Ein filmreifes Gebäude

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Vor 40 Jahren zogen Studenten in das Wohnhaus an der Haynstraße. Einige von ihnen wohnen noch heute hier Foto: flü

Drehort und Wohnungsmanifest: das bekannteste Haus an der Haynstraße

Von Miriam Flüß
Eppendorf
Dass die Bewohner des prächtigen Hauses, das sich über die Haynstraße 1 -3 und die Hegestraße 41 erstreckt in einer Art Eppendorfer Mythos leben, wird ihnen mindestens einmal im Jahr am „Tag des offenen Denkmals“ bewusst. „Dann drängeln sich hier die Besucher“, sagt Dr. Reinhard Barth. Der Historiker, Redakteur, Lektor und Sachbuchautor ist Hausbewohner der ersten Stunde und mit 71 Jahren mittlerweile der älteste in dem vierstöckigen Gebäude.
Zahlreiche Fernsehzuschauer weit über Hamburgs Grenzen hinaus dürfen regelmäßig einen Blick hinter die Fassade mit dem berühmten Dinosaurier im Vorgarten werfen: Das Haus ist eine beliebte Filmlocation, hier standen schon Monica Bleibtreu, Iris Berben oder Veronica Ferres vor der Kamera. Ein „Tatort“ mit dem bezeichnenden Titel „Mietsache“ wurde hier ebenso gedreht wie zahlreiche Dokumentationen über die realen Menschen, die hier leben. Vom Kleinkind bis zum Senior sind hier alle Altersgruppen und ein Querschnitt durch die Berufe vom Arzt über Architekten, Gastwirte, Juristen oder Künstler zu finden. Miteinander verbunden sind sie durch einen ungewöhnlichen Mietvertrag. Der hat seine Wurzeln im Jahr 1969, als die Hamburger Baufirma und Grundstücksverwaltung IHA Hausbau den Prachtbau abreißen wollte. Doch nicht alle Mieter akzeptierten ihre Kündigung. „Die Baufirma hat sich dann an den ASTA der Hamburger Uni gewendet und dort die leer stehenden Wohnungen angeboten. Die suchten mobile Restnutzer mit Mietverträgen zweiter Klasse“, erinnert sich Reinhard Barth, „aber das Konzept haben wir verdorben!“ Zwischen 1970 und 1973 zogen die Studenten ein.

Eine große WG


Das Haus, das 1910 erbaut wurde verfügte ursprünglich über zehn Wohnungen mit acht bis zehn Zimmern. 1935/36 wurde es umgebaut und umfasst seither 21 Wohnungen mit zwei bis viereinhalb Zimmern. In den frühen 1970er Jahren lebten 14 studentische Wohngemeinschaften im ehemaligen Prachtbau und die beabsichtigten, zu bleiben: „Wir waren von Anfang an legal in dem Haus mit Mietverträgen einer Baugesellschaft. Am Ende zahlreicher Demonstrationen und Aktionen der Bewohner stand 1975 ein Mietvertrag, der bis heute gilt, eine quasi Groß-Wohngemeinschaft entstand. Auf Hausversammlungen entscheidet die Mietergemeinschaft basisdemokratisch über ihre Angelegenheiten – dazu gehören auch Entscheidungen über neue Mieter oder die Gestaltung von Schaukästen und Transparenten. Die Wohneinheit, die als geschäftsleitender Ausschuss fungiert, wechselt monatlich. Aus den Anfangsjahren sind neben Barth noch sieben Erstbewohner übrig. „Die politische Verpflichtung ist bis heute für uns konstituierend. Wir behalten die Belange des Stadtteils im Auge. Deshalb haben wir auch in der Hegestraße 46 eingegriffen – den Mietern dort ging es ja wie uns vor 40 Jahren.“ Im Februar 2009 wurde das einst vom Abriss bedrohte Haus in die Denkmalliste eingetragen.
Mehr Infos in dem Buch: „Haynstraße bleibt! Die hundertjährige Geschichte eines Mietshauses“, 2010, herausgegeben von der Mietergemeinschaft Haynstraße / Hegestraße, Preis: 5 Euro, Reinhard Barth, Haynstraße 1, www.hayn-hegestr.de
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