Ein Tag als Polizist

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Stempel und Schreibmaschine: Die Schüler in einem Polizeibüro aus den 1960er Jahren Foto: Haas

Schüler sollen im Museum Berührungsängste abbauen

Alsterdorf Die Kids sind gespannt und aufgeregt, bis Andreas Nusseck mit wenigen Worten für Ruhe sorgt. Die Klasse 7b aus der Stadtteilschule am Hafen ist zu Gast im Polizeimuseum an der Carl-Cohn-Straße. Jetzt wird sie in zwei Gruppen geteilt. Dieter Nusseck, Polizist im Ruhestand, hilft heute mit und zieht mit neun Jugendlichen los. Sein Sohn Andreas Nusseck zeigt indessen der zweiten Gruppe die Facetten der Polizeiarbeit, abgebildet auf großen Fotos: Uniformierte zu Pferd, im Hubschrauber oder der Puppenspieler bei der Verkehrserziehung. „Polizei auf Verbrecherjagd, das klingt zwar spannend“, sagt der Museumsführer. Aber der Alltag der meisten Polizisten sei für gewöhnlich: Streife fahren. Das weiß Nusseck aus seinem 30-jährigen Dienst.

Einblicke in Polizeiarbeit


Andreas Brandes organisiert die lehrreichen Besuche von Schulklassen im Polizeimuseum ehrenamtlich für die Stiftung Kinderjahre. „Schulklassen bekommen im Polizeimuseum neue Einblicke in die Polizeiarbeit“, erklärt er. „Durch solche Kontakte bauen wir Berührungsängste der Kinder ab, stiften Vertrauen.“
Gebannt hören und schauen ihm die Mädchen und Jungs im Alter von 12-14 Jahren zu. Dann zeigt Nusseck, wie „Herr Unhold“ gestellt wird und wie eine Knebelkette wirkt. Gleich meldet sich ein Mädchen, spielt „Täterin“ und lässt sich fesseln. So erklärt der Ordnungshüter, was Verhältnismäßigkeit der Polizeiarbeit bedeutet: Nur besonders „schwere Jungs“ wurden in der „Hamburger Acht“ abgeführt.
Beim Thema Schusswaffen lauschen alle Jungs-Ohren: „Warum schießen Polizisten?“, fragt der Ex-Polizist und beendet die Spekulationen der Kinder: „Um eine gefährliche Lage zu beenden.“ Dafür müssten Polizisten gut schießen können. Keiner ballere drauf los wie im Krimi. „Denn das sind tödliche Waffen.“
Tausend tödliche Polizeischüsse gebe es im Jahr schätzen die Schüler – und staunen, als Nusseck erklärt, dass nur die wenigsten Polizisten in ihrer Laufbahn jemals schießen. Und: 2014 starben bundesweit drei Menschen durch Schüsse aus Dienstpistolen.
„Denn wir haben eine viel wichtigere Waffe“, sagt der Museumsführer jetzt etwas lauter, zeigt damit, wie sich Polizisten schon mit ihrer Stimme gebührenden Respekt verschaffen können, wenn es brenzlig wird. Weiter geht‘s zur Wache aus den 1960er Jahren: ein Schreibtisch mit schummriger Lampe, schwarzes Retro-Telefon, Schreibmaschine, Regale mit Akten, hinten eine Zelle mit Stahltür. Hineinspaziert! (wh)
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