Einmaliges Pflegeprojekt in Eppendorf

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Auch so wohnt man im Haus Zinnendorf: Peter Hansen, querschnittsgelähmt, hat sich mit seinen Büchern umgeben Foto: Hanke
 
Verantwortlich für das Haus Zinnendorf: Sabine Seitz (vorn) und Marcus Langbehn (r.)teilen sich die Geschäftsführung. Florian Hammes-Scheidt (l.) leitet den Vorstand der Stiftung Foto: Hanke

25 Jahre Haus Zinnendorf. Freimaurerlogen spenden jährlich 150.000 Euro

Von Christian Hanke
Eppendorf
Ein besonderes Haus in Eppendorf feiert am Freitag seinen 25. Geburtstag: das Haus Zinnendorf auf dem Gelände der Anscharhöhe an der Tarpenbekstraße. Hier leben 25 schwerstkranke Menschen im Alter von 18 bis 50 Jahren in rund 40 Quadratmeter großen Appartements mit Pantry und Nasszelle. Sie werden von acht Pflegekräften betreut. Das Projekt ist einmalig in Deutschland: Gewöhnlich leben jüngere Pflegebedürftige in Wohngruppen oder sind gemeinsam mit älteren in Pflegeheimen untergebracht. Letzteres fiel Freimauern in den 1980iger Jahren in einem von ihnen betreuten Altenheim als unzulänglich auf. „Junge schwerstpflegebedürftige Menschen wurden mit sehr alten Heimbewohnern zusammen einheitlich betreut, obwohl beide Zielgruppen einen anderen pflegerischen Ansatz benötigen“, erzählt Florian Hammes-Scheidt, der Vorstandsvorsitzende der Zinnendorf-Stiftung, die das Haus Zinnendorf betreibt. Daraus entwickelte sich unter den Freimaurern die Initiative, ein eigenes Haus für schwerstkranke jüngere Menschen zu schaffen, das den Bedürfnissen dieser Altersgruppe gerecht wird.

Haus Zinnendorf wurde 1991 eröffnet


Die christlich orientierte Großloge der Freimaurer in Deutschland gründete zu diesem Zweck am 15. August 1988 die nach ihrem Gründer Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf (1731-1782) benannte Zinnendorf-Stiftung. Kellner von Zinnendorf schuf unter dem Eindruck traumatischer Kriegserlebnisse als „Militärmedikus“ ein Invalidenhaus für schwerstverwundete Kriegsveteranen. Das Haus Zinnendorf konnte 1991 auf der Anscharhöhe eröffnet werden, da der erste Vorsitzende der Zinnendorf-Stiftung und maßgebliche Initiator des Hauses Zinnendorf, Uwe Schützendübel, gleichzeitig Vorstandsmitglied der Stiftung Anscharhöhe war. Nach manchen finanziellen Problemen in den Anfangsjahren hat sich das Haus stabilisiert. Unter anderem durch den Willen der Behörden, das Haus zu erhalten, und beachtliche Spenden von Freimaurerlogen, die mit ihren jährlich rund 150.000 Euro die acht Pflegekräfte finanzieren. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses sind an Multiple Sklerose erkrankt (50 Prozent). Es folgen Querschnittslähmungen und Nervenkrankheiten. Viel Wert wird im Haus Zinnendorf auf Aktivitäten aller Art gelegt. In Kreativ-Kursen können sich die Bewohner entfalten. Davon zeugen im Kreativraum viele Bilder und Gegenstände. Beachtliche technische Möglichkeiten helfen ihnen zum Beispiel Fernsehspiele zu steuern. Es werden Ausflüge und mindestens einmal im Jahre eine Reise mit sechs Bewohnern und zwölf Betreuern unternommen. Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Schnitzeljagd auf dem Anscharhöhe-Gelände.

Großzügige Spende für Handbike


Mitunter spenden Freimaurerlogen oder einzelne ihrer Mitglieder auch Besonderes. Der querschnittsgelähmte Erk Brodersen zum Beispiel erhielt kürzlich auf Empfehlung seiner Physiotherapeutin Christine Korfat von der Loge „Zu den drei Rosen“ ein eigens für ihn angefertigtes Handbike, mit der er sich künftig fortbewegen möchte. „Ich will den Rollstuhl verbannen“, erzählt Erk Brodersen. Und er hat noch ein ehrgeiziges Ziel: im nächsten Jahr mit seinem Handbike am Hamburg Marathon teilzunehmen. Haus Zinnendorf macht´s möglich.
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