Einmalige Hightech-Orgel

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Die Marcussen-Orgel der Johanniskirche bietet jetzt unendlich viele Klangmöglichkeiten Foto: Hanke

Johanniskirche am Turmweg: Orgel-Restaurierung für 1,2 Millionen Euro

Rotherbaum/Harvestehude Diese Orgel kann einfach alles. Die frisch restaurierte und erheblich erweiterte Marcussen-Orgel der Johanniskirche am Turmweg ist mit ihrer Kombination aus Mechanik und Elektronik einmalig in Hamburg und sehr selten in Deutschland. Die 1882 zur Einweihung der Johanniskirche von der renommierten dänischen Orgelbaufirma Marcussen mit romantischem Klangkonzept konzipierte Orgel musste vor einigen Jahren dringend restauriert werden. Die Johanniskirchengemeinde entschied sich für einen Rückbau der ursprünglichen Mechanik in die seit 1974 elektrische Orgel und für eine erhebliche elektronische Erweiterung des relativ kleinen Instruments. Vor zwei Jahren wurde die Orgel komplett abgebaut und in Leonberg bei Stuttgart entsprechend restauriert. Nun ist sie zum Turmweg zurückgekehrt, wurde kürzlich mit einer Orgelweihe im Rahmen eines Festgottesdienstes eingeweiht. Rund 1,2 Millionen Euro haben Restaurierung und Umbau gekostet. Die ganze Summe wurde gespendet.

900 Spender


„Allein 900 Einzelspender sind uns bekannt. Einige Spender haben fünfstellige Beträge gegeben“, sagt St.-Johannis-Kantor Christopher Bender. Die Spender werden Paten für einzelne Pfeiffen, die ihnen demnächst bei einer Spenderversammlung gezeigt werden. „Die Menschen sollen diese Orgel als ihr Instrument begreifen“, so der Organist. Auf 3.309 Pfeiffen und mit einer Schnittstelle, die eine Interaktion zwischen Orgel, elektronischen Klangerzeugern und Computerprogrammen erlaubt, kann sie nun unendlich viele Töne erzeugen und wiedergeben. Ein Knopfdruck genügt, und sie spielt wie von Geisterhand betrieben alles, was gespeichert wurde. „Ich kann die Orgel jetzt von unten aus der Kirche hören, ohne dass jemand sie betätigt. Das ist beim Komponieren sehr hilfreich. Es ist eine Einladung an Studierende und Komponisten, sich auf die Suche nach neuen Möglichkeiten zu begeben“, freut sich Christopher Bender. Die alte Orgel hatte nur rund 1.500 Pfeiffen. Die Anzahl der Register wurde auf 53 nahezu verdoppelt. Auf 16 Ebenen können nun Töne zwischen 16 und 16.000 Hertz erzeugt werden. Synthesizer können mit dem Orgelklang verschmelzen. Improvisationen können direkt am Rechner aufgezeichnet und bearbeitet werden. Die Wiederherstellung der Mechanik ermöglicht es außerdem, das Instrument unabhängig von moderner Elektrik zu spielen. „Wir wollen zeigen, dass seriöser Orgelbau, der sich einer Tradition verpflichtet fühlt, vereinbar ist mit innovativen Konzepten, die neue ungeahnte Möglichkeiten in Spiel und Klang eröffnen. Für uns ist Kirche kein Museum, sondern ein lebendiger, der Gegenwart und Zukunft zugewandter Ort“, fasst Christopher Bender zusammen. (ch)
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