Die Straße Alsterufer wird Fahrradstraße

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Fahrradstraße Alsterufer: so wird sie aussehen Abbildung: Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation
 
Anwohner Jürgen Vieth ist für die Fahrradstraße Foto: ch

Umbauarbeiten rund um die Hamburger Außenalster starten 2017

Von Christian Hanke
Rotherbaum
Die Planung für den nächsten Abschnitt der Fahrradachsen rund um die Außenalster liegt vor. Im nächsten Jahr, sobald das amerikanische Generalkonsulat vom Alsterufer in die HafenCity umgezogen ist, wird die Straße Alsterufer zur Fahrradstraße umgebaut. Auch wenn die Sperranlagen vor dem Konsulat abgebaut werden, wird die Sperrung der Straße bleiben. Sonst, so Heinke Wiemer, im Landesbetrieb Brücken, Straßen, Gewässer für den Radverkehr zuständig, könne die Straße Alsterufer nicht in eine Fahrradstraße umgebaut werden. „Es würden mehr Autos als Fahrräder durch die Straße fahren. Das wäre keine Fahrradstraße“, sagte sie kürzlich im Kerngebietsausschuss Eimsbüttel.
Dort wurden kürzlich die Pläne für den Umbau des Alsterufers vor den Regionalpolitikern und in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Die Durchfahrtssperre für den Autoverkehr wird kurz hinter dem Ende der Nebenfahrbahn vor dem derzeitigen US-Konsulat eingebaut. Nur Radler kommen durch. Autos aus Richtung Alte Rabenstraße können über die Nebenfahrbahn bequem wenden, indem sie in diese ein- und über die Hauptfahrbahn zurückfahren. Der Abschnitt zwischen Kennedybrücke und Durchfahrtsperre wird zur Sackgasse, in der nur Anlieger zugelassen werden. Parkplätze sind nur noch auf der westlichen Seite der Straße Alsterufer vorgesehen, damit der Blick auf die Außenalster frei bleibt. Von den 255 Parkplätzen der gesamten Straße werden 59 wegfallen. Während die Grünen im Bezirk Eimsbüttel die Planung Alsterufer voll und ganz bejahen, kamen von der SPD einige skeptische Anmerkungen. CDU und FDP lehnen die Planung ab und sagten große Empörung in der Bevölkerung voraus.

„Halbes Jahr testen“


Den Linken geht die Planung nicht weit genug. Als „Schildbürgerstreich“ bezeichnete Robert Nikolaus Hille (CDU) die neue Planung, der befürchtet, dass „das Chaos im Mittelweg“ potenziert würde. „Sie haben die Bürger nicht auf Ihrer Seite“, vermutete der CDU-Abgeordnete. Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhard Müller-Sönksen schlug vor, das Alsterufer testweise ein halbes Jahr für den Durchgangsverkehr zu öffnen und erst dann nach dem Ergebnis zu entscheiden. Peter Gutzeit von den Linken fordert eine Fahrradstraße ohne Autoverkehr und glaubt nicht, „dass Bürger so an der Durchfahrt am Alsterufer hängen.“ Sein Urteil: „Das Privileg für Fußgänger und Radfahrer ist angebracht.“ Auf der öffentlichen Veranstaltung gab es viel Zuspruch für die Planung und nur wenige kritische Stimmen. „Ich bin für die Fahrradstraße“, sagte Anwohner Jürgen Vieth: „Dadurch entzerren sich die Verkehre zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern.“ Ole Burmeister findet, dass noch mehr Parkplätze abgebaut werden sollten. Nur Längsparkplätze würde er lassen: „Das ist besser für die Grünflächen.“ Ellen Schuttrich (CDU) sieht Probleme für die ältere Bevölkerung, ans Alsterufer zu gelangen. „Es gibt zu wenige Parkplätze und keinen öffentlichen Nahverkehr in Alsternähe. Die älteren Menschen werden ausgeschlossen“, merkte sie an. Doch die Fahrradstraße Alsterufer ist beschlossene Sache. Zahlen über die Nutzung der Fahrradstraße Harvestehuder Weg geben den Planern Recht. 2016 nutzten bisher 74 Prozent der Radfahrer die Fahrradstraße und 19 Prozent den unverändert vorhandenen Radweg, der vor allem wegen des nahen Wilhelm-Gymnasiums bleiben wird. 2015 war das Verhältnis umgekehrt: nur 35 Prozent nutzten die Fahrradstraße und 55 Prozent den Radweg. Der Umbau der Straße Alsterufer wird rund zwei Millionen Euro kosten. Davon fallen 60 Prozent auf die Sanierung der Straße und 40 Prozent auf den Umbau zur Fahrradstraße.

Der Rad-Reporter:


Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der neue Rad-Reporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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