Dicke Luft in Schusterei

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Eine Werkstatt fast wie zu Großvaters Zeiten: Schuhmacher-Meister Carl-Heinz Schwartau (68) betreibt seinen Traditionsbetrieb schon seit 45 Jahren am PoelchaukampFotos: Barth
 
Letzter Schuster am Poelchaukamp

Sorge im Quartier: Muss Carl-Heinz Schwartaus Laden schließen?

Von Daniela Barth
Winterhude. Steht der alteingesessene Handwerksbetrieb des Schuhmachermeisters Carl-Heinz Schwartau am Poelchaukamp 17 vor dem Aus? Fakt ist: Das Umweltamt sitzt dem 68-jährigen Schuster im Nacken; er fürchtet, seinen Laden schließen zu müssen. Im Quartier regt sich
Widerstand: In vielen Geschäften am Poelchau- und Mühlenkamp liegen Unterschriften-Listen aus. Uhrmacher Tobias Klünder ist seit zwölf Jahren Schwartaus Nachbar. „Ich finde es wichtig und gut, dass sich Kunden wie Geschäftsleute mit ihm solidarisch erklären“, sagt er. Ähnlich reagiert Boutique-Besitzerin
Beate de Luca: „Ich finde das ganz traurig, dass hier nach und nach alle kleinen Handwerksbetriebe und Geschäfte verschwinden!“ Carl-Heinz Schwartau sei außerdem der einzige Schuster weit und breit. Auch Eleonora Kofler, die im Bistro „Mancia e Bevi“ arbeitet fürchtet, dass mit Wegfall des Schusters das Ambiente des Quartiers leide: „Seit 45 Jahren prägt Herr Schwartau den Poelchaukamp, er gehört hier einfach her.“ Bernd Kroll von der Bürgerinitiative für den Mühlenkamp wandte sich sogar mit einem Brief direkt an den Bezirksamtsleiter Harald Rösler.
Carl-Heinz Schwartau ist von der Solidarität seiner Kunden und Nachbarn überwältigt. Dass so viele Menschen Anteil an seinem Schicksal nehmen, hätte er „niemals vermutet“, so sein Kommentar. Für den 68-Jährigen wäre die Schließung seines Betriebes existenzbedrohend: „Ich muss noch sieben Jahre arbeiten“, hat er sich ausgerechnet. Denn von seiner Rente in Höhe von etwa 560 Euro könne er nie und nimmer die Unterbringung seines behinderten Sohnes im Betreuten Wohnen bezahlen, begründet Schwartau. Bereits 1998 hatte das Umweltamt wegen zu hoher Klebstoffemissionen die Auflage erteilt, Spezialtapete und eine Abzugsanlage zu installieren. „Das habe ich alles gemacht“, betont der Schuster, der die ganze Aufregung jetzt überhaupt nicht versteht.
Unterstützung erhält der Schuhmacher-Meister auch von der Politik. Der CDU-Bezirksabgeordnete Dr. Jens Wolf, wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion, wollte in einer Kleinen Anfrage an das Bezirksamt wissen, wann, unter welchen Begleitumständen und mit welchem Ergebnis die Luftmessungen vorgenommen wurden und ob tatsächlich eine Schließung drohe. „Die alteingesessenen Handwerksbetriebe in der Gegend kämpfen seit Jahren gegen ihre Vertreibung. Mieterhöhungen sind an der Tagesordnung. So auch bei Carl-Heinz Schwartau. Er wollte aber trotzdem nicht weichen. Nun bereitet das Amt seinem Betrieb vielleicht das Ende“, befürchtet der Politiker.
Bezirksamtsleiter Harald Rösler bestreitet das auf WochenBlatt-Nachfrage: „Herr Schwartau muss nicht schließen. Das Umweltamt erteilt ihm lediglich die Auflage, die Belüftungsanlage konsequent in Betrieb zu halten.“ Es habe Beschwerden gegeben, dass er die Anlage manchmal ausschalte. Wie es zu so einem Missverständnis kommen konnte, kann sich Rösler nicht erklären. Womöglich sei das Schreiben des Umweltamtes nicht in „liebevoller Prosa formuliert gewesen“.
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