Experiment geglückt

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Die SchuB-Klasse der Stadtteilschule Eppendorf und ihr Motto: Gib deinem Leben Schub! Foto: Stadtteilschule Eppendorf

Hamburger Bildungspreis für SchuB-Klasse der Stadtteilschule Eppendorf

Hoheluft/Eppendorf Die Stadtteilschule Eppendorf wurde für ihre „Schub-Klasse“ mit dem Hamburger Bildungspreis ausgezeichnet: Sie gehen noch zur Schule und arbeiten doch schon im Berufsleben. Drei Tage in der Woche büffeln sie Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften, an den anderen zwei stehen sie an der Werkbank, pflegen ältere Menschen oder verkaufen Waren aller Art. Im Klassenverband nur möglich an der Stadtteilschule. Dort gibt es seit drei Jahren die sogenannten „SchuB-Klassen“. „SchuB“ steht sowohl für Schule und Beruf, als auch für Schub. Schüler der zehnten Klassen können hier ihren ersten oder zweiten Schulabschlusss erwerben und gleichzeitig zwei Langzeitpraktika in zwei unterschiedlichen Branchen absolvieren.

Positive Resonanz


Die Schüler der derzeitigen SchuB-Klasse stehen gerade kurz vor dem Ende ihres ersten dreimonatigem Praktikums. Alle, die etwas erzählen, berichten Positives.
Malik arbeitet in einem Kiosk mit Postversand. „Ich hatte keinen Bock mehr auf Schule“, gesteht er freimütig. Doch mit zwei Tagen Praktikum in der Woche ist die Schule erträglich, zumal mit nur zwei Lehrkräften, zu denen die Verbindung größer ist als zu den vielen Lehrern vorher. Das heben sie alle hervor. Christiane Supthut und Christian Freier, die beiden Lehrkräfte der SchuB-Klasse, genießen das Vertrauen ihrer Schüler. „Früher gab es viele Konflikte, heute haben wir keine richtigen mehr“, berichtet Christian Freier, der andeutet, dass einige der heutigen SchuB-Schüler vorher Probleme mit der Schule hatten. Doch der Kontakt zur Arbeitswelt und die Rückendeckung durch die beiden Lehrkräfte, die alle Fächer unterrichten, lässt die meist 15- bis 16-jährigen Jugendlichen aufleben. Am Arbeitsplatz werden sie zum ersten Mal wie Erwachsene behandelt. „Man wird gesiezt und lernt die Kollegen kennen. Das macht Spaß. Man gibt sich Spitznamen“, erzählt Öczan, der in einem Supermarkt arbeitet. Auch Lucas, der sein erstes Praktikum in einem Musikgeschäft absolviert, kennt schon alle Kollegen mit Namen. Einige haben schon in diesem ersten Praktikum ihren Beruf gefunden. Josefine, die im Seniorenzentrum St. Markus tätig ist, kann sich nichts anderes vorstellen, als mit Menschen zu arbeiten. Trotzdem wird sie ihr zweites Praktikum in einem Büro absolvieren, um auch dieses Arbeiten kennen zu lernen. Leon möchte eigentlich Tischler werden. Das hat im ersten Praktikum nicht geklappt, das er in einem Sanitärhaus absolvierte. Nun hofft er auf seinen Traumberuf im zweiten Praktikum.

Mehr Abwechslung


Einen Ausbildungsvertrag haben noch nicht alle Absolventen der SchuB-Klassen in der Tasche. Dennoch: „Was die Schüler für eine Entwicklung durchmachen, ist beachtlich“, so Christian Freier. Das beginnt bereits mit dem Entschluss, die SchuB-Klasse besuchen zu wollen. Ein Gremium wählt 20 Bewerber aus, die sich dann die Betriebe für ihre Praktika selbst suchen müssen. „Drei Viertel schaffen das“, berichtet Schulleiter Peter Heine, der die SchuB-Klassen als großen Erfolg sieht. „Viele Schüler wollen nicht mehr zur Schule gehen. Die Fehlzeiten werden höher. Wir müssen sie so betreuen, dass sie einen Sinn sehen in dem, was sie lernen“, findet er. Und den sehen die Schüler der derzeitigen SchuB-Klasse in der Kombination von Schule und Praktikum. „Man kann sich in der Schule vom Praktikum und bei der Arbeit von der Schule entspannen“, sieht Lucas auch Vorteile. Experiment geglückt. Dafür erhielt die Stadtteilschule Eppendorf den Bildungspreis. (ch)
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