Der Schätzesammler aus Eppendorf

Wann? 10.03.2017

Wo? Tarpenbekstraße 65, Tarpenbekstraße 65, 20251 Hamburg DE
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Fotograf Frank Nikisch liebt alte, schöne, außergewöhnliche Sachen – zum Anziehen und zum Sammeln Foto: Frank Nikisch
 
Der Fotograf malt auch selbst und hat kürzlich eine Künstlergruppe gegründet Foto: Frank Nikisch
Hamburg: Tarpenbekstraße 65 |

Ständiger Wandel ist für Frank Nikisch wichtig. Theaterfundus ist noch geplant

Von Miriam Flüß
Eppendorf
Draußen brandet der Verkehr über die Kreuzung Tarpenbekstraße und Lokstedter Weg, drinnen finden sich Besucher in einer anderen Welt wieder. Fotograf und Künstler Frank Nikisch hat sein Atelier an der Tarpenbekstraße 65, in dem er auch lebt, in einen märchenhaften Ort voller antiker Fundstücke wie alte Schränke, thronartig verzierte Stühle, historische Telefone, Schreibmaschinen, Grammophone und alte Truhen, die wie Schatzkisten anmuten, verwandelt. „Das hier ist eine Insel“, schwärmt der 57-Jährige. Auch viele alte Standuhren ticken hier. „Aber nur, weil sie schön aussehen“, lacht Nikisch. Von der Zeit will er sich nicht hetzen lassen. Mit dem langen dunklen Haar und dem Bart erinnert er an den Piraten Jack Sparrow, der von Johnny Depp in den „Fluch der Karibik“-Filmen verkörpert wurde. Ein Pirat, auf dessen Beuteliste allerdings keine materiellen Werte stehen: „Ich bin gern mit Menschen zusammen und mache sie glücklich. Fotografie ist wie Psychologie, sie gibt einem die Möglichkeit, sich zu erkennen.“ Frank Nikisch möchte einen Ort der Begegnung schaffen und lädt deshalb regelmäßig zu Musikabenden von Blues über Flamenco bis zu romantischen Liederabenden in den großen Saal mit dem Flügel ein.

Mehr als hundert Gitarren


In dem weitläufigen Keller darunter haben mehr als hundert Gitarren und ein Musikstudio ein Zuhause gefunden. Wie in einer Schatztruhe gibt es in dem traditionsreichen Gebäude hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken. Das 1902 erbaute Eckhaus beherbergte seit seiner Entstehung Lokalitäten. Bis 2001 residierte hier das Kabarett Mon Marthe mit Auftritten von Matthias Beltz, Hanns-Dieter Hüsch, Lilo Wanders, Mario Barth und vielen anderen. Auf der ehemaligen Kegelbahn – „Vorsicht, Stolpergefahr!“ – hat Frank Nikisch sein Mal-Atelier eingerichtet, wo sich auch seine neu gegründete Künstlergruppe trifft. Die Liebe zu Kunst und Musik wurden Nikisch, der vor mehr als 30 Jahren aus seinem Heimatort Hann. Münden bei Kassel nach Hamburg kam, in die Wiege gelegt. Sein Vater war Dekorateur und Maler, der Onkel Künstler. Musikalisch waren beide. „Schon als kleiner Jungen habe ich von einem Ort wie diesem geträumt. Von einem großen Saal mit roten Samtvorhängen, in dem Freunde und Verwandte mich besuchen, um Musik zu machen.“ Frank Nikisch begreift seinen Lebensraum als Gesamtkunstwerk, das ständig wächst und sich wandelt: „Die Decke kann ich günstig mit Palettenholz verkleiden. Dann wird aus der Erfurt-Raufasertapete ein Schloss!“, sagt er.

Fotostudio oder Schatztruhe?


Viele seiner Kunden fragen sich, ob der verwunschene Ort, an den sie mitten im urbanen Eppendorf geraten sind, überhaupt ein Fotostudio ist. Erneut entpuppt sich der Raum als Schatztruhe: Hinter weißen Gardinen verbergen sich starke Blitzanlagen, der antike Schrank von 1858 beherbergt modernste Technik. Fürs Business-Foto wird der orientalische Teppich auf dem Parkett zur Seite geschoben und eine neutrale weiße Gardine herunter gelassen. Nikisch liebt es aber besonders, Menschen in seinen vielen Kulissen in verschiedene Rollen schlüpfen zu lassen. Deshalb soll in einem weiteren Raum seines weitläufigen Kellers auch ein Theater-Fundus mit unterschiedlichsten Kostümen entstehen.

Musikabende


Die Termine der Musikabende sind zu finden auf der Homepage von Frank Nikisch unter www.franknikisch.de. Am 10. März um 20 Uhr präsentiert das Duo Javanaise ein Programm aus französischen Chansons und Jazz mit Liedern von Edith Piaf, Charles Aznavour, Charles Trenet und Boris Vian, interpretiert von Erwan Tacher und Timothée Urbain am Klavier.
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