Einfach mal drüber reden

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Zum Thema Hafen und Schiffe passte ein Ausflug an die Elbe Foto: Sprachbrücke

Ein neuer Verein bietet Gesprächs(lern)runden für Migranten

Von Christa Möller
Hamburg
Was haben ein Ghanaer, ein Engländer, ein Afghane,
ein Ägypter und ein deutscher Maschinenbauingenieur im Ruhestand gemeinsam? Die Sprache! Einmal in der Woche trifft Albrecht Ott, 65, aus Wellingsbüttel – und letzter in der Aufzählung – Menschen unterschiedlichen Alters mit Migrationshintergrund. Seine Gäste lernen Deutsch, in einer Gesprächsrunde der „Sprachbrücke-Hamburg“ bei der Arbeiterwohlfahrt in Wandsbek. Dabei geht es jedoch nur um das Sprechen – weder ums Schreiben noch um Grammatik oder Interpunktion. „Die Teilnehmer bekommen kein Zertifikat“, betont der 65-Jährige. Alle eint der Spaß am Sprechen und am Kontakt zu anderen Menschen, so verlieren sie die Scheu, in der fremden Sprache zu reden.
Einen Monat lang war beispielsweise „Internationale Küche“ Thema seiner Gesprächsrunde, wobei unter anderem Maße und Gewichte, Preise und das Einkaufen eine Rolle spielten. Lieblingsgerichte, wer hat welche Kochgeräte zuhause, wie sind die Tischsitten der verschiedenen Kulturen – in der Runde lernen alle viel von den anderen – auch Albrecht Ott, der jetzt die Zubereitung von englischem Plum Pudding kennt. Die anschließende Exkursion führte in einen Supermarkt.
Zur Zeit beschäftigen sie sich mit Festen, deutschen und internationalen. „Man lernt immer dazu“, sagt Ott, der schon mal die Kärtchen des Bilder-Memorys seiner Kinder zu Hilfe nimmt, um Begriffe zu illustrieren. Einige seiner Teilnehmer sind erst seit Kurzem in Deutschland, andere leben seit Jahren hier, blieben aber unter sich und müssen, etwa wegen beruflicher Veränderung, besser deutsch lernen.
Antje Blaas unterstützt den Verein im organisatorischen Bereich. Die 49-Jährige ist offen für andere Kulturen und andere Menschen. „Das Ehrenamt gibt einem
die Chance, etwas zu tun, was man immer schon mal machen wollte“, sagt Albrecht Ott, einer von etwa 50 Ehrenamtlichen, die sich für die „Sprachbrücke“ engagieren.
Der vor gut einem Jahr gegründete Verein, mit Sitz in Hamm, startete im April 2014 ein erfolgreiches Pilotprojekt mit sechs Sprachgruppen für Interessierte in Wandsbek, Barmbek und Altona. Die „Sprachbrücke“ verfügt über ein
Büro, hat aber keine eigenen Unterrichtsräume, arbeitet mit Kooperationspartnern in den Stadtteilen zusammen.
Die Gruppen haben maximal zehn Teilnehmer. „Jeder soll zu Wort kommen“, sagt die 2. Vorsitzende Krimhild Grüttner, 66, ehemalige Leiterin der Hamburger Bücherhallen. Kosten entstehen den Teilnehmern nicht, und auch die acht Vereinsmitglieder müssen keine Beiträge zahlen. „Die Sozialbehörde hat uns sehr unterstützt, sie druckt unsere Flyer und hat uns die Türen bei Kooperationspartnern geöffnet“, erklärt Grüttner. Geld bekommt der Verein von der Behörde jedoch nicht: „Wir finanzieren uns durch Spenden.“ Die sind jederzeit willkommen. (wb)

Kontakt und weitere Infos unter 040 - 28 47 89 98
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