog aufklären.
Es zwickt und schmerzt - in diesem Fall hilft nur der Gang zum Arzt. Doch bevor geholfen wird, stehen oft viele Fragen durch den Mediziner: Wo tut es weh? Was fehlt Ihnen? Wie lange soll ich Sie krankschreiben? Alles allgemeine Fragen, die immer konkreter werden und an dessen Ende die Diagnose und die richtige Therapie stehen soll. Dr. Wimmer (30), Allgemeinmediziner, setzt mit seiner Idee an, bevor der Kranke die Praxis betritt: „Patienten, die erst dann anfangen darüber nachzudenken sind oft im Nachteil.“ Ärzte in Krankenhäusern hätten nur wenige Minuten Zeit für einen Patienten und auch Hausärzte können mit einem vollen Wartezimmer im Rücken nicht jede Frage beantworten.
Unter doktor-johannes.de will Wimmer nun Patienten auf die Begegnung mit ihrem Arzt vorbereiten. Mit Hilfe von Facebook, Twitter und einem eigenen Video-Blog (Online-Tagebuch) erklärt er Krankheiten, Symptome und gibt Tipps. Im weißen Kittel möchte er Seriosität ausstrahlen, doch seine Spots entstehen nicht in einer Klinik, sondern in einem Studio in Stellingen. Die Themen reichen vom zuckenden Augenlid bis hin zur Schlafstörung. Bis April sollen 500 Beiträge von „Dr. Johannes verfügbar sein. Finanzieren soll sich das Web-Angebot längerfristig durch Pharma-Werbung oder Kooperationen beispielsweise mit Krankenkassen.

Ärztekammer sieht Web-Angebote kritisch

Schon bisher finden Patienten im Internet zahlreiche Medizin-Portale, wie etwa den „Netdoktor“ und den „Symptome-Finder“ der Apotheken Umschau. Die Ärztekammer Hamburg sieht die Medizin-Angebote im Internet grundsätzlich kritisch. Fragwürdig wird es, wenn Portale den Benutzer zu einer Ferndiagnose leiten und den Gang zum Arzt ersetzen.
Diese Gefahr sieht auch Johannes Wimmer. Mit seinen kurzen Informationsvideos will er den Arztbesuch nicht ersetzen, sondern den Patienten auf die Sprechstunde besser vorbereiten. Denn laut dem jungen Arzt läuft in deutschen Praxen nicht alles rund: „Patienten stellen ihren Ärzten zum Beispiel viel zu selten Fragen“, sagt der 30-jährige Eppendorfer. Das ist laut Wimmer jedoch nötig, um die richtige Medizin oder Behandlung zu finden, die auch den Patienten zufrieden stellt.
„Jeder sollte sich bevor er zum Arzt geht fünf Minuten Zeit nehmen und Fragen aufschreiben die er an den Doktor hat“, rät er. Eine der Fragen an den Arzt könnte laut Wimmer sein: „Herr Doktor, würden Sie dieses Medikament auch Ihrer Mutter verschreiben?“
Der Vater von zwei Mädchen ist schon seit vielen Jahren auf der Suche nach der perfekten Medizin. Dafür studierte er in den USA, in China und arbeitete an der Medizinischen Universität in Wien. Überall nahm er Erfahrungen mit: „In China bin ich zum Tee-Fanatiker geworden. Man muss nicht ständig zu Pillen greifen, die verschiedenen Teesorten wirken sich auch auf das Wohlbefinden und den Körper aus.“
In New York lernte er Patienten kennen, die ihre Krankenakten kennen und mit ihren Ärzten intensiv diskutierten. Eine ganz neue Erfahrung für den jungen Arzt. Zurück in der Hansestadt dann die Ernüchterung: „Während der Facharztausbildung Radiologie behandelte ich 80 Patienten pro Tag. Das war einfach zu viel, für ein richtiges Gespräch mit Patienten war kaum Zeit“, sagt der Mediziner. Er brach die Ausbildung ab und konzentriert sich neben der Familie ganz auf seine Tätigkeit als Internet-Arzt mit dem Slogan „Für mich die beste Medizin“.
Bei Schmerzen oder kleineren Wehwehchen suchen viele Menschen ihr Heil im Internet. Doch Vorsicht – die Eigendiagnose am Computer ersetzt keinen Arzt. Der Gang zum Doktor kann Klarheit verschaffen, wenn Patient und Arzt sich richtig verstehen. Was Dr. Wimmer aus Eppendorf für einen seiner Meinung nach „perfekten Arztbesuch“ rät:

1. Ein Ziel setzen: Ob schnelle Hilfe, eine Rezept oder eine Krankschreibung, wer mit einem Ziel zum Arzt geht, dem kann unter Umständen schneller geholfen werden.
2. „Schutzengel“ mitnehmen: Eine Begleitung beim Arztbesuch hört mit und kann hilfreich bei dem Gespräch mit dem Doktor sein.
3. Auf Augenhöhe kommunizieren: Der Patient sollte während der Sprechstunde kritisch bleiben und nicht eingeschüchtert sein.
4: Die fünf W´s: Probleme mit den fünf W-Fragen erklären:
Wo ist das Problem? (mit dem Finger draufzeigen)
Wie fühlt es sich an? (kribbelnd, drückend, stechend, brennend)
Wann hat es angefangen? (tritt der Schmerz öfter auf?)
Was macht es besser? (Bewegung, kühlen, liegen)
Was macht es schlimmer?
5: Zwei Fragen, die jeder Patient seinem Arzt nach der Diagnose stellen sollte:
Kann es noch etwas anderes sein?
Welche Alternative zu der Behandlung (Medikamente) gibt es?
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1 Kommentar
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Laksman Cham aus Uhlenhorst | 21.03.2014 | 12:58  
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