„Ehrenamtler helfen, das Haus am Leben zu halten“

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Ehrenamtliche Arbeit im Ronald McDonald Haus ist vielseitig: Peter Timm betätigt sich vor allem handwerklich. Luise Kluge (l.) hilft Leiterin Carolin Cords beim Einkaufen und Zubereiten von Speisen Foto: Hanke
Hamburg. Peter Timm betätigt sich gern handwerklich, bohrt Löcher in die Wand, wechselt Glühbirnen. Seine Frau Luise Kluge wirbelt in der Küche. Ihr Arbeitsplatz ist das Ronald McDonald Haus an der Robert-Koch-Straße, eine Einrichtung für Eltern von schwerkranken Kindern, die im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt werden. Das Ehepaar wird für seine Arbeit nicht bezahlt. Luise Kluge und Peter Timm, beide verrentet, sind zwei von 52 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Die Ehrenamtlichen helfen, dieses Haus am Leben zu halten“, erzählt Carolin Cords, die Leiterin des Ronald McDonald Hauses. Sie helfen nicht nur in praktischen Dingen, sie sprechen auch mit den Gästen des Hauses, die mit den schweren Erkrankungen ihrer Kinder leben müssen. Ganz zwanglos, wie es sich gerade ergibt. Man spricht über die Lebenssituationen, auch über die Krankheiten der Kinder, über ganz allgemeine Themen. „Ich komme über meine Arbeit mit den Vätern ins Gespräch“, erzählt Uwe Timm, der eine Art Hausmeister im Ronald McDonald Haus geworden ist. Die Männer unterhalten sich über das, was Peter Timm gerade macht. Fußball ist auch immer ein gutes Thema. Peter Timm ist bei den Vätern sehr gefragt, denn nur fünf der 52 Ehrenamtlichen sind männlich. „Es ist schon schön, dass auch Männer ehrenamtlich mitarbeiten“, freut sich Carolin Cords. Es könnten gern mehr sein. „Man muss Fingerspitzengefühl gegenüber den Gästen entwickeln, ob sie reden wollen oder nicht. Über manche Themen wie Urlaub, Kino oder allgemein Freizeit darf man nicht sprechen. Das haben diese Eltern ja kaum“, erzählt Luise Kluge. Und man muss sie trösten, wenn ihre Kind einen Rückschlag erlitten hat oder gestorben ist.

Ohne Freiwillige ginge vieles nicht

„Dann brennt eine Kerze im Eingang. Wenn ich das Kind kannte, geht es mir furchtbar nahe“, berichtet Peter Timm. Schon mehr als einmal hat er das erlebt.
Drei Stunden in der Wochen arbeiten die Ehreamtlichen im Ronald McDonald Haus. Luise Kluge und Peter Timm sind immer zur selben Zeit in der Robert-Koch-Straße. Zusätzlich zu ihren Diensten bereiten sie am Donnerstag das „Genussabendessen“ zu. Je einmal in der Woche werden die Eltern der kranken Kinder vom Haus zum Abendessen und zu einem „Verwöhnfrühstück“ eingeladen. Diese besonderen Ereignisse und Aktivitäten für die Gäste wie auch das Sommerfest oder die Dekoration zum Advent übernehmen ehrenamtliche Mitarbeiter.
Aber sie kaufen auch ein, waschen für die Gäste, übernehmen sogar die Einweisung neuer und die Verabschiedung der abreisenden Bewohner, wenn Carolin Cords und ihre Stellvertreterin nicht im Hause sind. Im Eppendorfer Ronald McDonald Haus arbeiten nur drei hauptberufliche Mitarbeiter, neben Carolin Cords, der einzigen Vollzeitkraft, ihre Stellvertreterin, die auch für die Ehrenamtlichen zuständig ist, und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin. Wer Lust hat, im Team der Ehrenamtlichen mitzuarbeiten, lernt das Haus zunächst in einer Schnupperphase kennen. Wenn Leitung und Anwärter sich auf eine Zusammenarbeit einigen, werden die künftigen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drei Monate lang in nahezu alle Belange des Hauses eingewiesen, auch in die Sicherheitstechnik.

Helfer jeden Alters

„Wir bemühen uns um eine langfristige Zusammenarbeit“, erzählt Carolin Cords. Die Älteste ist schon seit der Gründung des Hauses 1997 dabei. Sie ist 79 Jahre alt. Die meisten sind zwischen Anfang 50 und Mitte 70. Aber es gibt auch jüngere, unter 40-Jährige. „Die bestreiten meistens die Abenddienste nach ihrem Beruf“, berichtet Carolin Cords. Sogar Schülerinnen haben schon ehrenamtlich im Ronald McDonald Haus gearbeitet.
Luise Kluge kam über die Freiwilligenbörse der Handelskammer noch während der Berufszeit ins Ronald McDonald Haus. „Ich wollte ehrenamtliche Arbeit leisten“, erzählt die frühere Lehrerin der Ida Ehre Stadtteilschule. Weil damals niemand mit handwerklichem Geschick im Ronald McDonald Haus arbeitete, fragte Luise Kluge immer wieder ihren Mann, ob er mal dies oder jenes auf diesem Gebiet erledigen könne. Peter Timm kam, hämmerte und bohrte und machte das schließlich regelmäßig. Erst neben seinem Job bei der Lufthansa, nun wie seine Frau als Ruheständler. (ch)
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