Ende einer Geister-Immobilie

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Ein großer Abrissbagger läutete nach 36 Jahren Leerstand und Verfall vor Kurzem An der Blütenmauer 6 das letzte Kapitel ein Foto: ho.

Bezirksamt: Neubau wird ein Rotklinkerhaus im Gartenstadt-Stil

Von Holger Hollmann
Alsterdorf. Langsam greift der mächtige Arm des Abrissbaggers in das Mauerwerk und in die alten Holzdecken, reißt immer wieder Stücke heraus, dreht sich und wirft sie in den großen blauen Container, der seit ein paar Tagen in der Straße An der Blütenmauer steht. Es ist das letzte Kapitel unter einem mehr als 36-jährigen Leerstand. So lange war das einst hübsche Rotklinkerhaus in der Alsterdorfer Gartenstadt unbewohnt und verfiel langsam. Längst hatten Büsche, Bäume und Gestrüpp das Mitte der 1930er-Jahre errichtete Haus um- und überwuchert. Die Fenster waren mit Brettern vernagelt. Immer wieder hatten Interessenten in der gesuchten Wohnlage versucht, das Haus zu erwerben - erfolglos. Denn der Eigentümer W., der das Haus 1977 gekauft hatte, um mit seiner Frau und Tochter dort einzuziehen, wollte es weder verkaufen noch vermieten. „Er hat damals noch alles Brauchbare aus dem Haus ausgebaut und hat es dann verfallen lassen“, sagt eine Nachbarin vor Ort. Hintergrund war eine Trennung des Paares kurz nach dem Kauf der Immobilie. „Ab und zu schaute der Eigentümer noch vorbei, aber zum Schluss immer seltener.“


Amt wollte Nutzung
erzwingen

Das Bezirksamt Nord versuchte sogar in den 1990er-Jahren mit Verfügungen, eine Instandsetzung und Nutzung des Hauses zu erzwingen, da längerer Leerstand in Hamburg verboten ist, wenn keine wichtigen Gründe dafür vorliegen. Die juristischen Bemühungen verpufften jedoch, da W. entweder nicht reagierte oder die Behörde hin hielt und Verabredungen nicht einhielt. Im November 2011 verschaffte sich das Bezirksamt sogar durch die Polizei Zutritt zum bereits stark verfallenen Haus, um eine Renovierbarkeit zu prüfen. Das Urteil damals: Die Immobilie war bereits zu stark beschädigt, musste abgerissen werden.
„Eine Beseitigungsverfügung haben wir damals aufgrund verschiedener Umstände, die privatrechtlicher Natur sind, aber nicht durchgesetzt“, sagte eine Sprecherin des Bezirksamtes dem Wochenblatt. Auch jetzt stecke nicht das Bezirksamt hinter dem Abriss.

Erhaltungsverordnung für die Gartenstadt

Ob W., der angeblich schon seit einiger Zeit in einem Seniorenheim wohnen soll, nun verkauft hat, ist nicht bekannt. Doch mittlerweile hat der Abrissbagger Fakten geschaffen und das Grundstück liegt jetzt komplett frei geräumt hinter einem hohen Bauzaun.
„Anstelle des Abrisshauses ist ein Einfamilienhaus vorgesehen, in Rotklinker mit schwarzen Dachpfannen, dessen Front dem historischen Gartenstadt-Charakter angeglichen sein wird“, so die Sprecherin weiter.
„Für die gesamte Gartenstadt Alsterdorf gilt eine Erhaltensverordnung, mit der das äußere Erscheinungsbild der Häuser geschützt ist und entsprechende Vorgaben bei einem Neubau einzuhalten sind.“ (ho)
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