Ein Indianer an der Hamburger Alster

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Bildhauer David Seven Deers, Indianer aus Kanada, pflegt einen intensiven Kontakt mit dem Museum für Völkerkunde Foto: Völkerkundemuseum, Hanke

Bildhauer David Seven Deers ist Co-Kurator im Museum für Völkerkunde

Von Christian Hanke
Rotherbaum
Er ist ein Pendler zwischen Kulturwelten, der sich vor allem seiner eigenen verpflichtet fühlt: David Seven Deers (58), indianischer Bildhauer vom Stamm der Coast Salish Skwah Stóho Halkomelem im kanadischen Bundesstaat British Columbia. Dort hat er sich neben seiner Kunst der Bewahrung der Kultur seiner Vorfahren verschrieben, er unterrichtet dort in seiner Stammessprache. Seit vielen Jahren reist der mit der Hamburgerin Sanna (ihr Mädchenname war Schöne) verheiratete Deers nach Deutschland, er fertigte für die Völkerkundemuseen in München und Hamburg Totempfähle an. Der Hamburger Totempfahl steht an der Ecke Rothenbaumchaussee/Binderstraße vor dem Museum, an dem Deers auch als Co-Kurator der Ausstellungen zu den indianischen Kulturen Nordamerikas arbeitet.

Ständiger Gast


Im Völkerkundemuseum ist der lebhaft-freundliche Indianer ständiger Gast, lädt immer wieder ans Lagerfeuer im Innenhof des Museums ein. „Wenn ich an diesem Feuer bin, fühle ich Heimat, es ist als ob ich zuhause bin“, erzählt Deers den rund 50 Gästen an diesem Abend, bevor er wieder in seine Heimat fliegt. Zuhause – für ihn ist das die Region, in der sein Stamm seit 10.000 Jahren lebt. „Unser Dorf steht noch dort, wo es stand, als das Eis nach Norden gegangen ist“, berichtet er, während er neue Holzscheite auflegt. „Ich habe nie an Arbeit gedacht, sie ist zu mir gekommen“, verrät Deers. Die alten Menschen spielen in seiner Heimat eine große Rolle. „Die Uralten sind immer bei uns und helfen uns. Sie gehen zu den Felsen und hören zu. Sie verstehen auch die Geisteskranken, diejenigen, die abgestempelt sind“, berichtet der Indianer. „Wir sind nicht auf dem Mond gewesen, wir haben auch keine Panzer, aber wir haben alte Damen.“ Dann gibt er Ratschläge. Die Gäste wollen wissen, was sein Volk in dieser oder jener Situation tun würde. „Alles, was gut geht auf dieser Erde, hat mit Vertrauen zu tun und mit Freundschaft“, weiß Deers, der eine Lanze für die Träumer bricht: „Der Träumer zählt bei uns. Träumer haben mir mehrmals das Leben gerettet. Wie das geht, musst du selbst herausfinden.“ Und er erzählt auch, wie man in seiner Heimat Ernsthaftes bespricht: „Man macht es sich gemütlich, isst etwas und dann redet man.“ Seine Ehefrau Sanna Seven Deers hat ihren indianischen Mann übrigens im Museum für Völkerkunde kennengelernt. Die damals 20-jährige Studentin der Finanzwirtschaft schaute sich eine Arbeit des Bildhauers an und traf ihn am Lagerfeuer auch persönlich: Drei Jahre später heirateten sie und zogen von der Elbe nach Kanada.
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