Fenster zur „Martini“-Welt

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Ausstellung „Mein Quartier gleich neben dir“. Gisela Guber neben dem Foto aus ihrem Fenster: „Dies ist mein Fenster zur Welt – wie bei Picasso“ Foto: Hanke
 
Durch die Frickestraße können Radfahrer jetzt auf Asphalt rollen. Dank MartiniErLeben: Ute Plätzer, Elisabeth Kammer, Heike Wandke (im Rollstuhl), Wolfgang Hinsch, Heidemarie Lange und Ulrike Klose (v. l.) Foto: Hanke

Zehn Jahre MartiniErLeben: Ausstellung zur Feier des Vereins

Von Christian Hanke
Eppendorf
Elf Fotos, gut laminiert und gegen Witterungseinflüsse geschützt, zieren derzeit den Zaun der Kita Schedestraße. Sie zeigen Bewohnerinnen und Bewohner aus der Umgebung, größtenteils aus den vielen Altenstiften, oder Orte, die ihnen lieb und teuer sind. Jedes Foto ist mit einem Text versehen. Ein Foto zeigt den Blick aus einem Fenster ins Grüne. Ein anderes zwei Frauen, die fast übereinanderliegen. Text dazu: Ich bewege mich viel im Viertel und das Viertel bewegt mich. Sechs Studierende der Medical School Hamburg, einer privaten Hochschule, hatten elf Menschen aus dem Viertel an oder nur deren Lieblingsorte als Projekt zum zehnjährigen Bestehen von MartiniErLeben interviewt und fotografiert. Daraus entstand die Fotoausstellung an der Schedestraße „Mein Quartier gleich neben dir“.

Verbesserung schaffen


MartiniErLeben, seit 2011 ein gemeinnütziger Verein, setzt sich für die Verbesserung des Quartiers rund um die Martinistraße zwischen Fricke- und Tarpenbekstraße in allen Lebenslagen ein. Hier leben überwiegend ältere Menschen in Wohnstiften. Außerdem befinden sich hier eine Kirchengemeinde, eine Kita, das Kulturhaus Eppendorf, das Stadtteilarchiv Eppendorf, die Bethanienhöfe mit einem Mehrgenerationenprojekt und gleich nebenan die Sozialstation. Gruppen von MartiniErLeben kümmern sich um den barrierefreien Ausbau dieses Quartiers und um sozialen Zusammenhalt im einmal monatlich stattfindenden MartiniErLeben-Café. Dabei präsentiert ein Gast ein spannendes Thema. Weitere Projekte von MartiniErLeben sind die Eppendorfer Masche, in der einmal im Monat gestrickt, gehäkelt, genäht wird, das Repair-Café mit Fachleuten, die anleiten wie defekte Gegenstände repariert werden, und das Schenkvergnügen zum Verschenken und Beschenkt werden. Kleidung, Bücher, Haushaltswaren, CD´s und vieles mehr wechseln geldlos die Besitzer. Angefangen hatte alles vor zehn Jahren, als ein neuer Bebauungsplanentwurf für das Gelände des Krankenhauses Bethanien vorgestellt wurde, das sich mit zwei anderen Kliniken zusammengeschlossen hatte, um gemeinsam nach Eimsbüttel umzuziehen. Wohnungsbau sollte dort an der Martinistraße 44 künftig gestattet sein. Die umliegenden Einrichtungen aus dem Sozial-, Kultur- und Gesundheitsbereich wurden zur rechten Zeit hellhörig und entwarfen Pläne für ein Mehrgenerationenprojekt auf der Bethanienfläche. Man schloss sich zur Initiative MartiniErLeben zusammen und empfahl dem Bezirksamt und mit dessen Unterstützung später dem Senat erfolgreich diese Idee. Ein gemeinnütziger Träger, der Bauverein der Elbgemeinden, wurde gefunden, der den Umbau des früheren Krankenhauses nun umsetzt. 2009 gründete sich die Arbeitsgruppe „Barrierefrei“, die das Quartier in Bezug auf die Begehbarkeit durch ältere Menschen genau untersuchte. Die Bezirkspolitiker wurden zu einer Begehung eingeladen. Die FDP stellte als erste Fraktion einen Antrag, um Forderungen von MartiniErLeben zu unterstützen. Mit Hilfe der Kommunalpolitik konnten bis heute ein Quartiersplatz an der Ecke Schede- und Frickestraße mit zwei „Seniorenbänken“ und Blumenkübeln eingerichtet, ein Briefkasten niedriger gehängt, das Kopfsteinpflaster von 13 Grundstücksauffahrten durch ebeneres Pflaster ersetzt, eine zusätzliche Querung über die Schedestraße gebaut und eine Bank so versetzt werden, dass die dort Sitzenden nicht mehr mit Fußgängern ins Gehege kommen. Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung für die rund 850 älteren Menschen im Martiniquartier. Als letzte und umfangreichste Maßnahme konnte kürzlich nach langen Diskussionen eine akzeptable Radwegeverbindung durch die Frickestraße zwischen Martini- und Breitenfelder Straße verwirklicht werden. Kopfsteinpflaster wurde durch Asphalt ersetzt und ein kleiner Anschlussradweg verbindet jetzt das Ende der Sackgasse Frickestraße mit der Breitenfelder Straße. Kosten: 80.000 Euro. Dank des nimmermüden Einsatzes von MartiniErLeben, insbesondere von Heidemarie Lange und Wolfgang Hinsch, die viele Stunden in Ausschusssitzungen verbracht haben. Aber es gibt immer noch einiges zu tun. Auf dem Fußweg der Frickestraße zwischen Martini- und Schedestraße können sich Rollstühle und Kinder-Bollerwagen immer noch nicht begegnen. Zu schmal. „Wir haben das Quartier im Auge“, verspricht Wolfgang Hinsch. MartiniErLeben hat noch einiges vor. Ziel: ein „Musterquartier“ für barrierefreies Leben.
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