Die Gärten der Götter

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Eine indische Miniaturmalerei aus dem 18. Jahrhundert: Konzert in Gartenlandschaft. Foto: Museum für Völkerkunde

Ausstellung: Miniaturbilder aus Indien

Rotherbaum. Gärten sind so schön, fanden sowohl Muslime als auch Hindus bereits in alten Zeiten, dass man sie sich in Indien in beiden Religionen als Aufenthaltsort der Götter vorstellte. Für die Muslime waren die idyllischen Orte aus Blumen und Bäumen sogar so faszinierend, dass sie einen Vorgeschmack des Paradieses darstellten. Die Hindus, die kein Paradies kennen, empfanden sie als Heimat ihrer Götter auf Erden. Dementsprechend wurden Gärten, Blumen und Bäume von indischen Künstlern mit großer Präzision als Miniaturen gemalt - als Auftragsarbeiten an den Höfen von Kaisern und Fürsten.
130 dieser Miniaturmalereien aus sechs Jahrhunderten sind jetzt in der neuen Sonderausstellung „Blumen - Bäume - Göttergärten“ im Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, zu sehen. In kleinen Kabinetten mit indisch gestalteter Eingangsform kann man sich im Halbdunkeln intensiv mit den farbenprächtigen Gemälden beschäftigen. Sie zeigen nicht nur Blumen und Bäume, sondern auch die Götter in den Gärten, beim Musizieren und mit Geliebten, und hochgestellte Personen des indischen Lebens. Die Bilder stammen aus der umfangreichen Sammlung des Koblenzer Mediziners Professor Dr. Ludwig V. Habighorst, der 1976 begann, die indischen Miniaturen zu sammeln. Auf Auktionen und vor Ort von indischen Malerfamilien hat er sie erworben. Heute kaum mehr möglich, da die alte indische Malkunst wieder populär geworden ist. Museen in den arabischen Golfstaaten zahlen inzwischen jeden Preis für die wertvoll gewordenen Bilder. Der Niedergang der indischen Fürstenhöfe unter der britischen Kolonialherrschaft und das Aufkommen der Fotografie hatten die Miniaturenmalerei im 19. Jahrhundert zum Erliegen gebracht. Mit der neuen Ausstellung wird im Völkerkundemuseum ein Indienjahr eingeläutet. Der südasiatische Subkontinent steht in den nächsten Monaten im Mittelpunkt in dem Museum an der Rothenbaumchaussee.
Speziell zur neuen Ausstellung „Blumen – Bäume – Göttergärten“ wird einiges geboten. Vom 26. Mai bis 3. Juni wird der indische Maler Vijay Shamar die alten Techniken der Miniaturmalerei demonstrieren. Ab 5. Mai bietet Tänzerin Gudrun Märtins außerdem an sechs Terminen bis Mitte September tänzerische Führungen durch die Ausstellung an. (ch)
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