Extrageld für Jugendhilfe

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Das Spielhaus Tilly am Lokstedter Weg ist nach wie vor beliebt. Die Kinder werden hier von Leiterin Maika Kulp (r.), Claudia Kampmann (2.v.l.) und Nicole Kläschen betreut Foto: Hanke

Etatkürzung wird durch Restbeträge ausgeglichen

Hamburg-Nord. Noch einmal davongekommen: die Jugendhilfe im Bezirk, die sich in Offene Kinder und Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit, Sozialraumorientierte Angebotsentwicklung und Familienförderung gliedert, kann im Jahre 2014 mit etwa denselben Mitteln arbeiten wie bisher. 2.265.315 Euro stehen zur Verfügung. Aufgrund von Restbeträgen aus diesem Jahr und des für den Jugendtreff Hohenfelde vorgesehenen Betrags, der wegen der Aufgabe dieser Einrichtung - es wurden keine Räume gefunden -, zurückgezogen wurde. „Wir haben uns um eine strukturelle Neuausrichtung herumgedrückt“, gab der Sprecher der CDU-Fraktion, Marcus Müller, unumwunden zu. Die forderte Martin Badel, der Sprecher der SPD-Fraktion: „Wir müssen uns Gedanken machen, wie Jugendhilfe neu organisert werden kann. Das können wir jetzt entspannt angehen. Die Frage ist: Wie kommen wir finanziell über die Runden?“ Die Einrichtungen der bezirklichen Jugendhilfe leiden nicht nur unter dem ständigem Spardruck der Bezirksämter - in diesem Jahr mussten wieder zehn Prozent eingespart werden - sondern auch unter der Ganztagsschule. Durch den zunehmenden Aufenthalt vieler Kinder am Nachmittag in Schulen, verlieren viele Jugendhilfeeinrichtungen ihre Klientel - und geraten in Gefahr langfristig als überflüssig zu erscheinen. „Träger, die die Möglichkeit haben, mit einer Schule zusammenzuarbeiten, sollte diese Chance nutzen“, sagte Marcus Müller.
Kritik an Kürzungen
Michael Schiff von den Grünen kritisierte in Richtung Stadt, dass die Bezirke auch Tarifsteigerungen auffangen müssten: „Die Kürzung beläuft sich de facto nicht auf zehn, sondern auf etwa 15 Prozent, wenn man die Tarifsteigerungen mit einberechnet. Damit werden wir uns nicht abfinden. Das ist nicht Bezirkssache.“ Und er entwarf ein düsteres Zukunfts-Bild von den Jugendhilfeeinrichtungen: „Wir nähern uns Verhältnissen, wie man sie für Mitteleuropa nicht für möglich hält.“ Karin Haas von den Linken hält die Kürzungen „fachlich nicht begründet“ und forderte ebenfalls, dass die Stadt Tariferhöhungen ausgleichen müsse. Außerdem plädierte sie leidenschaftlich für aufbauende Arbeit im Jugendhilfeausschuss: „Wir können nicht immer nur Kürzungsgespräche führen. Das ist kontraproduktiv. Wir sollen Jugendarbeit fördern. Die Konkurrenzsituation unter den Trägern ist unmöglich.“ Und forderte die Träger auf, lauter zu werden.
In Winterhude und Alsterdorf erhalten die sozialräumlichen Projekte Wesselyring und Suhrenkamp weniger Mittel als 2013. Die Mittel für das Jugendhaus Alsterdorf werden dagegen aufgestockt. Abstriche müssen auch die Spielhäuser machen, deren Mittel für den Vormittagsbetrieb reduziert wird. Die Nachfrage sei zurückgegangen, so begründet das Bezirksamt, „so dass zukünftig eine selbst verantwortete Nutzung durch die Eltern am sinnvollsten ist.“ Von einem Rückgang der Nachfrage kann im Spielhaus Tilly am Lokstedter Weg in Eppendorf allerdings keine Rede sein. Das Spielhaus mit dem riesigen Außengelände und vielen Angeboten wie Turnen, Rhythmik und Schwimmen sowie Ausflugsangeboten boomt. Gerade am Vormittag wird das Spielhaus stark besucht. Nur der Nachmittagsbesuch ist aufgrund der Ganztagssschule zurückgegangen. „Dafür kommen jetzt aber viele Eltern mit kleinen Kindern auch am Nachmittag“, erzählt Leiterin Maika Kulp. Jede Kürzung trifft die Einrichtung hart. Nur Maika Kulp ist mit einer Vollzeitstelle fest angestellt. Ein Förderverein unterstützt die Arbeit des Spielhauses. (ch)
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