Ersatzquartiere für Fledermäuse

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Monteur Claus Hauschild bringt mardersichere Fledermaus-Kästen unterhalb der Jahnbrücke an Foto: Haas

Umzug von Amts wegen: Bezirksamt Nord schafft neue Behausungen für die Nachtschwärmer

Von Waltraut Haas
Winterhude/City
Nord Auch die Fledermäuse in den Kleingärten der „Heimat“ müssen bald in einen neuen Unterschlupf umziehen. Wegen der Erschließungsarbeiten für das Pergolenviertel nördlich der Jahnbrücke werden ihre Quartiere knapp. Deshalb brachte Claus Hauschild im Auftrag des Bezirksamtes Nord am vergangenen Donnerstag schon mal zwei „Wohnstuben“ für die nachtaktiven Säugetiere unterhalb der Jahnbrücke an. „Die häufigste Art sind hier Zwergfledermäuse, und sie kommen ganzjährig vor“, erklärt Jochen Köhnlein von der Firma BGM. Der Fledermaus-Experte wurde schon vor Jahren mit einem Gutachten zur Erfassung der hier vorkommenden Arten beauftragt. Mit zusammengefalteten Flügeln können sich bis zu 100 Tiere in den beiden neuen Behausungen, die sie vor Mardern schützt, aufhalten. Sonst behelfen sich die „Mini-Batmans“ auch mit Zementfugen als Winterquartier: Tausende zählte Köhnlein schon im Parkhaus eines Hamburger Supermarkts. Auch die Breitflügelfledermaus jage hier in den Gärten, als Quartier bevorzugt sie Spalten an Häusern. Im Gehölzstreifen an der Saarlandstraße hat Köhnlein zudem große Abendsegler beobachtet. Sie jagen gerne über dem Wasser und bewohnen Bäume. Durchzügler im Herbst seien Rauhautfledermäuse. „Wie Zugvögel wandern sie von Nordosteuropa in südlichere Gefilde“, so Köhnlein weiter.

„Die häufigste Art sind hier Zwergfledermäuse, und sie kommen ganzjährig vor.“ Jochen Köhnlein

Mathias Buller vom Fachbereich Stadtgrün im Bezirk Nord ist mit von der Partie, er koordiniert die anfallenden Arbeiten vor und während der Erschließung. Zugleich organisiert er auch die Bereitstellung von 60 Ausweichparzellen für Kleingärtner im ehemaligen Anzuchtgarten südlich des Stadtparks. „Immerhin rund zwei Millionen Euro lässt sich der Bezirk die Vorbereitung der Gärten dort kosten“, sagt Buller, der von „subventionierten Gärten“ spricht, denn die stolze Summe werde durch die künftige Gartenpacht keinesfalls abgedeckt. Weil nicht nur Fledermäuse möglichst geschont werden sollen, durchstreift Dagmar Kinttof-Westphal die Parzellen, auf denen die Lauben bald abgerissen werden. Die Umweltbaubegleiterin spürt dort die Winterquartiere von Igeln sowie von Amphibien oder Fischen in den Gartenteichen auf. Findet sie gefährdete Tiere, markiert sie Sperrbereiche, so werden sie bis zum Frühjahr geschont. Dann erfolgt auch ihr Umzug in geeignete Biotope. Das Umwelt-Team lässt sich bei strömendem Regen die Laune nicht verderben.

Unter der Jahnbrücke


Monteur Claus Hauschild ist hoch auf der Leiter mit einem Gurt gesichert, er braucht immer mal wieder Handreichungen, bis die beiden Fledermauskästen endlich solide unterhalb der Jahnbrücke angebracht sind. Zwergfledermäuse wachen auch im Winter gelegentlich auf, erklärt Jochen Köhnlein. Ab sofort ist ihr neues Quartier bezugsfertig.
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