Eine Hamburger Braut mit Prinzipien

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Mit 17 Kilogramm Cents bezahlt Lea-Rebekka Haase (28, r.) bei Meltem Demir ihre Schuhe Foto: Flüß
 
Drei Generationen freuen sich auf die traditionelle Hochzeit: Brautmutter Andrea Brost (55, l.), Lea-Rebekka Haase (28) und ihr Sohn Vin (sechs Monate) Foto: Flüß
Hamburg: Lehmweg 43 |

Ungewöhnlich: Lea-Rebekka Haase setzt auf Tradition – und bezahlt in Cent

Von Miriam Flüß
Eppendorf
„Ich möchte die alte Tradition wahren und meine Brautschuhe in Cent bezahlen, aber leider weigern sich die meisten Geschäfte, mein Kleingeld anzunehmen.“ 17 Kilogramm Cent-Stücke hat die junge Braut Lea-Rebekka Haase dabei – und endlich eine Hochzeits-Boutique am Lehmweg gefunden, die den Geldsegen annimmt: „Das ist doch unbezahlbar, so etwas zu erleben! Endlich darf ich mal mit Geld spielen“, freut sich Meltem Demir, seit fünf Jahren Inhaberin der Boutique Son Sara, und lässt die Münzen klimpern.

115 Euro in 28 Jahren


Kurz nach der Geburt von Lea-Rebekka Haase vor 28 Jahren in Finkenwerder begann Mama Andrea Brost, Pfennige zu sammeln. „Dann kam die Umstellung auf den Euro und ich musste von vorn anfangen“, stöhnt sie. Tochter Lea sammelte fleißig mit, rund 115 Euro sind zusammengekommen. „Finkenwerder ist noch ein bisschen ländlicher, da macht man sowas“, erzählt Andrea Brost. „Früher standen auch noch Gläser zum Sammeln in den Schuhhäusern, aber Schuhhäuser gibt es ja heute kaum noch.“ Brautschuhe gibt es dafür viele – jedoch keine Geschäftsleute, die gemäß dem alten Brauch Centstücke annehmen wollten, wie Lea-Rebekka Haase zu ihrem Leidwesen erfuhr. Bis sie Meltem Demirs Geschäft am Lehmweg betrat. „Wir müssen Bräute glücklich machen“, findet die Geschäftsinhaberin mit türkischen Wurzeln, der diese Tradition bisher gar nicht bekannt war. „Außerdem sitzen wir ja nicht hier und zählen stundenlang Geld, sondern bringen es zur Bank schräg gegenüber. Dort wird es gewogen.“

Sparsame Braut


Der alte Hochzeitsbrauch stammt noch aus einer Zeit, in der es üblich war, dass die Braut die Hochzeitsschuhe von ihrem eigenen Lohn bezahlte. „Wertvolle Brautschuhe symbolisierten somit die Sparsamkeit der Braut und versprachen dem Bräutigam ein finanziell sorgenfreies Eheglück. Außerdem sollten die selbst gezahlten Brautschuhe garantieren, dass die Braut dem Bräutigam nicht vor der Hochzeit davonlief“, erklärt Lea-Rebekka Haase. „Mein zukünftiger Mann, der russische Wurzeln hat, fragte erst: Was soll der Blödsinn? Aber dann fand er, dass es eine süße Sache ist. Und ich will ja nicht mit leeren Händen in die Ehe gehen“, scherzt die Bankkauffrau. Wenn sie am 13. Mai in Finkenwerder vor den Traualtar tritt, sind ihr auch weitere Traditionen wichtig: „Mein Mann und ich ziehen gemeinsam in die Kirche ein, es wird nicht so sein wie in amerikanischen Filmen, dass er am Altar wartet.“

Strumpfband wird versteigert


Auch die Brautübergabe durch den Vater soll es nicht geben: „Das entspricht nicht einer evangelischen Hochzeit und ist auch völlig antiquiert“, findet die zukünftige Braut, die sich noch schnell ein Strumpfband aussucht – auch das ganz im Sinne der Tradition: „Das Strumpfband wird für einen guten Zweck versteigert. Da mein Mann und ich kitesurfen, möchten wird das Geld einer Robbenauffangstation spenden. So kommt es der Natur und dem Wattenmeer zugute.“ Ihr Zukünftiger kann sich im Mai außerdem auf eine Braut freuen, die das ersparte Geld gut zu investieren weiß: Gleich zwei Paar Brautschuhe hat sie für ihre Cents erstanden. „Das eine paar ist sehr schick und das andere sehr bequem“, sagt sie lachend.
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