„Ein Mosaik des Kahlschlags“ in Hamburg-Nord

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Der Grünflächenfraß im Bezirk Hamburg-Nord Grafik: wb

Bürger kritisieren aktuellen und künftigen „Grünflächenfraß“ im Bezirk

Hamburg-Nord Von Langenhorn bis Barmbek-Süd, von Groß Borstel bis Alsterdorf herrsche „Grünflächenfraß und Naturvernichtung“. Für Mega-Bauprojekte ebenso wie auf kleineren Flächen würden im Bezirk Nord rund 6.000 Bäume in diesem Jahr gefällt. Über 200 Hektar Grünland seien schon planiert oder stünden vor dem Aus. Zur Veranschaulichung haben Anwohner und Vertreter von Bürgerinitiativen eine Karte erstellt. Sie hebt die Grünflächen im Bezirk hervor, die für Bauprojekte bereits planiert wurden oder deren Tage gezählt sind: Die größte Fläche bildet darin der Grünkorridor, der sich vom Gleisdreieck südlich über das künftige Pergolenviertel bis zum größtenteils realisierten Neubaugebiet am Alten Gürterbahnhof erstreckt. Auch die Gärten an der Dieselstraße oder auf dem Dulsberg seien schon angezählt, neben großen Gehölzen in Langenhorn. „Ein Mosaik des Kahlschlags“ zeige sich in der Gesamtschau aller Projekte. „Der Bezirk Nord erlebt in diesen Tagen eine nie dagewesene Vernichtung von Grünflächen“, sagt Benny Rimmler von der Initiative „Dieselstraßenland“. Zusammen mit den Initiativen „Naturnahe Stadt“ und „Eden für Jeden“ kritisiert er auch die Verfahren zur Bürgerbeteiligung: Einwände und Proteste, wie jüngst gegen die Bebauung des Gleisdreiecks, würden großteils ignoriert. Sogar das einst mit über 10.000 Unterschriften eigentlich erfolgreiche Bürgerbegehren von „Eden für Jeden“ sei auf juristischem Wege „einfach ausgehebelt“ worden. „Alle reden doch vom Klimawandel, von drohenden Starkregen und von Hitzewellen im Sommer“, gibt Rimmler zu bedenken. Dass deswegen verstärkt auf die Erhaltung von Grünflächen abzuzielen sei, habe auch schon der grüne Umweltsenator im vergangenen Herbst gefordert. Augenscheinlich werde aber weiter das Gegenteil realisiert.

Grüne: Hoch bauen


Dagegen findet Christoph Reiffert, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion Nord die Karte „unseriös“. Sie markiere etwa die Flächen in Langenhorn, die als Wald bestehen bleiben. Andere überplante Flächen seien keine Grünflächen, sondern waren überbaut oder bestanden, wie in der Beethovenstraße, aus wilden Parkplätzen. Zum Vorwurf, dass bedenkenlos Grünflächen geopfert würden, sagt Reiffert: „Wir stehen dazu, dass Wohnungen gebaut werden müssen.“ Sie vor den Toren der Stadt zu errichten, führe zu mehr Verkehr. Das sei keineswegs klimafreundlich. „Wir müssen gut erschlossene, innenstadtnahe Gebiete für Wohnungsbau nutzen. Um hier Flächen zu sparen, setzen wir Grünen uns dafür ein, dass höher, kompakter gebaut wird. Damit bleibt auch mehr Platz für Grün.“ (wh)
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7 Kommentare
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Michael Kahnt aus Barmbek | 08.03.2016 | 13:23  
88
Markus Pöstinger aus Dulsberg | 08.03.2016 | 22:28  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 12.03.2016 | 08:01  
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Matthias Kleinert aus Barmbek | 12.03.2016 | 16:19  
2.129
Kai Debus aus Alsterdorf | 15.03.2016 | 11:04  
180
Dorle Olszewski aus Langenhorn | 19.03.2016 | 20:08  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 20.03.2016 | 10:07  
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