Diskussion um Kahlschlag auf dem Alsterdorfer Gleisdreieck

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Verabschiedung des Bebauungsplan steht fest: Letzte Anhörung zum Busbetriebshof auf dem Gleisdreieck im Regionalausschuss Foto: Haas
 
Am 3. Februar trafen sich hier Kleingärtner zu einer Protestaktion gegen die bevorstehenden Abholzungen Foto: Haas

Rund 70 Anwohner bei Anhörung zum Busbetriebshof-Bau

Alsterdorf Noch im Februar sollen 2.800 Bäume auf dem Alsterdorfer Gleisdreieck fallen: für den Bau eines Busbetriebshofs der Hochbahn, sobald der Bebauungsplan verabschiedet wird. Das sieht die Tagesordnung der Bezirksversammlung Nord am Donnerstag, 11. Februar, vor. Dennoch nahm Punkt 5.1 der Tagesordnung im letzten Regionalausschuss über zwei Stunden in Anspruch: Mit rund 70 Gästen war die letzte öffentliche Anhörung zum Busbetriebshof im Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel gut besucht. Trotz berechtigter Zweifel an der Ergebnisoffenheit brachten sie ihre Sorgen, Bedenken und Gegenargumente ausführlich zu Gehör, nachdem Vertreter der Hochbahn ebenso ausführlich die Notwendigkeit dieses Standorts begründet hatten. Trotz oft hitziger Wortgefechte sorgte der Vorsitzende des Regionalauschusses Jörg Lewin (SPD) durch seine umsichtige und bisweilen humorvolle Moderation für ein sachliches Klima. Der Ausschuss tagte im großen Sitzungssaal des Bezirksamtes an der Robert-Koch-Straße. Obwohl Bezirksabgeordneter Kai Debus (CDU) eine Location vor Ort beantragt hatte, um möglichst viele betroffene Anwohner zu beteiligen. „Mit der Verlegung der Anhörung nach Eppendorf wollen SPD, Grüne und die Verwaltung eine noch größere Resonanz vermeiden“, monierte Debus, der selbst sachlich fundiert gegen den Bau des Busbetriebshof argumentierte. Doch ausgerechnet aus den Reihen von Rot-Grün sei die Planung von vornherein abgenickt worden, so Debus weiter.
Die Baupläne bewegten nicht nur die Gemüter der Anwohner von Rübenkamp und Langenbeckshöh. Zahlreiche Einwände kamen auch aus den von Wohnungsbauprojekten betroffenen Kleingarten-Initiativen „Eden für Jeden“ in der City Nord und „Dieselstraßenland“ aus Barmbek sowie von der Initiative naturnahe Stadt. Der Busbetriebshof sei für 327 Linienbusse überdimensioniert, hieß es. Zudem stehe die „Technologie der Zukunft“ noch nicht einmal fest: Unklar bleibe, ob die emissionsarmen Busse aus Wasserstofftanks auf dem Gelände betrieben würden oder ob die Wasserstoffproduktion vor Ort erfolge. Auch Fehler in der Berechnung der Lärmschutzwand entlang der Langenbeckshöh wurden moniert. Die Wahl des Standorts sei zudem ein Widerspruch in sich, wenn für den Einsatz emissionsarmer Busse ein stadtklimatisch relevantes Waldgebiet mit über 2.800 Bäumen geopfert würde. Dr. Uwe Puttfarcken, Sprecher von „Eden für Jeden“, verdeutlichte am Klimagutachten 2050 für Hamburg ökologische und klimatische Auswirkungen des Kahlschlags. Eine Karte der Initiative „Dieselstraßenland“ veranschaulichte dazu das Ausmaß aktueller Grünflächenverluste durch sämtliche Bauvorhaben in der näheren Umgebung.

„Ungereimtheiten“


Ein konstruktiver, wenn auch chancenloser Vorschlag kam von einem Mitglied des Regionalausschusses: Rachid Messaoudi (Linke) betonte, dass es anstelle des bewaldeten Gleisdreieckes durchaus eine alternative Fläche in Steilshoop für den Betriebshof gäbe, für die kein Baum gefällt werden müsse. Sie ermögliche ebenso kurze Wege zum Einsatz der Busse. Höhere Kosten für diesen Standort wären schnell kompensiert durch den „Gewinn für Mensch und Natur“. „Die bestehende Planung des Busbetriebshofs weist gravierende Ungereimtheiten und Mängel auf“, bilanzierte Benny Rimmler von der Initiative Dieselstraßenland die Anhörung. Befürworter ebenso wie die Vertreter der Hochbahn hätten vielen begründeten Einwänden „fachlich wenig oder gar nichts“ zu entgegnen. Die Naturschutzverbände BUND und Nabu, ansonsten engagiert für ein besseres Stadtklima, waren allerdings am Montag nicht vor Ort. Dass Bürgerbeteiligung bei Bebauungsplanverfahren zur bloßen Formalie verkomme, kritisierte eine Plangegnerin: Stichhaltige Einwände nicht ernst zu nehmen führe dazu, dass die Bürger sich immer weniger durch die Politik vertreten sähen. (wh)

Protest in der Mittagspause
Die Eingänge zum Gartenbauverein „Heimat“ sind schon abgesperrt, nur noch Baufahrzeuge können die Einfahrt an der Hebebrandstraße passieren, sie werden zur Erschließung einer Baustraße eingesetzt. Am 3. Februar trafen sich hier Kleingärtner zu einer Protestaktion gegen die bevorstehenden Abholzungen: Wie berichtet, muss jetzt ein Teil der Gartenfläche dem Wohnbauprojekt Pergolenviertel weichen. Zudem sollen rund 2.800 Bäume noch im Februar auf dem nahen Gleisdreieck gefällt werden. „Seltsam war die Ablehnung unseres Vorschlags, das Gleisdreieck als Ausweichfläche für unsere Kleingärten zu nutzen.“ erinnert sich Günter Fabel noch an eine Ungereimtheit bei der Bürgerbeteiligung vor Jahren. „Damals hieß es, Gründe des Naturschutzes sprächen dagegen.“ Vertreter von „Eden für Jeden“, „Dieselstraßenland“ und von der Initiative naturnahe Stadt hatten schon bei der Anhörung im Bezirksamt am vergangenen Montag ihre Einwände zum Busbetriebshof auf dem Gleisdreiek vorgetragen. „Die aktuellen Schadstoffprognosen liegen schon jetzt nur knapp unter dem Grenzwert.“ erklärt Dr. Uwe Puttfarcken, Sprecher von „Eden für Jeden“. Die Gutachten würden dabei den bevorstehenden Grünflächenverlust jedoch nicht berücksichtigen. Sowohl die Kleingärten als auch der Wald im Gleisdreieck hätten eine wichtige Funktion fürs Stadtklima: als grüne Achse vom Ohlsdorfer Friedhof bis zum Stadtpark, so Puttfarcken weiter. „Deswegen sind wir mit Klimaexperten und Umweltschützern vehement gegen die geplanten Abholzungen, die nun offenbar im Eiltempo durchgeführt werden sollen.“ sagte Benny Rimmler von „Dieselstraßenland“. Insgesamt seien im Bezirk Nord rund 6000 Bäume bedroht.
Hier präsentierten sie sich als Aktionsbündnis und gaben Interviews vor laufender Kamera. Ein Film-Team des ZDF dokumentierte den Protest für eine Reportage. (wh)
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