Empörung über geplante Badschließung

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Die Nutzer des Theravitalis wollen die Schließung des Bewegungsbades nicht hinnehmen Foto: wb
 
Eine ganze Infrastruktur hängt für Silvia Redlinger (50) am Besuch des Bewegungsbades Foto: Flüß

Viele Menschen mit Handicap nutzen Bewegungsbad im Theravitalis

Alsterdorf „Hamburg will die olympischen Spiele haben, aber hier machen sie das Schwimmbad zu“, empört sich Lutz Landgraf über die Schließung des Bewegungsbades im Gesundheitszentrum Theravitalis zum 30. September. Nach Auskunft der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA), zu der das Theravitalis gehört, ist „der Reparatur- und Instandhaltungsbedarf der alten Schwimmbadtechnik inzwischen so hoch, dass ein nachhaltig wirtschaftlicher Betrieb von Bad und Sauna nicht mehr möglich ist. Eine grundlegende Sanierung wäre im Verhältnis zum Nutzen zu teuer.“ Besonders der letzte Satz lässt die Emotionen der betroffenen Bad-Nutzer hochkochen: „Kosten allein können es nicht sein, es geht doch um Menschen“, sagt Gabriele Olfert und verweist auf den Leitsatz der Stiftung „Menschen sind unser Leben.“ Wie Olfert ist auch Roswitha Kohrt „enttäuscht vom Umgang der Evangelischen Stiftung Alsterdorf mit uns.“
Die ESA verweist auf die Bäderland-Schwimmbäder in Ohlsdorf und Wandsbek als Alternative: „Beide bieten Aqua Fitness- und Präventionskurse an und sind jeweils rollstuhl- beziehungsweise behindertengerecht.“ Für Schauspieler Reent Reins (Synchron-Stimme von Don Johnson), der seit fünf Jahren extra aus Eimsbüttel ins Theravitalis kommt, ist das keine Alternative: „Ich habe nach einer Knie-OP ein künstliches Gelenk. Für Prothesenträger ist die Wassergymnastik wichtig.“ Auch seien der versenkbare Boden und das 28 Grad Celsius warme Wasser optimal. Für Rollstuhlfahrerin Silvia Redlinger würde mit der Schließung des Bades gar eine ganze Infrastruktur zusammenbrechen: „Ich kann das Bad in zwei U-Bahnstationen vom Lattenkamp bis Sengelmannstraße barrierefrei erreichen. Am Alsterdorfer Markt kaufe ich auch ein. Im Winter werden hier Schnee und Eis geräumt, das ist woanders nicht so.“
„Die Schließung wäre ein Drama“, Gabriele Olferth, die nach einem Oberschenkelhalsbruch im Jahr 2010 regelmäßig zur Reha das Bad nutzt, möchte die Schließung nicht hinnehmen. Rund 100 Unterschriften hat sie in einer Petition für den Erhalt gesammelt, ein Gespräch mit der Geschäftsführung der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in der vergangenen Woche verlief nach ihren Angaben jedoch ergebnislos. „Es geht uns ja nicht ums Vergnügen sondern um die Genesung und Prävention“, sagt sie frustriert. Enttäuscht über den Umgang mit den Nutzern des Bades ist auch Uwe Arndt: „Die Begegnung zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen ist hier ganz selbstverständlich. Die Schließung ist ein schleichender Prozess der Nichtinformation. An jeder Supermarktkasse erfährt man mehr. Hier geht ein Stück Kultur verloren. Über Defizite und mögliche Preiserhöhungen kann man doch sprechen!“ Die Nutzer des Bades beklagen einen häufigen Personalwechsel und eine abnehmende Zahl von Physiotherapeuten.
Nach Auskunft der ESA, die das Bewegungsbad 30 Jahre betrieben hat, seien von
der Schließung keine Arbeitsplätze betroffen. Was mit dem Standort passiert, ist laut ESA ungewiss: „Alternative Nutzungen werden derzeit geprüft,
hier ist aber noch nichts spruchreif.“ (flü)
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