Edmund-Siemers-Allee: Radler auf die Straße

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Siemers-Allee Richtung Bundesstraße: Stau ist hier an der Tagesordnung Foto: Timm
 
Der Rad-Reporter Marco Dittmer Foto: wb

Hamburgs Verkehrsführung an der Uni ist katastrophal. Autos behalten sechs Spuren

Von Frank Berno Timm
Rotherbaum
Die Edmund-Siemers-Allee am Unicampus ist längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Mindestens 25 Prozent Lastkraftwagen (Lkw) sind hier unterwegs, Radfahrer jagen mit überhöhter Geschwindigkeit auf einem Zweirichtungsradweg entlang und der Lärm wird durch die Verbindungsachse nach Altona noch auf die Spitze getrieben. Anders kann man den Eindruck nicht zusammenfassen, wenn man sich hier als Fußgänger aufhält. Auf der Edmund-Siemers-Allee ist mächtig Verkehr. Stadtauswärts führen zwei Spuren, in der Mitte eine doppelte Busspur, drei Spuren hat der stadteinwärts fahrende Autoverkehr zur Verfügung. Fußgänger leben auf der Uniseite gefährlich: Hier ist lebhaftes Fahrradaufkommen in zwei Richtungen, Radler sind nicht selten in hoher Geschwindigkeit unterwegs und klingeln eifrig. An der Fußgängerampel, die zum oberen Ende des Bahnhofs Dammtor führt, stehen immer viele Menschen: Wenn die Ampel auf Rot für die Autofahrer springt, laufen die Spuren bis zum Abzweig Bundesstraße gern nahezu voll. Auch die Kreuzung mit der Rothenbaumchaussee ist üppig. Drei Spuren führen stadtein-, eine stadtauswärts. Auf der anderen Seite der Siemersallee ist der Fußweg mit einer Fahrradsperre blockiert – nicht alle Radler kümmert das. Geht man hier lang, kommt der Lärm von der Bahn – S-Bahnen und Fernzüge – von links und drei Spuren Autoverkehr von rechts. Mindestens 25 Prozent der Autos sind – oft schwere – Lkw. Auch der ÖPNV ist an der Kapazitätsgrenze angekommen: Die Metrobusse der Linien 4 und 5 eilen oft „im Rudel“ (also schon mal drei auf einmal) vorbei – und das schon vor der für Ende Oktober angekündigten Steigerung des Verkehrs. Dirk Lau, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) findet, die Verkehrsführung an der Edmund Siemers-Allee sei „schon seit Jahren eine Katastrophe, ohne dass zu erkennen ist, ob die Stadt dort aktiv werden will“. Auch Lau findet den Zweirichtungsradweg auf der Uniseite „gefährlich und unkomfortabel“. Dies sei „Fahrradstadt made in Hamburg“ – Autos hätten sechs Spuren, nichtmotorisierter Verkehr werde auf schmalem Raum an den Rand gedrängt. Auf jeder Seite dem Radverkehr eine Spur zu geben fände er angemessen.

Zehntausende Fahrzeuge


Doch die vielen Autos werden sich nicht in Luft auflösen. Richard Lemloh von der Verkehrsbehörde nennt auf Anfrage Zahlen: An der Verbindungsbahn – Bundesstraße (Rentzelstraße bis Grindelallee) fahren nach seinen Angaben rund 33.000 bis 40.000 Fahrzeuge in 24 Stunden. Auf der Edmund-Siemers-Allee (Grindelallee bis Theodor-Heuss-Platz) sind es rund 55.000 bis 60.000 Autos im gleichen Zeitraum. Der Schwerverkehr (Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gewicht) hat laut Lemloh einen Anteil von fünf bis sechs Prozent. Das würde bedeuten, dass in der Siemers-Allee wenigstens 2.500 Lkws pro 24 Stunden fahren und an der Verbindungsbahn 1.650 – das sind hohe Zahlen. Laut Lemloh werden die Radverkehrsanlagen von der Kreuzung Rentzelstraße/An der Verbindungsbahn bis zum Theodor-Heuß-Platz überplant. Es sei vorgesehen, den Fußweg auf der Bahnseite aufzuheben und den Radfahrweg von der Grindelallee bis Theodor-Heuß-Platz zu verlängern. Der Zweirichtungsradweg an der Uni soll aufgehoben und zu einem einfachen Radweg werden. Baubeginn: ab August 2017.

Der Rad-Reporter:


Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der neue Radreporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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4 Kommentare
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Christine Stecker aus Eppendorf | 09.11.2016 | 12:03  
6
Tobias Findeisen aus St. Georg | 15.11.2016 | 12:59  
33
Timo Baumann aus Winterhude | 15.11.2016 | 16:29  
26
Horst Holl aus Winterhude | 16.11.2016 | 15:45  
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