Ein Ashram in Eppendorf

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Satya Singh (67) Foto: Nina Stiller

Simran Kaur und Satya Singh brachten Kundalini-Yoga-Kultur nach Hamburg

Eppendorf „Guckt mal, die haben beide dieselbe Kopfverletzung! So etwas haben wir auch schon mal gehört, als wir am Bahnhof an einer Reisegruppe vorbei gingen“, erzählt Simran Kaur und lacht herzlich bei der Erinnerung. Die gebürtige Kolumbianerin und ihr Mann Satya Singh tragen Turban und kleiden sich weiß.
Sie haben sich in den 1970er Jahren der Religion der Sikhs angeschlossen und gründeten in der Isestraße einen Ashram. Seit 1994 leiten sie das Yogazentrum an der Breitenfelder Straße. Für die Nachbarn ist der Turban nichts Besonderes: „Die Eppendorfer sind seit Mitte der 1980er Jahre erheblich toleranter geworden, es ist sehr schön, hier zu leben“, findet Satya Singh (67). Neugierig waren die Nachbarn, als Ende der 1970er Jahre Sikhs und Hippies einen Ashram an der Isestraße 127 gründeten, in einem hochherrschaftlichen Altbau an der „schönen Isestraße“, wie Simran Kaur betont. Für eine günstige Miete lebten dreizehn Menschen in Souterrain, Erdgeschoss und erstem Stock und unterrichteten Kundalini-Yoga, ein Yoga-Stil, der dynamische und meditative Elemente sowie kräftigende und entspannende Übungen miteinander verbindet. „In dem kleinen Zimmer waren manchmal 20 bis 30 Schüler. Man hat irgendwie angefangen zu unterrichten. Es waren auch schräge Gestalten dabei, aber alles wurde mit Liebe gemacht“, erinnert sich Satya Singh mit holländischem Akzent, der an seinen Geburtsort Haarlem in den Niederlanden erinnert. „Von den Nachbarn gab es manchmal Beschwerden, weil wir um vier Uhr morgens angefangen haben, zu singen“, ergänzt Simran Kaur lachend. Der Ashram mit den Hippies begründete die Hochburg für Kundalini-Yoga in Hamburg mit dem Verein 3HO. „Hamburg ist sogar die Kundalini-Yoga-Hauptstadt der Welt. Rund 1.500 Lehrer wurden in den letzten 30 Jahren hier ausgebildet, und es werden immer mehr“, erzählt Satya Singh. „Löwe“ bedeutet sein Nachname übersetzt, der seiner Frau Simran Kaur „Prinzessin“. Als Zeichen der Gleichberechtigung und Gleichheit aller Menschen tragen alle Sikhs je nach Geschlecht den Nachnamen Singh oder Kaur. „Der Turban symbolisiert diese Zugehörigkeit und hält meinen Kopf zusammen“, erläutert Simran Kaur. Auch als sie in den 1970er Jahren in Hamburg ihr Referendariat an der Schule absolvierte, konnte sie ihre Kopfbedeckung tragen. „Das ginge heute nicht mehr“, glaubt sie. Nach einer Phase des Misstrauens nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center im September 2001 „wird es aber immer einfacher, Turban zu tragen. Einen Break gab es nach der Fußball-WM in Deutschland. Seitdem herrscht ein anderes Ambiente, es ist viel offener, freundlicher und lockerer.“

Wer neugierig geworden ist: Die Kurse von Satya Singh und Simran Kaur im Yogazentrum in der Breitenfelder Straße sind auch für Anfänger gut geeignet, Informationen unter www.yogahoheluft.de
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