Eppendorfer Geschichte(n)

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Maria Koser (Stadtteilarchiv Eppendorf) und Wolfgang Hinsch, einer der Autoren, präsentieren das neuste Werk des Stadtteilarchivs „Stifter, Schwestern, Zufluchtsstätten“.Foto: Hanke

Stadtteilarchiv präsentiert neues Buch

Von Christian Hanke
Eppendorf. Das Eppendorfer „Kultur- und Sozialviertel“ entlang der Martinistraße zwischen Tarpenbek- und Frickestraße steht vor einem Umbruch, seitdem das Krankenhaus Bethanien nach Eimsbüttel umgezogen ist. Anlass für das Stadtteilarchiv Eppendorf, ein Buch über diesen Teil von Eppendorf herauszubringen. „Stifter, Schwestern, Zufluchtsstätten“ heißt das 108 Seiten starke, reich bebilderte Paperback mit dem Untertitel „Geschichte(n) rund um die Martinistraße in Hamburg-Eppendorf“. Es behandelt nicht nur die Historie der sozialen Einrichtungen an der Martinistraße, sondern auch das sich nordwestlich anschließende Stiftsviertel an Fricke-, Schede- und Tarpenbekstraße, das eine der größten Ballungen von Altenwohnstiften in Hamburg darstellt.
Sechs Autorinnen und Autoren aus Eppendorf haben das St. Josephs Stift, den früheren Luisenhof und das Schwesternheim und Krankenhaus Bethanien an der Martinistraße, die Wohnstifte, das heutige Kulturhaus und die St. Martinuskirche beschrieben.
„Uns interessierte vor allem die Frage: Warum ist hier ein Viertel mit so vielen sozialen Einrichtungen entstanden?“, erzählt Maria Koser, die eine Leiterin des Stadtteilarchivs Eppendorf. Das „Neue Allgemeine Krankenhaus“, das heutige UKE, ist der Grund. Weil sich das ursprünglich für das Krankenhaus angekaufte Gelände als viel zu groß erwies, und um das Hospital herum eine Ruhezone geschaffen werden sollte, wurde das östlich angrenzende Gelände Vereinen und Stiftungen zur Verfügung gestellt, die dort „Gebäude für wohltätige Zwecke“ errichteten. as Krankenhaus wurde 1889 eröffnet. Schon zwei Jahre zuvor bezogen die Grauen Schwestern von der Heiligen Elisabeth, eine Vereinigung, die Kranke ambulant versorgten, das St. Josephs Stift an der Martinistraße 42, das erste Gebäude, das in dem besagten Abschnitt fertiggestellt wurde. Es folgten 1890 der Luisenhof, ein „Mutter-und-Kind-Heim“ für „gefallene Mädchen“ und 1893 das Krankenhaus und Schwesternheim Bethanien. Ab 1894 wurde das Gelände zwischen Martini-, Fricke- Schede- und Tarpenbekstraße mit Wohnstiften für ältere Menschen bebaut. Von dieser Bebauung steht nur der Luisenhof nicht mehr, der 1926 abgerissen wurde und damit Platz schuf für die Erweiterung des Bethanien-Krankenhauses.
Die bewegteste Geschichte hat das heutige Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13a (vormals Martinistraße 40). Das im Blockinnenbereich liegende Gebäude wurde 1897 als „Zufluchtsstätte für obdachlose und sittlich gefährdete Frauen und Mädchen“ eröffnet.
Ab 1935 war es die Eppendorfer Polizeiwache. 1984 zog die Ausländerpolizei ein. Nach einem Brandanschlag das UKE und ins Soutterain das Kulturhaus.
Über die einzelnen Einrichtungen haben Maria Koser (Wohnstifte), Hans Albert Steeger (Bethanien), der frühere Direktor des Schwesternheims Bethanien, Sabine Burke (St. Martinus), seit langem aktiv in der St.Martinus-Gemeinde, Wolfgang Hinsch (Luisenhof), Zufluchtsstätte-Kulturhaus (Angelika Ohl) und St. Josephs-Stift (Beatrix Bursig) geschrieben.
Die Autorinnen und Autoren konnten meistens auf viele gute Quellen zurückgreifen. Trotzdem erfuhren sie auch Neues. „Bei jedem Aufsatz gab es etwas, das wir nicht wußten“, erzählt Wolfgang Hinsch, der das Kapitel über den weitgehend unbekannten Luisenhof geschrieben hat. Das Bezirksamt Hamburg-Nord unterstützte die Arbeit des Stadtteilarchivs, das aber vor allem auf Verkaufserfoge angewiesen ist. Das Buch „Stifter, Schwestern, Zufluchtsstätten“ kostet 19,95 Euro und ist im Kulturhaus Eppendorf sowie im Buchhandel erhältlich. (ch)
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