„Essen in Maßen und Bewegung“

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Zwei vom 20-köpfigen Team des Universitären Adipositas-Centrum: Dr. Oliver Mann von der ärztlichen Leitung und Pflegewissenschaftlerin Marianne Toll Foto: Hanke

Hilfe bei Fettleibigkeit: Neues Adipositas-Centrum am UKE stellt sich am 26. Juni vor

Eppendorf Viele technische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben das Leben insbesondere in der westliche Welt erheblich erleichtert. Nicht immer gut für unsere Körper, die weniger beansprucht werden, aber oft mehr Nahrung aufnehmen als notwendig. Die Verlockung, sich wenig zu bewegen, und gut zu essen, ist für viele Menschen groß. Die Folge auch in Deutschland: Fettsucht oder auf Latein: Adipositas. „Es ist eine Suchtkrankheit“, stellt Dr. Oliver Mann klar. Mann ist der stellvertrende Klinikdirektor des Universitärenneuen Adipositas-Centrum am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), das Fettleibigen mit Beratungen, Therapien und Operationen hilft, die oft sehr schmerzhaften Pfunde loszuwerden, die viele schwere Krankheiten wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Diabetes Typ 2 zur Folge haben können. Am nächsten Freitag, 26. Juni, stellt sich das Adipositas-Centrum von 10-17 Uhr im Foyer des Neuen Klinikums (O10) am UKE, Martinistraße 52, an einem Tag der offenen Tür vor. Im Adipositas-Centrum arbeiten rund zwanzig Mediziner und Verwaltungskräfte daran, Esssüchtigen ihren individuell-richtigen Weg zur Gewichtsabnahme zu zeigen. „Unser Team besteht aus Internisten, Chirurgen, Endokrinologen (Ärzte der Stoffwechselerkrankungen), Ernährungsberatern, Ökotrofologen, Psychosomatikern und Sportwissenschaftlern“, erzählt Marianne Toll, die als Pflegewissenschaftlerin zu diesem Team gehört. Die Adipositas-Spezialisten müssen nicht nur gegen eine Sucht ankämpfen, auch Vorurteile machen ihnen zu schaffen. „Übergewichtige gelten als faul und dumm. Da gibt es viele Stigmatisierungen“, weiß Marianne Toll.
Anerkannte Krankheit
Aber auch die Disziplin selbst hatte zu kämpfen, ehe Adipositas als Krankheit anerkannt wurde. „Auch unter Medizinern“, weiß Oliver Mann. Erst 1989 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Adipositas den Titel Krankheit zuerkannt. Die Wurzeln der Fettleibigkeit liegen in der Zunahme von Wohlstand. Schon 67,1 Prozent der 18- bis 79-jährigen Männer und 53 Prozent der Frauen in diesem Alter sind in Deutschland übergewichtig. Von den 70 bis 79-jährigen haben nur noch etwa ein Sechstel aller Deutschen Normalgewicht. Diese Entwicklungen kann das Adipositas-Centrum nicht verhindern. Die Spezialisten können nur die Symptome behandeln, was die aktive Mitarbeit der Patienten erfordert. „Man muss einsichtig sein und Zusammenhänge begreifen“, erläutert Oliver Mann. Sich unters Messer legen und erwarten, hinterher sei man geheilt, funktioniere nicht. „Prävention ist viel wichtiger. Die Wurzeln zu Adipositas werden in der Kindheit gelegt. Es ist ein gesellschaftliches Problem“, erzählt der Mediziner. Kinder, die mit Essen belohnt werden, essen später zu viel, weil Essen etwas Positives war. Der Spaß an Computer und Internet fördert den Bewegungsmangel. Andere, die Spaß an Beschäftigungen haben, sind besser dran. Darum überlegen die Adipositas-Mediziner, wie sie Anreize schaffen für Kinder und Jugendliche schaffen können, um nicht zu essen. „Es muss cool sein, sich zu bewegen und wenig zu essen. Alles, was man mit Zwang tut, ist von kurzer Dauer“, weiß Oliver Mann. Solange dieser „Schlüssel“ zur wirksamen Prävention noch nicht gefunden wurde, wird das Adipositas-Centrum am UKE noch viel zun tun haben. (ch)

Weitere Infos: Universitäres Adipositas-Centrum; Kontakt: 7410 285 99
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