Frauen und Geld – passt!

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Aufklären durch Vorträge und Beratung: Susanne Kazemieh (l.) mit Carola Neuhold, seit 22 Jahren im TeamFoto: Haas

Wie Susanne Kazemieh und ihr Team Lust auf finanzielles Wissen machen

Hamburg. Schon die Schaufenster enthalten Hingucker. Statt Werbeplakaten prangen hier Zitate in großen Lettern – wie das von Seneca: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht. Sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“
Es ist ein Lieblingszitat von Susanne Kazemieh, 55. Unterstützt von zwölf langjährigen Mitarbeiterinnen ist die Gründerin der Frauenfinanzgruppe seit 1989 erfolgreich im Geschäft: Die Mutter von drei Kindern berät einen stetig wachsenden Kundenstamm zu Altersvorsorge, Versicherungen und Geldanlagen – und zwar individuell und unabhängig. Weil dabei keine Provisionen anfallen, kostet hier guter Rat ein Honorar, das die Kundschaft gerne berappt: Immerhin 80 Prozent ihrer Neukunden kommen durch persönliche Empfehlung, unter ihnen auch zunehmend Männer.

Großer Bucherfolg

Mit der Hausgeburt ihrer Tochter fing alles an. Die Hebamme wird ihre Freundin und fragt um Rat, als es um die Einführung der Rentenversicherungspflicht der freiberuflichen Hebammen geht. Susanne Kazemieh macht sich schlau, ihre Ergebnisse vermittelt sie den Kolleginnen bei einem Info-Abend. Es herrscht weiterhin Beratungsbedarf. Während ihres Studiums der Sonderpädgogik engagiert in der Frauenbewegung, lassen sie die Untiefen und Fallstricke im Bereich von Geldanlagen und Versicherungen nicht mehr los – im Interesse von Frauen: Für die sind Themen rund um Finanzen und Altersvorsorge noch immer ein Tabu, oft genug mit bösem Erwachen, wenn sie naiv alles ihren Männern überlassen haben. „Ich merkte, an dieser Stelle bin ich richtig.“ Und so startet Susanne Kazemieh ihren beruflichen Quereinstieg. „Bestenfalls ein mildes Lächeln“ erntet sie anfangs, als sie sich in der bis heute von Männern dominierten Finanzwelt bewegt.
Dann erscheint 1991 ihr Buch: Der erste deutsche „Versicherungs- und Finanzratgeber für Frauen“ ist bald vergriffen. „Es war eine echte Herausforderung, Frauen das Thema Geld und Altersvorsorge nahezubringen.“ zieht Susanne Kazemieh nach 26 Jahren Bilanz. Auch heute ereifert sie sich, wie weit die Diskriminierung von Frauen immer noch reicht. In Vorträgen möchte sie Frauen die „Lust vermitteln“, sich in Gelddingen selbst schlau zu machen. Dafür hat sie gute Argumente parat. Etwa wenn sie entdeckt, dass Banken immer noch riskante Zertifikate als „sichere Geldanlage“ anpreisen, das Risiko eines Totalverlusts aber nur im Kleingedruckten vorkommt.

Als sie die Haspa übernahm

Das kleine Büro im Eppendorfer Schrammsweg wird bald zu eng. Über den Umzug vor 14 Jahren in die ehemalige Haspa-Filiale an der Grindelallee 176 informiert sie ihre Kundschaft mit dem ironischen Betreff: „Frauenfinanzgruppe übernimmt Haspa“. Finanzkrise und Börsen-Crashs wie etwa nach der „Dotcom-Blase“ oder der Insolvenz der Lehman Brothers tangieren sie wenig. Bei der Prüfung der individuellen „Anlagehorizonte“ erwirbt sie das Vertrauen ihrer Kundschaft und bleibt im Geschäft: Trotz der Versuche, unabhängige Vermittler aus dem Markt zu drängen. Und ganz ohne staatliche „Rettungsschirme“. (wh)
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