Eppendorfer Moor: Gössel von Wildgänsen adoptiert

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Kanadagans-Eltern im Eppendorfer Moor: zwei von drei Gösseln sind Graugänse Foto: Haas

Glückliche „Patchwork-Familie“ im Tierreich

Groß Borstel Jahrelang war hier Fehlanzeige: Gänse kamen zwar ins Eppendorfer Moor in ihr angestammtes Brutrevier, doch immer hatten sie Pech. Jetzt schlüpften zum ersten Mal seit 2011 drei Gänschen – allerdings anders als erwartet. Die Kanadagänse zeigen wenig Scheu vor Spaziergängern und Radfahrern, mit ihrem Nachwuchs rasten sie am Teich-ufer inmitten des Eppendorfer Moors. Zwei der drei Gössel stammen allerdings von Graugans-Eltern, weiß der Groß Borsteler Experte Simon Hinrichs. Denn zuerst habe hier im Moor ein Grauganspaar gebrütet. „Kanadagänse beginnen meist später mit der Brut, wenn die besten Nistplätze schon von Graugänsen besetzt sind. Aber sie sind sehr dominant. Körperlich überlegen haben sie hier eine Graugans von ihrem Nest vertrieben, deren Gelege übernommen und noch ein eigenes Ei dazugelegt“ erklärt der ehrenamtliche Gänsebetreuer und -beringer, der seit über zehn Jahren das Brutgeschehen verfolgt und mehrere solcher Hamburger „Patchwork-Familien“ kennt. „Seine“ Tiere kann er durch die Ablesung ihrer Ringnummern identifizieren. Nach dem Schlüpfen wüssten die Gössel ja nicht, dass sie Graugänse sind, ebensowenig die Kanadagans-Eltern. Denn nur unauffällige Merkmale unterscheiden sie von ihren Adoptiveltern: Das Kanadagans-Küken habe eine schwarze Schnabelspitze, schwarze Beine und einen etwas längeren Hals, Graugänse dagegen graue Beinchen und Schnäbel – mit heller Spitze. Bleibt zu hoffen, dass die Gössel unbeschwert aufwachsen können. Denn weiterhin leben sie in Gefahr. „In den vergangenen Jahren wurden mehrere brütende Gänse an ihren Nestern gerissen“, weiß Hinrichs. Mutmaßlich wurden sie Opfer jagender Hunde oder eines Fuchses. Zudem hätten niedrige Wasserstände in den vergangenen trockenen Frühjahren diese Gefahr begünstigt. Durch die kürzlichen Regenfälle herrscht jetzt allerdings Hochwasser: Die Inseln in der Mitte des Teichs sind überflutet, so dass die Gansfamilie am Teichufer rasten und übernachten muss. Immerhin gibt es eine Anleinpflicht für Hunde im Naturschutzgebiet Eppendorfer Moor – Gassigeher müssten sie nur befolgen. (wh)
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