Eppendorferin feiert ihren 100. Geburtstag

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Herma Feddern feiert ihren 100. Geburtstag. Seit 66 Jahren lebt sie in Eppendorf Foto: Hanke

Herma Feddern blickt zurück: „Das Persönliche ist weg“

Von Christian Hanke
Eppendorf
Herma Feddern ist immer früh ins Bett gegangen, weil sie morgens früh aufstehen musste. Das hält offenbar fit: Am Mittwoch (14. Dezember) wird sie 100 Jahre alt. Seit 66 Jahren wohnt Herma Feddern in Eppendorf, in einem Etagenhaus im alten Arbeiterviertel an der Tarpenbekstraße. Unten an der Ecke Kegelhofstraße betrieben sie und ihr Mann Ernst 18 Jahre lang einen Lebensmittelladen. „Früher gab´s hier viele Lebensmittelläden und an jeder Ecke eine Kneipe. Wir haben am längsten durchgehalten“, erzählt die 100-Jährige. Als ihr Mann krank wurde und nicht mehr tragen konnte, gaben sie den Laden auf.

Aufgewachsen in St. Georg

Aufgewachsen ist Herma Feddern im heutigen Hammerbrook, damals St. Georg. Sechs Wochen nach ihrer Heirat starben ihre Eltern im Feuersturm, der im Sommer 1943 nach den schwersten Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs in Hamburg ganz Hammerbook vernichtete. Herma und ihr Ernst kamen in einem Behelfsheim bei Winsen an der Luhe unter, das sie einige Jahre später gegen eine Wohnung am Lehmweg tauschten. Da waren die Fedderns schon eine kleine Familie. Tochter Karin war 1944 geboren worden. 1950 machte sich ihr Mann, der für eine Lebensmittelfirma arbeitete, selbstständig und mietete den Laden an der Tarpenbekstraße. Man zog auch gleich in dasselbe Haus ein. Hier fühlt sich Herma Feddern wohl, zumal Tochter Karin auch im Haus wohnt und einige langjährige Nachbarn immer ´mal vorbeischauen.

Eppendorf hat Dorfcharakter verloren

Überhaupt gefällt ihr Eppendorf, auch wenn sich vieles in ihren Augen zum Nachteil verändert hat, sogar vor ihrer Haustür. Denn die Tarpenbekstraße, die noch als Sackgasse an Eppendorfs Nordgrenze endete als die Fedderns 1950 einzogen, wurde in den 1960er-Jahren zur Hauptverkehrsstraße ausgebaut. „Drei Jahre wurde hier gebaut“, erzählt die alte Dame, die die Bauarbeiter damals mit Kaffee und belegten Brötchen versorgte. „Das ist jetzt eine schreckliche Straße. Es gibt auch keine Läden mehr. Eppendorf ist kein richtiges Dorf mehr. Hier kann man nichts mehr kaufen“, findet die 100-Jährige, die auch die frühere Freundlichkeit vermisst. „Das Persönliche ist weg. Nur das Geld ist geblieben“, lautet ihr Fazit.
Herma Feddern kann zwar nicht mehr gut gehen, aber sie ist geistig hellwach. Bis zum 90. Lebensjahr hatte sie beim Winterhude Eppendorfer Turnverein geturnt. Jetzt unterhalten sie das Fernsehprogramm und die lieben Nachbarn. Auch das Wochenblatt gratuliert der Jubilarin von ganzem Herzen!
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