Erfahrung zählt: Mehr als 26.000 Arbeitslose über 50 in Arbeit gebracht

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Knud Adameit (53) arbeitet seit November 2014 als Versorgungsassistent im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. (Bild: mitnmang - Initiative für Arbeit 50plus)

Norddeutsches Beschäftigungsprojekt mitnmang geht nach 10 Jahren mit positiver Bilanz zu Ende

Die 2005 gestartete Jobcenter-Initiative mitnmang steht nach 10 Jahren Laufzeit im Dezember kurz vor dem Abschluss. Die Zahlen können sich sehen lassen: Über 26.000 arbeitslose SGB II-Kundinnen und -Kunden ab 50 konnten von den Arbeitsvermittler der Jobcenter wieder in Arbeit gebracht werden.

Die Initiative ist als einer von 77 regionalen Pakten des bundesweiten Programmes Perspektive 50plus gestartet, welches sich zum Ziel gesetzt hat, verstärkt Arbeitslose ab 50 wieder in eine existenzsichernde Beschäftigung zu bringen. Das diese besondere Unterstützung notwendig ist, liegt dabei vor allem an den Vorurteilen der Firmen gegenüber älteren Beschäftigten. Denn dort heißt es oft: zu teuer, unflexibel und generell nicht mehr fit genug für die Arbeit.
Dass die Vorurteile stückweise abgebaut werden konnten und die Unternehmen den Mehrwert älterer Arbeitnehmer immer mehr zu schätzen wissen, zeigen die stetig steigenden Vermittlungszahlen von mitnmang. Lagen die Zahlen beim Projektstart im Jahr 2005 bei 109 vermittelten Arbeitslosen, überschritten Sie im letzten Projektjahr 2015 fast die 3000er Marke. Stephanie Pries, Bereichsleiterin Jobcenter team.arbeit.hamburg und zuständig für das Programm mitnmang freut sich über diese Entwicklung: „Am Anfang von mitnmang hieß es bei Unternehmen oftmals noch, Arbeitnehmer über 50 sind zu alt, zu teuer und unflexibel. Mit der Zeit haben die Firmen aber gemerkt, dass Arbeitskräfte 50plus durchaus noch fit genug sind und mit ihrer Erfahrung das Unternehmen nach vorne bringen. Auch deshalb sprechen Unternehmen uns inzwischen sogar ganz gezielt nach älteren Arbeitnehmern an.“

Für das UKE Personaleinstellungen keine Sache des Alters

Eines der Unternehmen, bei denen nicht das Geburtsjahr des Mitarbeiters eine Rolle spielt, sondern die mitgebrachten Fähigkeiten, ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Mit über 380.000 Patienten und 10.000 Angestellten ist es das größte Krankenhaus mit Maximalversorgung in Hamburg. Personalreferentin der UKE-Tochter Klinik Gastronomie Eppendorf (KGE) Franziska Nock-Ajai: „Wir haben keinerlei Berührungsängste bei älteren Arbeitnehmern und bereits eine Vielzahl an Mitarbeitern über mitnmang bei uns eingestellt.“ Heiner Lemmer, Abteilungsleiter für den Bereich Patientenversorgung in der KGE, ergänzt: „Gerade in speziellen Bereichen wie der Palliativmedizin ist es wichtig, dass die Mitarbeiter über ein Höchstmaß an Empathie und Fingerspitzengefühl verfügen. Bei jüngeren Mitarbeitern sind diese Fähigkeiten vielleicht noch nicht in vollem Maße ausgeprägt, andere Fähigkeiten dagegen mehr – so dass man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen einsetzen kann, für die sie sich ihren altersspezifischen Fähigkeiten entsprechend optimal eignen.“
Weil die Arbeit im Krankenhaus anspruchsvoll ist und eine Tätigkeit hier nicht jedem liegt, absolvieren die Bewerber vor einer Festanstellung eine zweiwöchige Orientierungsphase, um den zukünftigen Arbeitsplatz und die damit verbundenen Anforderungen kennenzulernen. Dabei zeigt sich, ob ein Bewerber und eine Arbeit im UKE zusammenpassen.
„Man kommt bei der Arbeit mit kranken Menschen zusammen und erlebt sie und ihre Angehörigen in schweren Zeiten. Das sind psychisch fordernde Situationen, mit denen nicht jeder Bewerber gut zurechtkommt. Deswegen haben uns leider auch immer wieder Bewerber bereits vor Ende der Orientierungsphase mitgeteilt, dass sie diese Arbeit nicht leisten können“, so Nock-Ajai.

Für Arbeitnehmer geht eine lange Leidenszeit zu Ende

Knut Adameit (53), der seit November 2014 als Versorgungsassistent im UKE angestellt ist und davor lange arbeitslos war, freute sich sehr über die Chance, die ihm das UKE gegeben hat. Aber die Anstellung machte nicht nur ihn glücklich. „Mein Vater hat erst einmal laut „Hurra“ gerufen, als er von meiner Festanstellung gehört hat.“ Jetzt sorgt Adameit in der Kardiologie-Abteilung dafür, dass die 4.500 Mahlzeiten, die täglich im gesamten Krankenhaus ausgeteilt werden, auch zum Patienten kommen. Da es sich hierbei um eine wesentlich komplexere Aufgabe handelt, als einfach nur Tabletts in die Patientenzimmer zu tragen, sind bei neuen Mitarbeitern häufig individuelle Nachschulungen nötig. Frau Nock-Ajai: „Bei der Tätigkeit des Versorgungsassistenten handelt es sich um eine Anlerntätigkeit. Das bedeutet, dass eine Ausbildung zwar nicht nötig ist – die Angestellten aber eine intensive Vorqualifizierung durchlaufen müssen, bevor sie Krankenhausbetrieb eingesetzt werden können.“

Betreuung von Unternehmen auch nach Projektabschluss gesichert

Damit Unternehmen auch nach dem Projektabschluss von mitnmang einen Ansprechpartner zur Gewinnung erfahrener Arbeitskräfte haben, münden die Erkenntnisse und Erfahrungen, die im Laufe von mitnmang gemacht wurden, in das Regelgeschäft ein. Auf diese Weise profitieren ältere Arbeitssuchende weiterhin von einer intensiven Beratung, so dass Unternehmen und Arbeitgeber weiterhin gezielt nach erfahrenen Arbeitnehmern fragen können. Bastian Glöckner, Bereichsleiter im gemeinsamen Arbeitgeberservice: „Auch über das Projektende hinaus unterstützen wir alle Hamburger Betriebe, die nach erfahrenen Arbeitskräften über 50 suchen, mit geeigneten Vermittlungsvorschlägen. Für die Unternehmen ändert sich also bis auf die Telefonnummer nicht viel.“

Neues Langzeitarbeitslosenprogramm für besonders hilfsbedürftige Fälle

Da die Erfahrung aus dem Projekt gezeigt hat, dass insbesondere Langzeitarbeitslose von einer intensiveren Unterstützung durch das Jobcenter profitieren, wurde dieser Ansatz u.a. im neuen ESF-Bundesprogrammzum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit aufgegriffen. Auf diese Weise sollen Menschen, die bereits seit 2 Jahren oder länger arbeitslos sind, durch ein besonderes Coaching langsam aber nachhaltig an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

Weitere Details über das ESF-Programm sowie die Kontaktdaten der Ansprechpartner in den Regionen nach mitnmang finden interessierte Unternehmen auf www.mitnmang.de.
Hamburger Betriebe auf der Suche nach erfahrenen Fachkräften wenden sich in Zukunft an den gemeinsamen Arbeitgeberservice mit der Durchwahl 0 800 4 5555 20 oder per E-Mail an Hamburg.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de
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